EU Digitalisierung

Studie der Kommission zeigt: Gezielte Investitionen und entschlossene Digitalisierungsmaßnahmen fördern Leistungsfähigkeit der Mitgliedstaaten

EU-Kommission, Pressemitteilung vom 11.06.2019

Am 11.06.2019 hat die Europäische Kommission die Ergebnisse des Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) für 2019 bekannt gegeben. Mit diesem Index werden die allgemeine Leistung Europas im Bereich der Digitalisierung gemessen und die Fortschritte der EU-Mitgliedstaaten bei der digitalen Wettbewerbsfähigkeit beobachtet.

Die Länder, die sich im Einklang mit der EU-Strategie für einen digitalen Binnenmarkt ehrgeizige Ziele gesetzt und diese mit entsprechenden Investitionen kombiniert haben, konnten in relativ kurzer Zeit ihre Leistungsfähigkeit verbessern. Dies ist eine der wichtigsten Schlussfolgerungen des diesjährigen Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI). Die Tatsache, dass die größten EU-Volkswirtschaften nicht zur Spitzengruppe gehören, ist ein Hinweis darauf, dass die Digitalisierung beschleunigt werden muss, damit die EU weltweit wettbewerbsfähig bleibt.

Hierzu erklärte Andrus Ansip, der für den digitalen Binnenmarkt zuständige Vizepräsident: „Ende 2014, als wir mit der Erarbeitung eines Plans für den digitalen Binnenmarkt begannen, wollten wir eine langfristige Strategie erstellen, um das digitale Umfeld in Europa zu fördern, die Rechtssicherheit zu verbessern und faire Bedingungen für alle Beteiligten zu schaffen. Nachdem sich die EU auf 28 von 30 Legislativvorschlägen geeinigt und 35 neue digitale Rechte und Freiheiten geschaffen hat, kann die erfolgreiche Umsetzung des digitalen Binnenmarkts erheblich dazu beitragen, die Ergebnisse der einzelnen Länder weiter zu verbessern. Jetzt ist es dringend erforderlich, neue Vorschriften zur Verbesserung der Konnektivität, Datenwirtschaft und der digitalen öffentlichen Dienste zu schaffen und den Mitgliedstaaten zu helfen, ihre Bürgerinnen und Bürger mit den digitalen Kompetenzen auszustatten, die einem modernen Arbeitsmarkt entsprechen."

Die für digitale Wirtschaft und Gesellschaft zuständige EU-Kommissarin Mariya Gabriel ergänzte: „Der diesjährige Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft zeigt, dass der digitale Wandel beschleunigt werden muss, damit die EU weltweit wettbewerbsfähig bleibt.Damit dies gelingt, müssen wir unsere Zusammenarbeit für eine umfassende digitale Wirtschaft fortsetzen und dafür sorgen, dass alle EU-Bürgerinnen und -Bürger ungehinderten Zugang zur digitalen Qualifizierung erhalten, damit wir wirklich erfolgreich sind und ein stärker digitalisiertes Europa aufbauen können."

Die Ergebnisse des DESI der vergangenen fünf Jahre zeigen, dass gezielte Investitionen und entschlossene Digitalisierungsmaßnahmen erhebliche Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der einzelnen Länder haben können. Beispiele hierfür sind der Ausbau des ultraschnellen Breitbandnetzes in Spanien, die Verbesserung der Konnektivität in Zypern, die Digitalisierung von Unternehmen in Irland sowie die digitalen öffentlichen Dienstleistungen in Lettland und Litauen.

Die Konnektivität hat sich verbessert, reicht aber noch nicht aus, um die stark wachsende Nachfrage zu decken. Den Indikatoren des DESI zufolge nimmt die Nachfrage nach schnellen und ultraschnellen Breitbandnetzen zu und dürfte wegen der zunehmenden Perfektionierung der Internetdienste und der wachsenden Nachfrage der Unternehmen in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Ultraschnelle Verbindungen (mindestens 100 Mbit/s) stehen inzwischen 60 % aller Haushalte zur Verfügung, und die Zahl der Breitbandanschlüsse nimmt ebenfalls zu. 20 % aller Haushalte nutzen ultraschnelle Breitbandverbindungen; 2014 waren es noch 5 %.

Die EU hat die Reform der EU-Telekommunikationsvorschriften beschlossen, um dem wachsenden Bedarf der EU-Bürgerinnen und -Bürger an Konnektivität nachzukommen und Investitionen zu fördern. Schweden und Portugal stehen bei der Nutzung der ultraschnellen Breitbanddienste an der Spitze; in Finnland und Italien ist die Zuteilung der 5G-Frequenzen am weitesten fortgeschritten.

Mehr als ein Drittel der Erwerbsbevölkerung in der EU verfügen nicht einmal über elementare digitale Kompetenzen, obwohl die meisten Berufe solche Kompetenzen erfordern, und nur 31 % der Bevölkerung können als fortgeschrittene Internetnutzer bezeichnet werden. Gleichzeitig besteht in der gesamten Wirtschaft ein steigender Bedarf an fortgeschrittenen digitalen Kompetenzen; so ist die Zahl der Spezialisten für Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) unter den Beschäftigten in den vergangenen fünf Jahren in der EU um 2 Millionen gestiegen.

In diesem Bereich liegen Finnland, Schweden, Luxemburg und Estland beim Index an der Spitze.

83 % aller EU-Bürgerinnen und -Bürger surfen mindestens einmal pro Woche im Internet (2014 lag der Anteil bei 75 %). Demgegenüber waren nur 11 % der EU-Bevölkerung noch nie online (2014 waren es noch 18 %).

Der größte Anstieg war bei Video-Anrufen und beim Video auf Abruf zu verzeichnen, die in verschiedenen Computerprogrammen und Smartphone-Anwendungen angeboten werden. Um das Vertrauen der Nutzer in das Online-Umfeld zu stärken, traten am 25. Mai 2018 die EU-Vorschriften über den Datenschutz in Kraft.

Fortschritte bei der Digitalisierung der Unternehmen aber langsames Wachstum des elektronischen Handels. Die leistungsstärksten Mitgliedstaaten in diesem Bereich sind Irland, Niederlande, Belgien und Dänemark, wogegen Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Polen noch aufholen müssen.

Eine wachsende Zahl von Unternehmen macht Gebrauch von Clouddiensten (18 % gegenüber 11 % im Jahr 2014) oder nutzt die sozialen Medien, um mit ihren Kunden oder Interessenträgern zu kommunizieren (21 % gegenüber 15 % im Jahr 2013).

Andererseits liegt die Zahl der KMU, die ihre Güter und Dienstleistungen online anbieten, seit einigen Jahren unverändert bei 17 %.

Zur Förderung des elektronischen Handels in der EU hat die EU eine Reihe von Maßnahmen vereinbart, die von mehr Preistransparenz bei der Paketzustellung über einfachere Vorschriften für die Mehrwertsteuer bis zur Modernisierung des digitalen Vertragsrechts reichen. Seit dem 3. Dezember 2018 können Verbraucher und Unternehmen EU-weit nach den besten Online-Angeboten suchen, ohne wegen ihrer Staatsangehörigkeit oder ihres Wohnorts diskriminiert zu werden.

Im Bereich der digitalen öffentlichen Dienste war im Zeitraum 2014-2019 dort, wo die EU-Regelung eingeführt wurde, eine Angleichung zwischen den Mitgliedstaaten festzustellen.

64 % der Internetnutzer, die bei der öffentlichen Verwaltung Formulare einreichen, verwenden hierfür inzwischen Online-Kanäle (gegenüber 57 % im Jahr 2014), was zeigt, dass Online-Verfahren bequemer sind als der bürokratische Weg.

Im April 2018 hat die Kommission Maßnahmen zur Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors und zu elektronischen Gesundheitsdiensten beschlossen, was die grenzüberschreitenden öffentlichen Online-Dienste in der EU erheblich verbessern wird.

Bei der Nutzung der digitalen öffentlichen Dienste einschließlich elektronischer Gesundheitsdienste lagen Finnland und Estland an der Spitze des Index.

Der heute ebenfalls veröffentliche „Fortschrittsanzeiger für Frauen im Digitalen" (Women in Digital Scoreboard) zeigt, dass die EU-Mitgliedstaaten, die bei der Digitalisierung wettbewerbsfähig sind, auch beim Anteil von Frauen in der digitalen Wirtschaft eine Spitzenstellung einnehmen.

Finnland, Schweden, Luxemburg und Dänemark schneiden beim Anteil von Frauen in der digitalen Wirtschaft am besten ab. Auf EU-Ebene bestehen jedoch weiterhin geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Nutzung des Internets, den digitalen Kompetenzen sowie den Kenntnissen und der Beschäftigung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), wobei die Ungleichheit im letztgenannten Bereich am stärksten ausgeprägt ist: Nur 17 % der IKT-Spezialisten sind Frauen, und diese verdienen immer noch 19 % weniger als ihre männlichen Kollegen. Außerdem beträgt der Frauenanteil bei den Absolventen von MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) nur 34 %; diese Zahl muss in den kommenden Jahren gesteigert werden.

Quelle: EU-Kommission