Hintergrund

Was Unternehmer und Steuerberater jetzt über Kurzarbeit wissen müssen

Aufträge werden abgesagt, Umsätze brechen weg: In der Corona-Krise denken viele Unternehmen darüber nach, wie sie Kündigungen vermeiden können. Ein wichtiges und bewährtes Instrument ist die Kurzarbeit. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was sind die Voraussetzungen für Kurzarbeit?

Erstens muss eine arbeitsrechtliche Reduzierung der Arbeitszeit im Betrieb vereinbart worden sein - im Rahmen von Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen oder einzelvertraglichen Regelungen. Zweitens muss ein „erheblicher Arbeitsausfall mit Entgeltausfall“ eintreten, wie das Bundesarbeitsministerium schreibt. Das heißt: Mindestens zehn Prozent der Mitarbeiter müssen von Arbeitszeitkürzungen betroffen sein (befristet bis Ende 2020, danach gilt wieder die ursprüngliche Regel, die einen Anteil von einem Drittel vorschreibt). Dieser Arbeitsausfall muss auf wirtschaftlichen Gründen beruhen, nicht vermeidbar und vorübergehend sein.

Wie beantrage ich Kurzarbeitergeld?

Zuerst muss der Arbeitgeber den Arbeitsausfall bei der örtlichen Agentur für Arbeit schriftlich anzeigen. Dann entscheidet die Agentur („unverzüglich“, wie es offiziell heißt), ob grundsätzlich Kurzarbeitergeld gezahlt werden kann. Wenn ja, muss der Arbeitgeber in Vorleistung gehen, das Kurzarbeitergeld berechnen und es an die Beschäftigten auszahlen. Dann kommt der zweite Schritt: Um sich das Geld erstatten zu lassen, muss der Arbeitgeber innerhalb von drei Monaten einen schriftlichen Antrag stellen - und zwar bei der Agentur für Arbeit, in deren Bezirk die für den Arbeitgeber zuständige Lohnabrechnungsstelle liegt.

Wie lange laufen die Zahlungen und können sie verlängert werden?

Laut Gesetz kann das Kurzarbeitergeld für bis zu zwölf Monate ausgezahlt werden. Durch Rechtsverordnung des Bundesarbeitsministeriums kann die Bezugsdauer aber auf bis zu 24 Monate verlängert werden.

Wie können die Steuerberater unterstützen?

Die Steuerberater sind natürlich in der Krise für ihre Mandanten da und unterstützen auch bei Fragen und Vorbereitungen rund ums Kurzarbeitergeld. Daneben sichern sie entscheidende Faktoren für die wirtschaftliche Stabilität ab - wie die Lohn- und Finanzbuchhaltung, Lohnsteuer-Anmeldungen und Umsatzsteuer-Voranmeldungen. Unklar ist bisher, ob Steuerberater für ihre Mandanten Kurzarbeitergeld beantragen dürfen. Dazu gibt es noch keine höchstrichterliche Klärung. Die Bundessteuerberaterkammer vertritt allerdings die Auffassung, dass das bloße Ausfüllen des Antragsformulars für den Mandanten zulässig ist.

Wer zahlt die Sozialversicherungsbeiträge?

Rückwirkend zum 1. März 2020 werden die Sozialversicherungsbeiträge von der Bundesagentur für Arbeit komplett erstattet. Diese Regelung ist allerdings befristet bis Ende 2020. Danach gilt wieder: Für die Arbeitszeit, die wegfällt, reduzieren sich die Sozialversicherungsbeiträge auf 80 Prozent. Diese trägt der Arbeitgeber allein. Für das Gehalt, das der Beschäftigte noch verdient, bleibt es dabei, dass die Beiträge zur Sozialversicherung je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlt werden.

Muss ich Kurzarbeit für das gesamte Unternehmen anzeigen?

Nein. Die Kurzarbeit kann auch auf einzelne Abteilungen beschränkt sein. Außerdem müssen nicht alle Mitarbeiter ihre Arbeitszeit um den gleichen Prozentsatz reduzieren.

Wo kann ich mich beraten lassen?

Unternehmen, die bei der Beantragung Fragen haben, können sich direkt an ihre örtliche Agentur für Arbeit wenden. Auch der Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit bietet eine entsprechende Beratung an (Tel.: 0800 4 5555 20). Auf der Website der Bundesagentur sind zudem alle notwendigen Formulare sowie eine Tabelle zur Berechnung des Kurzarbeitergeldes zu finden (www.arbeitsagentur.de).