EU-Recht

Digitalisierungsindex 2019: Deutschland hat großen Nachholbedarf bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung

Die EU-Kommission hat am 11.06.2019 den Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) für 2019 veröffentlicht. Mit diesem Index werden die allgemeine Leistungen Europas im Bereich der Digitalisierung gemessen und die Fortschritte der EU-Mitgliedstaaten bei der digitalen Wettbewerbsfähigkeit beobachtet.

Der DESI setzt sich aus insgesamt aus fünf Bereichen, die insg. 34 Indikatoren umfassen, zusammen:

1. Konnektivität: Festnetz-Breitband, Mobilfunk-Breitband etc.

2. Humankapital: Kompetenzen der Internetnutzer und fortgeschrittene Fertigkeiten

3. Internetnutzung: Nutzung von Internetdiensten und Online-Transaktionen durch die Bürger

4. Integration der Digitaltechnik: Digitalisierung von Unternehmen und elektronischer Handel

5. Digitale öffentliche Dienste: Elektronische Behördendienste und Gesundheitsdienste

Im Ergebnis wurde festgestellt, dass alle EU-Länder Fortschritte im Digitalbereich gemacht haben. Der DESI wird auf den ersten Plätzen angeführt von Finnland, Schweden, den Niederlanden und Dänemark. Diese Länder nehmen auch weltweit eine Spitzenstellung bei der Digitalisierung ein. Deutschland befindet sich auf Platz 12. Verglichen mit den letzten fünf Jahren haben Irland, Litauen, Lettland, Zypern und Spanien die größten Fortschritte erzielt (mehr als 15 Punkte).

Digitalisierung der Unternehmen

Die Digitalisierung hält immer mehr Einzug in europäischen Unternehmen, so z.B. bei der Nutzung von Unternehmenssoftware für den elektronischen Informationsaustausch (Anstieg von 26 % (2013) auf 34 % (2017) der Unternehmen) oder Cloud-Computing (von 11 % (2014) auf 18 % (2018)) Die größten Fortschritte haben Irland, die Niederlanden und Belgien gemacht. Deutschland belegt hier Platz 13 unter den EU-Staaten und liegt damit etwas über dem EU-Durchschnitt. Deutsche Unternehmen nutzen zunehmend die Möglichkeiten, die ihnen Big Data eröffnen: 6 % der Unternehmen führten 2016 Big-Data-Analysen durch gegenüber 15 % im Jahr 2018. Mehr als ein Drittel der deutschen Unternehmen (38 %) beteiligen sich an elektronischem Informationsaustausch, aber nur 12 % nutzen Cloud-Dienste.

Der Online-Handel von KMU in der EU hat leicht zu genommen (Anstieg von 14 % (2013) auf 17 % (2017) der KMU). Dennoch verkauft weniger als die Hälfte derer, die Online-Handel betreiben, auch an Kunden in anderen Mitgliedstaaten. 11 % aller deutschen KMU verkaufen grenzüberschreitend. Die Zahl der KMU in Deutschland mit Online-Vertrieb ging von 26 % im Jahr 2016 auf 19 % im Jahr 2018 zurück.

Digitale öffentliche Dienste

Führend bei der Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen in Europa sind Finnland, Estland und die Niederlande. Laut DESI haben 64 % der Internetnutzer, Formulare online bei ihren öffentlichen Verwaltungen eingereicht. Deutschland liegt hier weit abgeschlagen auf Platz 26 und damit weit unter dem EU-Durschnitt. E-Government-Angebote werden nur von 43 % der Internetnutzer genutzt und es muss dringend die geringe Online-Interaktion zwischen seinen Behörden und den Bürgern verbessern. Gute Leistungen werden Deutschland allerdings bei der Online-Abwicklung von Dienstleistungen attestiert.

Quelle: DATEV eG Informationsbüro Brüssel