IMK-Indikator: Rezessionsgefahr nahe null

Deutsche Wirtschaft auf dem Weg in die Hochkonjunktur

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 16.01.2018

Der überaus positive Konjunkturausblick in Deutschland - kräftiges Wachstum ohne Gefahr einer Überhitzung - bleibt bestehen. Ein wirtschaftlicher Einbruch ist praktisch ausgeschlossen. Das Risiko, dass Deutschland in den kommenden drei Monaten in eine Rezession gerät, liegt weiter nahe bei null. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Für den Zeitraum von Januar bis Ende März weist das Frühwarninstrument, das die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, eine mittlere Rezessionswahrscheinlichkeit von lediglich 1,4 Prozent aus. Im Dezember hatte sie bei bereits sehr geringen 1,6 Prozent gelegen.

Das extrem niedrige Rezessionsrisiko erklärt das IMK vor allem mit positiven Signalen von den Finanzmärkten: So ist die Zinsdifferenz zwischen Unternehmens- und Staatsanleihen, der sogenannte Corporate Spread, weiterhin sehr gering. Der geringe Unterschied macht deutlich, dass Unternehmen ein ausgesprochen günstiges Finanzierungsumfeld vorfinden und dass Finanzmarktakteure das Risiko von Kreditausfällen für sehr klein halten. „Angesichts dieses Trends und des positiven Gesamtbilds fallen zuletzt leicht rückläufige Auftragseingänge und kleine Eintrübungen bei einzelnen Stimmungsindikatoren kaum ins Gewicht", erklärt IMK-Experte Peter Hohlfeld.

Der niedrige Wert und der positive Trend des Konjunkturindikators stützen die Erwartung des IMK, dass der Konjunkturaufschwung anhält und in den kommenden Monaten mit einem hohen Wachstumstempo zu rechnen ist. Trotzdem sei das Risiko einer konjunkturellen Überhitzung sehr gering und zuletzt gesunken. „Grund dafür ist, dass Unternehmen nach langer Zurückhaltung endlich in neue Ausrüstungen investieren, sodass die Produktionskapazitäten zügig ausgeweitet werden dürften", sagt Hohlfeld. Auch auf dem Arbeitsmarkt zeichne sich noch kein nennenswerter Engpass ab, bei den Lohnstückkosten erwartet das IMK eine Zunahme unterhalb des EZB-Inflationsziels von knapp zwei Prozent.

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt dabei die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das Frühwarnsystem signalisiert eine Rezession, wenn die Industrieproduktion in einem Zeitraum von fünf Monaten um mindestens ein Prozent schrumpft.

Der IMK-Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung