„Wir waren bereit,alles dafür einzusetzen.“

Er hat die DATEV mitgegründet und in Deutschland der Informationstechnologie den Weg bereitet: Dr. Heinz Sebiger verstarb am 25. August 2016. Wir trauern um den Mann, der unsere Genossenschaft von einer kleinen Selbsthilfeorganisation für Steuerberater zu einem der größten Softwarehäuser und IT-Dienstleister in Europa geführt hat.

In beeindruckenden, unvergesslichen Auftritten blickte Dr. Heinz Sebiger zum 50-jährigen Jubiläum der DATEV auf die Anfänge seines großen Lebenswerkes zurück. Mitte der 1960er Jahre hatten die Steuerbevollmächtigten Probleme, Buchungsdaten von Mandanten in einem externen Rechenzentrum verarbeiten zu lassen. Das brachte Dr. Heinz Sebiger auf die Idee, gemeinsam mit anderen Steuerberatern ein eigenes Rechenzentrum für Steuerberater zu gründen. Im Februar 1966 entstand so eine eingetragene Genossenschaft: die DATEV. „Immer mehr Mandanten wollten, dass wir auch die Buchführung machten. Es herrschte Vollbeschäftigung, fähige Buchhalter waren kaum zu finden. Daher versuchten die Unternehmen, derartige Dinge auszulagern.“ Als Lösung bot sich die Datenverarbeitung an. „Also kaufte ich für 17.200 DM eine Buchführungsmaschine mit Lochstreifenausgabe“, erzählte Dr. Heinz Sebiger später über die Gründungszeit.

Mit einem kleinen Team und der ihm eigenen unternehmerischen Energie und Begeisterung entwickelte Dr. Heinz Sebiger das, was heute als Cloud-Technologie zum Alltag der Datenverarbeitung gehört: Datendienste, die zentral in einem Rechenzentrum bereitgestellt und über Netzwerke jederzeit abrufbar sind. Damals eine bahnbrechende Idee, heute Standard der IT-Industrie. Damit erwarb sich Dr. Heinz Sebiger den Ruf, neben Konrad Zuse und Heinz Nixdorf als einer der drei deutschen IT-Pioniere zu gelten.

Gegenüber Innovationen aufgeschlossen, sorgte er dafür, dass die DATEV die Digitalisierung von betriebswirtschaftlichen Prozessen vorantrieb. Das Unternehmen wuchs nachhaltig. Als Dr. Heinz Sebiger nach 30 Jahren den Vorstandsvorsitz an seinen Nachfolger Prof. Dieter Kempf übergab, zählte die Genossenschaft bereits mehr als 4.700 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von einer knappen Milliarde DM.

Dr. Heinz Sebiger engagierte sich darüber hinaus in zahlreichen Ehrenämtern, unter anderem im Präsidium der Bundessteuerberaterkammer. Seine Heimatstadt Nürnberg ernannte ihn 1997 zum Ehrenbürger. Neben vielen Auszeichnungen und der Ehrendoktorwürde der Universität Erlangen-Nürnberg erhielt der mit Japan eng verbundene Dr. Heinz Sebiger im Namen des Kaisers den Orden der Aufgehenden Sonne am Band – für seine Verdienste um die IT-Unterstützung des dortigen steuerberatenden Berufsstands.

Dr. Heinz Sebiger starb nur wenige Monate nach dem 50-jährigen Jubiläum seiner DATEV. Wir haben mit ihm nicht nur einen unserer Gründerväter verloren, sondern einen Pionier mit unermüdlicher Gestaltungskraft –  und eine Unternehmerpersönlichkeit, die ihresgleichen sucht. Seine Ideen, seine Schaffenskraft und seine Leistung werden für die DATEV auch in Zukunft als Vorbild dienen.