Einkommensteuer

BFH: Besteuerungsrecht für Einkünfte eines in der Schweiz auftretenden Chorsängers

"Nichtrückkehrtage" von Grenzgängern

BFH, Urteil I R 62/16 vom 30.05.2018

Leitsatz

  1. Das Mitglied eines Opernchors ist "Künstler" i. S. von Art. 17 Abs. 1 Satz 1 DBA-Schweiz 1971/2010.
  2. Das Besteuerungsrecht des Tätigkeitsstaats nach Art. 17 Abs. 1 Satz 1 DBA-Schweiz 1971/2010 umfasst auch die Vergütungsteile, welche dem Künstler für die Mitwirkung an Proben gezahlt werden, die der Vorbereitung der Auftritte vor Publikum dienen.
  3. Für die Berechnung der "Nichtrückkehrtage" gemäß Art. 15a Abs. 2 Satz 2 DBA-Schweiz 1971/2010 spielt es auch für die Veranlagungszeiträume vor 2015 keine Rolle, ob der Arbeitnehmer in dem betreffenden Kalenderjahr für einen oder für mehrere Arbeitgeber tätig gewesen ist (entgegen BMF-Schreiben vom 19. September 1994, BStBl I 1994 S. 683, und vom 18. Dezember 2014, BStBl I 2015 S. 22).
  4. Eine Übereinkunft zwischen den deutschen und den Schweizer Steuerbehörden (hier: Konsultationsvereinbarung mit der Eidgenössischen Steuerverwaltung zur einheitlichen Anwendung und Auslegung des Art. 15a DBA-Schweiz 1971 i. d. F. des Änderungsprotokolls vom 21. Dezember 1992, BGBl. II 1993 S. 1888, BStBl I 1993 S. 928) bindet die Gerichte nicht (Bestätigung der ständigen Rechtsprechung). § 2 Abs. 2 AO (i. d. F. des JStG 2010) i. V. m. § 9 Abs. 1 KonsVerCHEV vom 20. Dezember 2010 (BGBl. I 2010 S. 2187, BStBl I 2010 S. 146) ändert daran nichts; § 2 Abs. 2 AO (i. d. F. des JStG 2010) genügt insoweit nicht den Bestimmtheitsanforderungen, die nach Art. 80 Abs. 1 GG an eine Verordnungsermächtigung zu stellen sind.

Quelle: BFH