EU-Recht

EU-Kommission verabschiedet Initiative für Berufsausbildungen in Europa

EU-Kommission, Pressemitteilung vom 05.10.2017

Um mit den sich verändernden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt Schritt zu halten, hat die Europäische Kommission am 05.10.2017 eine Empfehlung mit 14 Schlüsselkriterien für hochwertige und nachhaltige Berufsausbildung vorgestellt. Die Initiative gibt den Mitgliedstaaten und Akteuren aus dem Bildungsbereich Vorschläge an die Hand, wie Berufsausbildung hochwertig und nachhaltig an die Anforderungen des Arbeitsmarkts angepasst werden kann. Das hilft die Beschäftigungsfähigkeit und persönliche Entwicklung von Auszubildenden zu verbessern und fördert gut ausgebildete und qualifizierte Arbeitnehmer.

Der für den Euro und den sozialen Dialog zuständige Vizepräsident der Europäischen Kommission Valdis Dombrovskis, der außerdem für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und die Kapitalmarktunion zuständig ist, erklärte: „Eine Berufsausbildung ist häufig das notwendige Sprungbrett für den Berufseinstieg junger Menschen. Unsere heute vorgelegten Vorschläge sollen diese wertvolle Ausbildungserfahrung weiter verbessern, sodass sie Arbeitgebern und Auszubildenden gleichermaßen zugute kommt. Unter Wahrung der Vielfalt der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung in den Mitgliedstaaten möchten wir letztendlich den Einstieg junger Menschen in den Arbeitsmarkt erleichtern.“

„Durch die Schaffung einer direkten Verbindung zwischen Theorie und Praxis, zwischen Ausbildung und Arbeitsmarkt bieten hochwertige und nachhaltige Berufsausbildungen jungen Menschen konkrete Möglichkeiten für den Einstieg in die Berufswelt und eine gute Position im Leben und stärken gleichzeitig Europas Humankapital. Dies wiederum ist entscheidend für eine höhere Wettbewerbsfähigkeit unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft“, fügte der für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständige Vizepräsident der Europäischen Kommission Jyrki Katainen hinzu.

Diese Initiative in Form einer Empfehlung des Rates ist Teil der neuen europäischen Agenda für Kompetenzen vom Juni 2016. Sie ist ebenso Teil der neuen europäischen Agenda für Kompetenzen vom Juni 2016 und basiert auf einer breit angelegten Konsultation.

Die für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitskräftemobilität zuständige EU-Kommissarin Marianne Thyssen kommentierte: „Wir wollen sicherstellen, dass junge Menschen die Qualifikationen erwerben, die sie für das Berufsleben brauchen. Berufsausbildungen sind der Gold-Standard der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Zwei von drei Auszubildenden gelingt nach dem Ende ihrer Ausbildung der nahtlose Übergang in den Beruf. Mit dem heute vorgestellten neuen Rahmen definieren wir, was eine gute Berufsausbildung ausmacht. Wenn der Rahmen angenommen ist, wird er gewährleisten, dass Lernende und Arbeitgeber gleichermaßen von hochwertigen Berufsausbildungen profitieren.“

Für die Bewertung der Qualität und Nachhaltigkeit einer Berufsausbildung sieht der vorgeschlagene Rahmen sieben Kriterien für Lern- und Arbeitsbedingungen vor:

(1) Schriftlicher Vertrag, (2) Lernergebnisse, (3) Pädagogische Unterstützung, (4) Arbeitsplatz-Komponente, (5) Bezahlung und/oder Aufwandsentschädigung, (6) Sozialschutz, (7) Arbeitsbedingungen, Gesundheit und Sicherheit.

Außerdem werden sieben Kriterien für Rahmenbedingungen vorgeschlagen:

(8) Regulierungsrahmen, (9) Einbeziehung der Sozialpartner, (10) Unterstützung für Unternehmen, (11) Flexible Lernpfade und Mobilität, (12) Berufsberatung und Sensibilisierung, (13) Transparenz, (14) Qualitätssicherung und Werdegang-Nachverfolgung.

Im Rahmen der Jugendgarantie sind bereits mindestens 390.000 Ausbildungsplätze vermittelt worden, denn eine Berufsausbildung ist eine der vier Optionen, die jungen Menschen nach viermonatiger Arbeitslosigkeit angeboten werden sollten. Erasmus+ fördert die Mobilität von Auszubildenden, unter anderem durch die neue ErasmusPro-Initiative, über die im Zeitraum 2018-2020 etwa 50.000 Auszubildende in Unternehmen im Ausland vermittelt werden sollen. Da die Bemühungen zur Vergrößerung des Angebots an Berufsausbildungsplätzen Früchte tragen, müssen die Erfolgskriterien dringend konkretisiert werden. Dies leistet der neue Rahmen.

Die Mitgliedstaaten werden den Vorschlag im Hinblick auf die Annahme durch den Rat erörtern. Die Kommission erarbeitet neue Unterstützungsdienste, um Mitgliedstaaten und sonstigen Akteuren zu helfen, den Rahmen durch Wissensaustausch, Vernetzung und Peer-Learning umzusetzen.

Darüber hinaus hat die EU-Kommission am 05.10.2017 einen Bericht zur Beschäftigung und sozialen Lage in der EU vorgelegt. Demzufolge ist die EU weiterhin auf Beschäftigungs- und Wachstumskurs. In fast allen Mitgliedstaaten ist ein kontinuierlicher Beschäftigungszuwachs zu beobachten. Im zweiten Quartal 2017 stieg die Beschäftigungsquote in der EU gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 1,5 Prozent (1,6 Prozent im Euro-Raum). Im Vergleich zum Vorjahr sind also 3,5 Mio. Arbeitsplätze in der EU (2,4 Mio. im Euro-Raum) hinzugekommen. Damit sind nun 235,4 Mio. Menschen in der EU in Arbeit - so viele wie nie zuvor. Gegenüber dem dritten Quartal 2014 belief sich dieser Anstieg in der EU sogar auf 8 Mio. neue Arbeitsplätze (5,6 Mio. im Euro-Raum).

Von diesem Beschäftigungsboom der letzten vier Jahre hat besonders die jüngere Generation profitiert. Die Jugendarbeitslosigkeit in der EU ist mit 16,9 Prozent zwar immer noch zu hoch. Sie ist jedoch kontinuierlich und schneller zurückgegangen als die allgemeine Arbeitslosenquote und liegt nun unter dem Niveau von 2008.

Quelle: EU-Kommission