Dok.-Nr.: 2000383

DATEV Redaktion LEXinform

Pressemitteilung vom 14.03.2017

Schwacke: Schätzung der Mietwagenkosten nach SchwackeListe


Neuwagenzulassungen und -prognose - Wechselbad der Zahlen

Nach starkem Start ins neue Jahr kehren sich die Vorzeichen im Februar um, es gibt Verluste und rückläufige Verkäufe.

Das Jahr ist erst gestartet, trotzdem gibt es bereits ein wildes Auf und Ab. Nach einem fulminanten Januar folgt im Februar die Ernüchterung, denn im Vergleich zum Vorjahresmonat gingen die Neuzulassungen um -2,6 Prozent zurück. 243.602 Pkw-Erstzulassungen meldet das KBA. Das genügt jedoch nicht, um bereits jetzt die Gesamtstatistik ins Minus zu treiben, 485.001 Millionen Neuzulassungen in den ersten beiden Monaten bedeuten einen Zuwachs um +3,5 Prozent. Wie inzwischen üblich klammern sich die SUV vom allgemeinen Trend aus und steigern die Zulassungszahlen um über 16 Prozent, während in vielen anderen Segmenten zum Teil starke Rückgänge zu verzeichnen sind. Besonders stark wirkten sich die Verluste in den Volumensegmenten der Kleinstwagen (-13,7%) und der Kompaktklasse (-8,6%) aus.

Die meisten deutschen Marken verzeichnen Verluste, alleine Mini, Audi, Porsche und Ford sind im Februar in der Gewinnzone. Die stärksten Rückgänge gab es bei Smart (-21,6%) und Volkswagen (-18,6%). Bei den Importeuren konnten vor allem Nischenmarken ein starkes prozentuelles Wachstum verzeichnen, neben Tesla (+122%) weisen Alfa Romeo, Suzuki, Lexus und Ssangyong erhebliche Zugewinne von 50 Prozent und mehr auf.


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Obwohl tagesaktuelle Diskussionen sich mit entsprechender Verzögerung auf die Zulassungszahlen auswirken, steht dem Dieselmotor im Pkw wohl eine durchwachsene Zukunft bevor. Inzwischen scheint sich dies auch bei den Neuwagenabsätzen zu manifestieren. Der Anteil von Diesel-Pkw bei den Erstzulassungen ging um -10,5 Prozent zurück, der absolute Anteil sank im Februar um -3,8 Prozentpunkte auf 43,4 Prozent aller Neuwagen. Erhebliche Steigerungen hingegen bei Elektroautos (+106%) und Hybrid-Pkw (+44%), womit immerhin 6.628 im Februar erstmals zugelassene Pkw zumindest abschnittsweise rein elektrisch fahren können.


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Gebrauchtwarenmarkt im Januar

Mit einem komfortablen Wachstum beginnt das neue Jahr für den Gebrauchtwagenhandel erfreulich.

Der Jahresbeginn verlief für die Händler gebrauchter Pkw mit einem Zuwachs. Nachdem die Wiederzulassungen dem Trend bei den Neuzulassungen regelmäßig mit einmonatiger Verzögerung nachfolgen, war die Absatzsteigerung um +2,9 Prozent zu erwarten. Mit 566.414 Besitzumschreibungen wurde der Grundstein für das neue Jahr gelegt.

Der Markentrend aus den vergangenen Monaten zeigte sich vom Jahreswechsel unbeeinflusst. Hersteller, die bereits zuletzt steigende Anteilswerte verzeichneten, trugen diese Entwicklung auch ins neue Jahr. Bezogen auf die deutschen Hersteller bedeutet dies speziell bei den Konzernmarken von Volkswagen eine zunehmende Anzahl der Wiederzulassungen, am stärksten stiegen die Anteile bei Skoda und der Hauptmarke VW. Wie bereits zuvor meldet der Handel dagegen bei den Marken BMW, Opel und Ford rückläufige Zahlen. VW erreicht im Januar mit 122.425 Fahrzeugen einen Marktanteil von 21,6 Prozent an den Gebrauchtwagenumschreibungen, mit Abstand folgen Opel (63.159) und Mercedes (51.511) auf den Plätzen zwei und drei. Stärkste Importmarke bleibt Renault, wobei hier der Marktanteil im Vergleich zum Januar 2016 von 5,1 auf 4,8 Prozent sank. Die zweitplatzierte Marke Skoda hat hingegen von 3,0 auf 3,2 Prozent zugelegt, 18.320 Besitzumschreibungen im Januar.


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Ein Trend weg vom Diesel lässt sich bei den Besitzumschreibungen noch nicht nachvollziehen, im Gegenteil. Der Marktanteil der Selbstzünder bei den Gebrauchtwagenverkäufen stieg im Vergleich zum vergangenen Januar von 33,3 auf 33,6 Prozent, während die Benzin-Pkw von 65,12 auf 64,65 Prozent verloren. Ein starker Zuwachs ist bei den alternativen Antrieben mit Elektrobeteiligung zu sehen. Dank der hohen Steigerungen im Hybridbereich (2.267 Fahrzeuge statt 1.430 im Vorjahr) und einem leichten Wachstum bei den Elektroautos (320 statt 302 Stück) wuchs der Marktanteil dieser Fahrzeuge im Gebrauchtgeschäft von 0,3 auf 0,5 Prozent.

Restwertentwicklung und Standzeiten - Kaum Bewegung im Markt

Auch in diesem Monat heißt das Motto: Fast alles wie gehabt. Keine echte Entwicklung in Sachen Restwerte und relativ gleichbleibende Wartezeiten bringen keine Überraschungen.

Die Betrachtung der Entwicklungskurve bei den Pkw-Restwerten konnte man sich in den letzten Monaten fast sparen, denn große Spannung kam dabei nicht auf. Vier Mal in Folge lag diese zuletzt segmentübergreifend bei 56,3 Prozent, die 56-Prozent-Marke wurde sogar bereits vor acht Monaten erstmals erreicht. Doch nun hat sich zumindest ein klein wenig getan, 56,1 Prozent lautet der Durchschnittswert. Der Handel kann derzeit auf stabile Preise setzen und die Planungen entsprechend langfristig gestalten. Im Zweijahres-Rückblick stehen die großen SUV an der Spitze der Restwertentwicklung, sie haben um 10,3 Prozent zulegen können. In absoluten Zahlen, also dem Zuwachs an Prozentpunkten, konnten sich diese ebenfalls am besten entwickeln, ihr durchschnittlicher Restwert stieg binnen 24 Monaten von 55,0 auf 60,6 Prozent für einen dreijährigen Gebrauchtwagen mit 60.000 Kilometern auf der Uhr. Stark zulegen konnten auch die Sportwagen, die mit 4,8 Prozentpunkten Restwertzuwachs weit über dem Durchschnitt liegen. Ein stark unterdurchschnittliches Restwertwachstum gibt es hingegen bei den Kleinstwagen und den kompakten SUV.


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Standtage im Überblick

Stillstandtage sind seit drei Monaten zu beobachten. Im aktuellen Berichtszeitraum verharren die Parkzeiten durchschnittlich bei 104 Tagen, ein Tag mehr als im Vormonat. So lange müssen gewerbliche Händler derzeit auf einen Abschluss warten. Im Zweijahresrückblick bedeutet das einen beachtlichen Anstieg um fast 15 Prozent, vor 24 Monaten klappte es noch binnen 90 Tagen, einen Interessenten von den Vorzügen eines Gebrauchtwagens zu überzeugen. Noch stärker und damit überdurchschnittlich gestiegen sind die Standtage dabei in nahezu allen Segmenten. Hierbei muss allerdings auch berücksichtigt werden, dass die absoluten Zahlen gestiegen sind, im Vergleich also mehr Autos gehandelt wurden und in die Statistik einflossen. Den stärksten Anstieg an Wartezeit gibt es bei den großen SUV zu verzeichnen, die sich von flotten 88 auf gemütliche 116 Tage Parkdauer verschlechtert haben. Unterdurchschnittlich gestiegen sind die Standtage hingegen bei den Kleinwagen, die gleichzeitig weiterhin das einzige Segment mit weniger als 100 Tagen Verkaufsdauer darstellen.


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Segmententwicklung - Schwackeblickpunkt: Untere Mittelklasse

Alle gegen den Golf: In diesem Segment sind die Plätze umkämpft und die Umsätze hoch. Doch sind auch alle ähnlich wertstabil?

Kompaktklasse, untere Mittelklasse, Golf-Klasse - alles Umschreibungen für das Segment, in dem immer noch am meisten verkauft, wenn auch nicht am besten verdient wird. Die Margen für die Hersteller sind dünn in dieser auf vielen Weltmärkten hart umkämpften Fahrzeugklasse. Die Beliebtheit in Zahlen: Immerhin noch fast 30 Prozent Marktanteil besetzen die versammelten Modelle der Kompaktklasse in Deutschland, SUV-Boom hin oder her. Die Ausgewogenheit ist dabei jedoch relativ. Während zu früheren Zeiten zumindest Opel und Ford auf Augenhöhe mit dem Wolfsburger Bestseller waren, zieht der Golf inzwischen mit weitem Abstand seine Kreise an der Spitze der Zulassungsstatistik, trotz zuletzt etwas gesunkener Verkaufszahlen.


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In der künftigen Restwertentwicklung, die von den Schwacke-Datenexperten berechnet wurde, sind Verkaufszahlen allerdings nicht der einzige Gradmesser und die Unterschiede zum Teil deutlich. Die Restwerte spreizen sich über einen Bereich von rund 45 bis zu fast 55 Prozent. Letzteren Wert erreicht der frisch geliftete Klassenprimus Golf noch vor den Premium-Mitbewerbern Mercedes und BMW. Schwächer entwickelt sich dagegen der Konzernkamerad Audi A3, beim Skoda Rapid leuchtet sogar die rote Laterne. Oberhalb des Segment-Durchschnitts von 50,4 Prozent bewegen sich der auch erst kürzlich überarbeitete Seat Leon sowie der Toyota Auris.

Wirtschaftsprognose - Gute Stimmung in der Wirtschaft

Umgekehrte Vorzeichen im Vergleich zum Vormonat. Im Februar zeigen sich die Firmen fröhlicher, während die Konsumenten mehr Skepsis entwickeln.

Wieder aufwärts für die deutsche Wirtschaft. Der Negativwert vom Vormonat hat sich vorerst nicht als Trend etabliert, die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich wieder verbessert. Das ifo-Institut meldet sogar einen recht ordentlichen Anstieg, der Geschäftsklimaindex legte von 109,9 auf exakt 111 Punkte zu und machte damit den letzten Verlust exakt wieder wett. Das verarbeitende Gewerbe meldet einen starken Aufschwung in der Auftragslage, die Nachfrage hat merklich angezogen. Dabei zeichneten sich vor allem die Nahrungsmittelbranche sowie der Maschinenbau und die Elektrotechnik mit guten Zuwächsen aus. Im Großhandel gab es ebenfalls einen deutlichen Anstieg sowohl bei den aktuellen Geschäften als auch bei den Zukunftsprognosen. Lediglich die Einzelhändler melden aktuell rückläufige Geschäfte und nahmen auch die Planzahlen für die künftigen Monate zurück. Für die Jahreszeit nicht ungewöhnlich, nach einem recht milden Winter jedoch unerwartet, hat das kernige Winterwetter im Februar den Baubetrieben das Geschäft vermasselt. Zwei Drittel der Firmen berichten von wetterbedingten Beeinträchtigungen. Das Gesamtniveau ist zwar hoch, doch auch die Zukunftsaussichten sind bei den Baubetrieben leicht durchwachsen.

Dieses Attribut bezeichnet auch das Konsumklima recht passend, das nach einem glänzenden Start ins neue Jahr im März ein kleines Bremsmanöver einlegt. Die Gesellschaft für Konsumforschung sieht zwei große Themen hierfür in der Verantwortung: die turbulente Regierungsbildung in den USA und die zuletzt unerwartet stark gestiegene Inflation. Damit verlieren sowohl die Konjunktur- als auch die Einkommenserwartung der Verbraucher einen wesentlichen Teil der Zuwächse aus den vergangenen Monaten. Diese schlechten Vorzeichen führen zielgerichtet zu einer weniger ausgeprägten Anschaffungsneigung. Vor allem in Betrieben, die stark exportorientiert arbeiten, sinkt der Glaube an die Arbeitsplatzsicherheit, nachdem der neue US-Präsident hohe Importzölle angekündigt hat. Das betrifft neben der Automobil- auch die chemische Industrie und den Maschinenbau. Nach 10,2 Punkten im Vormonat sinkt der Konsumklimaindex im März auf 10,0 Punkte.

Schätzung der Automietpreisspiegel als Schätzgrundlage

Mit Datum vom 30.11.2016 (1 S 137/15) urteilt das Landgericht Mühlhausen auf Basis des SchwackeListe Automietpreisspiegels.

In einem Berufungsverfahren schätzt das Landgericht die erforderlichen Mietwagenkosten anhand der SchwackeListe und korrigiert damit das Urteil der Vorinstanz. Das Amtsgericht hatte hier die Fraunhofer Tabelle angewendet, in der regional nur nach den ersten beiden Ziffern der Postleitzahl untergliedert wird. Der Ort der Anmietung lag in einer ländlichen Region. Die SchwackeListe mit ihrer Gliederung in dreistellige Postleitzahlengebiete hat daher den Vorteil, dass der örtlich relevante Markt der Autovermieter genauer abgebildet wird. Das Landgericht zieht hierbei das arithmetische Mittel des Automietpreisspiegels heran, um den Normaltarif zu berechnen.

Laut Gericht minimiert sich durch die Anwendung der Schwacke-Tarife das Risiko für den Geschädigten, einen Teil der Mietwagenkosten wegen fehlender Anerkennung der Erforderlichkeit selbst tragen zu müssen.

Die von der Beklagtenseite vorgelegten Angebote waren nicht geeignet, die SchwackeListe als Schätzgrundlage zu erschüttern, da es sich hierbei um abweichende Anmietzeiträume handelt und es besteht die Ungewissheit, ob die Fahrzeuge überhaupt zu Verfügung standen.Da eine sofortige unfallbedingte Anmietung des Ersatzfahrzeuges erfolgte, ist nach der Auffassung des Landgerichts ein Aufschlag von 20% auf den Normaltarif gerechtfertigt. Angefallene Nebenkosten wie Haftungsbefreiung, Zustell- und Abholgebühren und Winterbereifung waren ebenfalls erstattungsfähig.

In dem vorliegenden Fall wurde ein klassengleiches Ersatzfahrzeug angemietet. Nach ständiger Rechtsprechung der Kammer ist dann von den Mietwagenkosten ein Abzug von 10 % vorzunehmen (ersparte Eigenkosten).

Redaktionelle Hinweise:

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Quelle: EurotaxSchwacke (Auszug aus dem Schwacke Newsletter)

Schlagwörter:

KFZ-Bewertung, PKW-Bewertung, Automietpreise, Neuwagen, Gebrauchtwagen, Restwert, Nutzungsausfall


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