Dok.-Nr.: 2000383

DATEV Redaktion LEXinform

Pressemitteilung vom 15.12.2016

Schwacke: SchwackeListe Automietpreisspiegel als Schätzgrundlage herangezogen


SchwackeListe Automietpreisspiegel als Schätzgrundlage herangezogen

Zur Ermittlung der erforderlichen Kosten in mehreren streitgegenständlichen Einzelfällen für die Anmietung von Ersatzfahrzeugen, zieht das Oberlandesgericht Dresden den SchwackeListe Automietpreisspiegel (7 U 685/16 vom 09.11.2016).

In einem Berufungsverfahren legt das Gericht zur Bestimmung des ersatzfähigen Normaltarifs die SchwackeListe zu Grunde, da nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes die Schätzung nach Schwacke im maßgeblichen Postleitzahlgebiet erfolgen kann.

Die von der Beklagtenseite fallbezogenen Einwendungen überzeugten das Oberlandesgericht nicht, da die vorgelegten Preisangebote anderer Autovermieter nicht mit den vorliegenden konkreten Anmietsituationen vergleichbar waren. Den Alternativbeispielen war nicht zu entnehmen, ob bei einer Buchung der Angebote das Mietende hätte offen bleiben bzw. die Mietdauer unproblematisch verkürzt oder verlängert werden können. Bei den eingereichten Angeboten müssten die Geschädigten generell die Ersatzfahrzeuge bei den Mietwagenanbietern abholen - laut Gericht ist dieser Umstand jedoch nicht zumutbar.

Des Weiteren monierte die Beklagtenseite, die Anmieter der Ersatzfahrzeuge hätten vor Vertragsabschluss Vergleichsangebote auf dem örtlichen Markt einzuholen. Nach ständiger Rechtsprechung des Senats sind jedoch weitere Erkundigungen nach einem günstigeren Tarif im Regelfall nur dann erforderlich, wenn ein auffällig hohes Abweichen von den Preisen des SchwackeListe Automietspreisspiegels vorliegt. In den streitgegenständlichen Verfahren waren die vereinbarten Preise nicht überhöht, eine Erkundigungspflicht oblag den Geschädigten daher nicht.

Angefallene Nebenkosten wie Winterräder, Zweitfahrer und Haftungsreduzierung sind laut Gericht ersatzfähig.

Neuwagenzulassungen und -prognose - Jahresend-Rallye

Aufatmen bei den Herstellern. Nach einem starken Einbruch im Vormonat liefert der November bei den Neuzulassungen versöhnliche Ergebnisse.

Ein Plus um immerhin 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahres-November bügelt die Delle wieder aus, die der Oktober beim Neufahrzeugabsatz verzeichnete. Dieses ungewöhnliche und gegenüber den vergangenen Jahren antizyklische Minus hatte die Gesamtjahres-Zahlen kräftig nach unten gedrückt. Die Erholung zum Jahresende lässt nun jedoch den ziemlich sicheren Schluss zu, dass 2016 doch mit einem spürbaren Absatzplus enden wird. Nach elf Monaten liegt es bei +4,6 Prozent: 276.567 Pkw-Neuzulassungen im November, rund 3,1 Millionen von Januar bis November, verzeichnet das Kraftfahrt-Bundesamt.


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Mit der vorläufigen Bilanz der elf Monate dürften tatsächlich nahezu alle Hersteller zufrieden sein, denn bis auf fünf Marken sind alle anderen im Plus. Dass es sich bei einer der wenigen Marken mit Negativentwicklung allerdings um Branchenführer VW handelt, fällt bei den Stückzahlen umso größer ins Gewicht. Immerhin, mit dem SUV-Geschäft setzen die Wolfsburger auf das richtige Pferd, die Absatzzahlen des VW Tiguan stiegen zuletzt um rund 25 Prozent.

Im Angesicht der Diskussion um Abgaswerte, Feinstaubalarme und Fahrverbote kommt dem Blick auf den Antriebsmix bei den Neuzulassungen besondere Bedeutung zu. Der Anteil an Dieselmodellen hat sich gegenüber dem Vormonat zwar leicht erhöht, ist in Relation zum November 2015 jedoch um über acht Prozent rückläufig. Zuletzt waren 44,9 Prozent der Neuwagen mit einem Diesel- und 52,7 Prozent mit einem Benzinmotor ausgestattet. Einen prozentual starken Zuwachs verzeichnen Hybrid-Pkw. 4.829 Neuzulassungen, das entspricht einem Plus von 31 Prozent. Dafür fehlt den Elektroautos nach wie vor die Initialzündung. Trotz Förderprämie und Zukunftsdiskussion lautet das Ergebnis im November bei 1.231 Neuzulassungen -10,3 Prozent für die Stromer. Demgegenüber feierten erneut die SUV (+22,9%) und Geländewagen (+10,4%) die stärksten Zuwächse

IHS-Prognose: PKW-Neuzulassungen in Deutschland*


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Gebrauchtwarenmarkt im Oktober

Analog zum Oktober-Einbruch bei den Neufahrzeugzulassungen ging auch die Zahl der gehandelten Gebraucht-Pkw deutlich zurück.

Mit einem strammen Minus bringt der Oktober den bisherigen Jahresverlauf für die Gebrauchtwagenhändler durcheinander. 599.151 Besitzumschreibungen wurden registriert, gegenüber dem Vorjahresmonat ein Rückgang um fast fünf Prozent. Noch gravierender wird der Einbruch im Vergleich zum Vormonat, da lagen die Wiederzulassungen noch mit 3,2 Prozent im Plus. Unter dem Strich bedeutet dies einen nur noch hauchdünnen Zuwachs für die Monate Januar bis Oktober, mit 6,23 Millionen beträgt der Stückzahlengewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum lediglich noch +0,6 Prozent. An dieser starken Schwankung binnen eines Monats lässt sich auch unmittelbar der Einfluss von taktischen Neuwagenzulassungen ablesen. Denn die Neuzulassungen gingen im Oktober ebenfalls um -5,6 Prozent zurück. Der sofortige Einfluss auf die Anzahl der Besitzumschreibungen ist augenfällig.

Obwohl im Oktober 2015 fast 30.000 Gebrauchtwagen mehr gehandelt wurden als in diesem Jahr, konnten einige Hersteller dennoch ihre Stückzahlen halten. Das bedeutet einen entsprechend gewachsenen Marktanteil im Second-Hand-Geschäft, was besonders VW eindrucksvoll unter Beweis stellt. Fahrzeuge der Volkswagen-Kernmarke verzeichnen im Oktober 129.324 Besitzumschreibungen, nur rund 500 weniger als vor einem Jahr. VW konnte damit den Anteil im Gesamtmarkt von 20,6 auf 21,6 Prozent ausbauen. Ebenfalls deutlich fallen die Werte bei Audi aus, bei nahezu unveränderten Absatzzahlen stieg der Marktanteil von 7,4 auf 7,7 Prozent, während bei Erzrivale BMW ein Rückgang um 0,1 Prozentpunkte zu beobachten ist.


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Sinkende Tendenzen gibt es auch bei einer anderen Berechnung: Die Zahl der weiblichen Kundschaft für die Gebrauchtwagenhändler ist rückläufig, der Anteil an Frauen unter den Gebrauchtwagenkäufern sank im Jahresvergleich von 35,8 auf 35,6 Prozent. Bei den Antriebskonzepten bauten die Dieselmotoren ihren Anteil spürbar aus (von 30,7 auf 32,2 Prozent), gestiegen ist außerdem die Anzahl der gehandelten Hybridmodelle. 2.046 Hybrid-Besitzumschreibungen im Oktober bedeuten einen Anstieg um fast 40 Prozent.

Restwertentwicklung und Standzeiten - länger warten, mehr verdienen

Mit geringeren Zuwächsen zeigt sich die Restwertentwicklung verkäuferfreundlich. Allerdings brauchen die Händler auch mehr Geld.

In der Gesamtbetrachtung bleiben die Restwerte in ruhigem Fahrwasser. Segmentübergreifend hat sich in den vergangenen Monaten ein Preisplateau herausgearbeitet, das einen durchschnittlichen, drei Jahre alten Gebrauchtwagen mit 60.000 Kilometer Laufleistung bei 56,3 Prozent seines ehemaligen Listenpreises sieht. Dennoch gab es in einzelnen Segmenten etwas Bewegung, am meisten tat sich im Vergleich zum Vormonat bei den SUV aller Größenkategorien. Der Zweijahresrückblick sieht ebenfalls SUV weit vorne - hier allerdings lediglich die Luxus-Modelle. Mit einer Erhöhung der Restwerte von 55,1 auf 61,0 Prozent liegen die großen SUV mit großem Abstand an der Spitze. Durchschnittlich erhöhten sich die Restwerte in den vergangenen 24 Monaten von 53,2 auf 56,3. Unterhalb dieses Mittels liegen sieben von 13 Fahrzeugsegmenten. Eine Besonderheit dabei sind abermals die SUV und Geländewagen, welche ihre durchgängig hohen Restwerte nochmals ausweiten konnten. Dass die kleinen SUV am Ende der Tabelle zur Restwertentwicklung stehen, liegt an ihrem Ausgangswert - bereits vor zwei Jahren war es das mit Abstand wertbeständigste Segment.


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Standtage im Überblick

Die vorweihnachtlichen Käufe der Deutschen führten eher nicht auf den Hof der Gebrauchtwagenhändler, denn die Standtage sind weiter im Steigen begriffen. Dabei gibt der durchschnittliche Wert (Anstieg von 100 auf 101 Tage binnen eines Monats) die Einzelentwicklung nur unvollständig wieder, denn in etlichen Segmenten ging es mit der Parkdauer sogar noch deutlich höher hinauf. Spitzenbummler im Oktober bleiben Fahrzeuge der Oberklasse. Allerdings mit dem Kuriosum, dass sich hier die Standtage sogar reduziert haben (132 statt 135). Gleiches gilt für die Sportwagen, die ebenfalls einen rückläufigen Wert aufweisen. Während bei den Geländewagen die Standtage zuletzt abnahmen, ging es bei den anderen Offroad-Kollegen in die entgegengesetzte Richtung. Plus drei Tage für die Mittelklasse-SUV, sogar jeweils fünf Tage extra bei den kompakten und den Luxus-SUV. Obwohl diese Fahrzeuge bei den Kunden gefragt sind, sorgt das Angebot inzwischen für reichlich Auswahl und damit für eine längere Pause der Gebraucht-SUV beim Händler. Den schnellsten Umsatz bescheren derzeit Kleinwagen, Kompakt-Vans und mittelgroße SUV - die drei einzigen Segmente, in denen die Zahl der Standtage nicht dreistellig ist.


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Segmententwicklung - Schwackeblickpunkt: Große Vans

Im Schatten des SUV-Booms haben sich die Großraum-Limousinen stetig weiterentwickelt. Einige sind echte Restwert-Meister.

Bei bestimmten Ansprüchen an ein Fahrzeug führt an den großen Vans kein Weg vorbei. Wer oft große Mengen zu transportieren hat oder Oberhaupt einer vielköpfigen Familie ist, braucht entsprechend Platz. Und davon bieten, aller SUV-Begeisterung zum Trotz, die großen Vans nach wie vor am meisten. Dabei ist dieses Modellsegment wider Erwarten gar nicht so sehr Nische, die Verkaufszahlen untermalen das. Mit einem Zuwachs um fast 18 Prozent und insgesamt über 140.000 Neuzulassungen von Januar bis November sind große Vans ein wichtiges Standbein für die Hersteller.


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Im Restwertverhalten werden sich die Großraumlimousinen künftig relativ ausgewogen entwickeln, wie die Schwacke-Prognose darstellt. Mit einem durchschnittlichen Restwert von 55,8 Prozent bewegt sich das Segment in der Nähe des aktuellen Marktdurchschnitts. Größere Ausreißer nach oben oder unten kann die Berechnung nicht aufzeigen, zwischen dem Modell mit dem geringsten und jenem mit dem höchsten Restwert liegen lediglich 5,4 Prozentpunkte. Dabei können die Kunden bei drei Modellen auf einen überdurchschnittlich hohen Werterhalt setzen: Mercedes V-Klasse, VW Sharan und Seat Alhambra performen überhalb des Durchschnittswertes.

Wirtschaftsprognose - Trump und die Folgen

Auch die Wirtschaftsinstitute waren im November im Bann der US-Präsidentschaftswahl und beleuchten deren Einfluss auf Gewerbe und Verbraucher.

Obwohl etliche Experten ein mittelschweres Beben an den Finanzmärkten prognostiziert hatten, sollte Donald Trump zum US-Präsident gewählt werden, blieben derartige Verwerfungen aus. Im Gegenteil, die Aktien steigen auf Rekordhöhe. „Vorerst unbeeindruckt“ zeigt sich auch die deutsche Wirtschaft laut der monatlichen Analyse des ifo-Instituts. Mit einem Durchschnittswert von 110,4 Punkten bleibt der Geschäftsklimaindex zum Vormonat praktisch unverändert und auf einem insgesamt hohen Niveau. Abseits des Baugewerbes, das von Rekord zu Rekord eilt und auch im November wieder Bestzahlen bei Auftragslage und Zukunftsperspektiven meldet, verlief die Entwicklung jedoch unterschiedlich. Leicht gesunken sind die Daten im verarbeitenden Gewerbe, wo vor allem schlechtere Exportaussichten in den kommenden sechs Monaten den Index drücken. Viele Unternehmen planen in naher Zukunft Preiserhöhungen ein. Gestiegen sind die Geschäftsklimadaten hingegen im Handel. Dabei beurteilen Großhändler die Aussichten und Einzelhändler das Tagesgeschäft besonders positiv.

Die Gesellschaft für Konsumforschung meldet für den November einen leicht gestiegenen Indikator, der um 0,1 auf 9,8 Punkte zulegt. Die Konsumenten zeigten sich laut GfK in ihren Einschätzungen in diesem Monat insgesamt gesehen überaus stabil. Die gesamtwirtschaftlichen Aussichten werden zum zweiten Mal in Folge positiver gesehen. Auch im Hinblick auf die Einkommenserwartung geben sich die Deutschen optimistischer als in den Vormonaten. Zugelegt hat außerdem die Anschaffungsneigung der Verbraucher, was dem Konsumklima insgesamt leichte Zuwächse beschert. Diese verstärkte Kauflust wird von der weiterhin sehr geringen Sparfreude unterstützt. Angesichts der nach wie vor unbefriedigenden Zinslage sehen nur wenige Verbraucher im Sparen eine sinnvolle Alternative. Unabhängig von der persönlichen Einkommensstruktur haben die Konsumforscher über alle Gehaltsklassen hinweg eine durchgehend hohe Zustimmung zu kleineren wie größeren Anschaffungen über den regulären Lebensbedarf hinaus erfasst.

Datenquelle:
ifo Institut (http://www.cesifo-group.de)
GfK SE (http://www.gfk.com)

Redaktionelle Hinweise:

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Quelle: EurotaxSchwacke (Auszug aus dem Schwacke Newsletter)

Schlagwörter:

KFZ-Bewertung, PKW-Bewertung, Automietpreise, Neuwagen, Gebrauchtwagen, Restwert, Nutzungsausfall


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