Hintergrund

Alle Hintergründe zum Home-Office

Covid-19 ändert alles: Das soziale Miteinander, den Einkauf von Toilettenpapier und den Ort, an dem die Deutschen am liebsten arbeiten - nämlich das Büro, nahe an Kaffeemaschine, Kollegen und Kantine. Viele Mitarbeiter sind derzeit ins Homeoffice ausgewichen. Das bringt nicht nur technische, sondern auch rechtliche Fallstricke mit sich.

Wegen bundesweiter Ausgangsbeschränkungen loggen sich gezwungenermaßen wesentlich mehr Menschen von Zuhause aus in die Firmennetzwerke dieses Landes ein als je zuvor. Das Homeoffice erlebt einen nie geahnten Boom – zumindest in den Bereichen und Branchen, in denen das überhaupt möglich ist. Noch 2018 arbeiteten nur rund 38 Prozent der Arbeitnehmer mobil. Vier von zehn Unternehmen boten diese Möglichkeit an. 62 Prozent ihrer Mitarbeiter nahmen sie allerdings nicht wahr und blieben lieber im Büro sitzen. Soziale Kontakte, aber auch die Trennung von Beruf und Privatem, stehen für die Meisten im Vordergrund.

Seit knapp zwei Wochen sitzen nun also auch sehr viele Menschen an den heimischen Schreibtischen, die bisher vielleicht gar nicht wollten oder durften.

Die Digitalisierung des Erwerbslebens feiert plötzlich Hochkonjunktur. Naja, weitestgehend, denn die IT- und Breitbandstruktur der Republik ächzt und stöhnt unter diesem plötzlichen Mega-Gewicht: IT-Kollaborationsplattformen brechen zusammen, ganze Netzwerkstrukturen streiken. Es mangelt bei vielen Unternehmen an den richtigen und ausgereiften Technologien für Webkonferenzen und insgesamt an flächendeckendem WLAN.

Außerdem verfügen viele nicht über notwendige IT-Infrastrukturen wie VPNs (für den sicheren Datenaustausch). Auch Headsets und Bildschirme fehlen.

Wenn es denn Recht ist

Aber auch rechtlich gesehen müssen viele Arbeitgeber nachschärfen: Die Bedingungen für Telearbeit müssen arbeitsvertraglich oder im Rahmen einer Vereinbarung festgelegt werden. Spätestens dann, wenn feste Homeoffice-Tage eingeführt werden. Darin sollte festgehalten werden, an wie vielen und welchen Tagen der Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten darf. Klare schriftliche Vereinbarungen, etwa zum zeitlichen Umfang oder zur Erreichbarkeit am Arbeitsplatz, vermeiden Konflikte. Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, ist eine Betriebsvereinbarung ratsam.

Zudem müssen Regelungen wie das Arbeitszeitgesetz auch außerhalb des Büros eingehalten werden. Hierzu müssen die Mitarbeiter im Homeoffice die Dokumentationspflichten hinsichtlich der Arbeitszeit erfüllen. Am besten dokumentieren diese ihre Arbeitszeit im Homeoffice selbst und legen sie in bestimmten Abständen ihren Vorgesetzten vor. Übrigens: Angst vor Ansteckung reicht nicht aus, um ins Homeoffice zu gehen. Besteht aber der Verdacht, dass ein Kollege sich schon angesteckt hat, ändert sich dies. Dann muss der Chef, sofern die Tätigkeit und Wohnsituation das erlauben, das Arbeiten von Zuhause aus ermöglichen. Umgekehrt darf der Arbeitgeber aber nicht bestimmen, dass von nun an vom heimischen Schreibtisch aus gearbeitet wird: Rein rechtlich endet sein Direktionsrecht vor der Haustüre seiner Mitarbeiter. Einen rechtlichen Anspruch auf Homeoffice wie bei unseren niederländischen Nachbarn gibt es in Deutschland nicht. Aktuell gehört es zur unternehmerischen Freiheit, die Arbeitsorganisation so zu gestalten, wie das Unternehmen es für sinnvoll hält. Trotzdem: Am Ende der Corona-Krise wird das Homeoffice aus unserer Arbeitskultur wahrscheinlich nicht mehr wegzudenken sein.

Alles Homeoffice, oder was? Eine Begriffsklärung

Mobiles Arbeiten: Überbegriff für jegliches Arbeiten außerhalb des Büros sowohl Zuhause als auch unterwegs.

Homeoffice: Das Arbeiten Zuhause in den eigenen vier Wänden.

Flexibles Arbeiten: Das beinhaltet sowohl räumlich als auch zeitlich flexibles Arbeiten (z.B. Vertrauensarbeitszeit)