Dok.-Nr.: 2000383

DATEV Redaktion LEXinform

Pressemitteilung vom 16.08.2016

Schwacke: Neuwagen-Zulassungen und Prognose - Rückgang im Juli


Neuwagen-Zulassungen und Prognose - Rückgang im Juli

Zum ersten Mal seit Jahresbeginn gehen die Zulassungszahlen zurück. Sie sinken sogar recht deutlich, um fast vier Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Danach hatte es im ersten Halbjahr nicht ausgesehen. Kontinuierliches Wachstum bescherte der Branche von Januar bis Juni ein Zulassungsplus von +7,1 Prozent, die Segel waren gesetzt, Kurs Rekordjahr. Doch der Juli bringt erst einmal eine Flaute. Ob es sich um eine Vollbremsung oder nur eine Verschnaufpause handelt, müssen die kommenden Monate zeigen. Denn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Januar bis Juli 2015) sind die Zulassungen nur um -0,2 Prozent gesunken.

278.866 Pkw wurden im Juli erstmals zugelassen, damit fällt der Wert im Vergleich zum Vorjahresmonat um -3,9 Prozent. Auf Diesel-PKW entfällt aktuell mit 47,1 Prozent Marktanteil fast die Hälfte der Neuzulassungen, ihre Zulassungen gingen um -7,1 Prozent zurück. Bei den Benzinern (51,1 Prozent Marktanteil) sank die Zahl der Neuzulassungen um -0,8 Prozent. Zuwächse verzeichneten alleine Hybrid-Pkw (3.625, darunter 1.016 Plugin-Hybride), eine Steigerung um +26,8 Prozent. Rückläufig hingegen die Zahl bei den Elektrofahrzeugen, wo sich trotz angekündigter staatlicher Prämie lediglich 785 Neuwagenkäufer fanden (-18,4 Prozent).


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Auf der Strecke blieben vor allem die deutschen Volumenmarken Die einzigen einheimischen Hersteller mit nennenswerten Zuwächsen im Juli waren Mini (+14%) und Ford (+12%), außerdem war Audi leicht im Plus (+1,1%). Porsche (-18%) und smart (-16%) führen die Verliererliste der deutschen Marken an. Im Gegensatz dazu konnten die kleineren Importmarken erheblich zulegen, die durch den Erfolg eines einzelnen Modelles große prozentuale Zuwächse erzielten. In allen Fällen waren dies, einmal mehr, die SUV (Beispiele Lexus NX, Jaguar F-Pace). Generell waren die SUV die einzigen Modelle, an denen die Kaufzurückhaltung abperlte, ihr Segment legte um +18,1 Prozent zu.

IHS-Prognose: PKW-Neuzulassungen in Deutschland*


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*(Datenquelle: IHS Global GmbH, http://www.ihs.com/)

Gebrauchtwagenmarkt im Juni

Das erste Halbjahr schließt für den Gebrauchtwagenhandel im Plus. Mit leichten Zuwächsen geht es in den Sommer.

Der Gebrauchtwagenmarkt zeigt sich zwar nicht ganz so stark wie im Mai, steigert sich aber immerhin um +1,8 Prozent verglichen mit dem Vormonat. 658.326 Wiederzulassungen verzeichnete das KBA für den Juni, der damit zu einem positiven Ergebnis der Halbjahresbilanz beiträgt. In den ersten sechs Monaten wurden insgesamt 3,74 Millionen Pkw auf einen neuen Halter angemeldet, was einer Steigerung um +1,4 Prozent entspricht. Die ersten sechs Monate brachten nicht bei allen Herstellern Zuwächse. Am stärksten nahmen die Absatzzahlen gebrauchter Audi-Modelle zu, sie stiegen von 265.751 auf 275.746 Fahrzeuge. Auch die anderen Volkswagen-Konzernmarken Seat, Skoda sowie VW selbst zeigten ein deutliches Stückzahlenwachstum. Skoda arbeitet sich beharrlich an Renault heran, steht aber noch auf Rang zwei der Importeurs-Hitliste der Gebrauchtwagen. VW, Opel und Mercedes, so lautet die Beliebtheits-Rangfolge der deutschen Fabrikate.


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Die Besitzumschreibungen im Juni nahmen bei den Dieselfahrzeugen stärker zu als bei den Pkw mit Benzinmotor. Bei 222.604 der Wiederzulassungen handelte es sich um Modelle mit Selbstzünder unter der Haube. Mehr als die Hälfte davon entfiel auf moderne Euro-5- und Euro-6-Fahrzeuge. Die Zahl der gehandelten Euro-6-Diesel hat sich von 13.751 im letzten Juni auf 42.375 um rund 310 Prozent erhöht, eine beachtliche Zahl. Zum Vergleich: Bei den Benzinern beträgt der Anteil moderner Fahrzeuge mit EU5 und EU6-Einstufung lediglich rund ein Drittel. Keine nennenswerten Stückzahlen, jedoch eine merkliche prozentuale Steigerung gibt es bei den voll- und teilelektrisierten Fahrzeugen zu melden. 2.105 Hybrid-Pkw wurden im Juni erneut zugelassen (+41 Prozent), bei den Elektroautos stiegt die Zahl um +16 Prozent auf 190 Fahrzeuge.

Restwert-Entwicklung und Standzeiten - Wenig Bewegung

Eine geringe Belebung bei den Restwerten und keine Bewegung bei den Standtagen gibt es zum August zu vermelden.

Der in den vergangenen Monaten mit großen Schritten vollzogene Wertanstieg im Gebrauchtwagenmarkt geht in die Sommerpause. Um 0,1 Prozentpunkte steigt der durchschnittliche Restwert eines Gebrauchtwagens auf nunmehr 56,1 Prozent. Um diesen Wert geht es auch in den einzelnen Segmenten verglichen mit dem Vormonat hin oder her, eine klare Tendenz ist nicht auszumachen. Im Langzeitvergleich über zwei Jahre haben damit die Restwerte der in Deutschland gehandelten Zweithand-Fahrzeuge um durchschnittlich drei Prozentpunkte zugelegt. Sieben der dreizehn verglichenen Fahrzeugsegmente hinken dabei der Marktentwicklung hinterher. Sei es, weil sie ohnehin bereits sehr werthaltig sind oder, wie im Falle der Oberklasse, die Verbesserung der Restwerte sehr beschaulich verläuft. Auffällig sind die Zugewinne bei den großen Luxus-SUV und vor allem bei den Sportwagen, deren Restwerte sich in den vergangenen zwei Jahren stark gesteigert haben. Analysiert werden die Restwerte von Fahrzeugen mit 60.000 Kilometer Laufleistung und einem Alter von drei Jahren.


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Standtage im Überblick
Nach der kräftigen Beschleunigung in den Vormonaten pausiert die Branche etwas, die Standtage im gewerblichen Handel stagnieren auf einem Durchschnittsniveau von 99 Tagen. Das entspricht dem Vormonatswert, was jedoch dessen starken Gewinn bestätigt. Die Reduzierung der Verkaufsdauer um drei Tage im vergangenen Monat war demnach kein kurzfristiges Strohfeuer. Dass die Standtage im Durchschnitt keine Veränderung zeigen, liegt an der mangelnden Bewegung in den stückzahlstarken Segmenten. Die meistgehandelten Fahrzeuge bei den Kleinwagen sowie in der Kompakt- und Mittelklasse verharren auf gleichem Niveau. Dadurch wirken sich erhebliche Änderungen in zwei Nischensegmenten nicht auf den Durchschnitt aus: In der Oberklasse sinkt die Verkaufsdauer binnen eines Monats um fünf auf 132 Tage, bei den Sportwagen liegt die Reduktion bei zwei auf jetzt 139 Tagen. Da in diesen Segmenten verhältnismäßig kleine Volumen gehandelt werden, sind solche großen Sprünge zwischen einzelnen Berichtszeiträumen nicht ungewöhnlich.


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Segment-Entwicklung - SchwackeBlickpunkt: Mittelgroße Premium-SUV

Sie sind die Musterknaben im Gebrauchtwagenhandel. Die Medium-SUV im Premium-Bereich sind nicht nur erfolgreich, sondern auch außerordentlich wertstabil.

Mittelklasse ist relativ. Denn tatsächlich erhält man für den Gegenwert eines Porsche Macan oder Audi Q5 auch eine stattliche Limousine. Von den Restwert-Niveaus der hochpreisigen Medium-SUVs können andere Modelle nur träumen. Und daran ändert sich auch nichts, die Beliebtheit dieser Fahrzeuge nimmt eher noch zu. Dass Umsatz und Margen stimmen, zeigt außerdem die weiter steigende Zahl an Marktteilnehmern. So ist Jaguar erst seit kurzem und vom Stand weg sehr erfolgreich mit dem F-Pace am Start.


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Das Edel-SUV von der Insel konkurriert mit einem engen Verwandten, dem Range Rover Evoque. In der Prognose zur künftigen Wertentwicklung gewinnt das hausinterne Jaguar-Land-Rover-Rennen eindeutig der F-Pace, was für die frischgebackenen Besitzer eine gute Nachricht ist. Der Jaguar zeigt sich bei den untersuchten Modellen generell bei bester Gesundheit und muss sich bei der Restwert-Performance nur einem Modell geschlagen geben: mit 70,1 Prozent Restwert für einen Dreijährigen erreicht der Porsche Macan einen Fabelwert. In dieser wertstarken Phalanx fällt lediglich ein SUV aus der Reihe. Der bereits seit acht Jahren angebotene Volvo XC60 bildet das Schlusslicht. Allerdings wird Volvo mit dem für 2017 erwarteten neuen XC60 seine Position wieder deutlich verbessern können. Bewertet wurden jeweils die Diesel-Motorisierungen der Modellreihen.

Wirtschafts-Prognose - Der Brexit und die Folgen

Im Juli sind nach Ansicht der Marktforschungsinstitute die ersten Auswirkungen des britischen EU-Austritts zu verzeichnen.

Derzeit gibt es nur das Ergebnis eines Referendums, ansonsten ist noch nichts passiert: Großbritannien ist nach wie vor ein EU-Mitgliedsstaat. Doch die Schockwellen sind nun dennoch spürbar. In der monatlichen Untersuchung des ifo-Instituts haben sich die Konjunkturdaten leicht eingetrübt. Dazu führen in erster Linie die Daten aus der Industrie und dem Großhandel. Im verarbeitenden Gewerbe wurden die Prognosen für die künftige Entwicklung deutlich zurückgefahren, von besonderem Pessimismus berichteten die Vertreter der Autobranche. Im Großhandel wurde die Bewertung der aktuellen Geschäftslage erheblich nach unten korrigiert. Vom Brexit naturgemäß kaum betroffen zeigt sich die Baubranche. Hier gibt es weiterhin volle Auftragsbücher und zufriedene Gesichter, die Zukunftserwartungen sind ausgesprochen positiv. Der ifo-Geschäftsklimaindex sank im Juli von 108,7 auf 108,3 Punkte.

In dieselbe Richtung geht der Trend auch nach Ansicht des GfK-Instituts in der monatlichen Konsumentenbefragung. Der Aufwärtstrend des Konsumklimas wurde im Juli unterbrochen, der Gesamtindikator sank um 0,1 auf 10,0 Punkte. Verantwortlich dafür sind spürbare Rückgänge bei der Konjunktur- und der Einkommenserwartung. Die Verbraucher befürchten eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums, was das Gfk-Institut eigens mit einer Zusatzbefragung validierte. Demnach stimmten 51 Prozent der befragten Konsumenten der Aussage zu, dass der Brexit zu negativen Folgen für die deutsche Wirtschaft führen würde. 40 Prozent waren nicht dieser Meinung. Demgegenüber sieht nur eine Minderheit der Verbraucher Arbeitsplätze im Inland in Gefahr. Die schwächer beurteilten Konjunkturaussichten schlagen sich auch in der Einkommenserwartung nieder, die im Juli deutlich zurückging. Doch ihre Kauflaune lassen sich die Deutschen bislang nicht vermiesen, der Indikator für die Anschaffungsneigung stieg sogar leicht an.

Datenquelle:
ifo Institut (http://www.cesifo-group.de)
GfK SE (http://www.gfk.com)

Redaktionelle Hinweise:

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Quelle: EurotaxSchwacke (Auszug aus dem Schwacke Newsletter)

Schlagwörter:

KFZ-Bewertung, PKW-Bewertung, Automietpreise, Neuwagen, Gebrauchtwagen, Restwert, Nutzungsausfall


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