Wirtschaftliche Entwicklung

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Dezember 2017

BMWi, Pressemitteilung vom 12.12.2017

  • Die Konjunktur bleibt zum Jahresende aufwärtsgerichtet. Für das Jahr 2017 zeichnet sich insgesamt ein starkes Ergebnis für das Bruttoinlandsprodukt ab.
  • Auftragseingänge und Stimmungsindikatoren senden positive Signale für die Industrie. Nach schwächeren Ergebnissen im September und Oktober dürfte sich die Industrieproduktion lebhaft fortsetzen.
  • Die Anschaffungsneigung der Konsumenten und die Stimmung im Handel sind positiv.
  • Die Nachfrage nach Arbeitskräften in weiten Teilen der Wirtschaft ist weiterhin sehr hoch. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung verringern sich in der Tendenz. Strukturelle Herausforderungen bleiben am Arbeitsmarkt dennoch bestehen.

Die deutsche Konjunktur befindet sich in einem dynamischen Aufschwung. Im dritten Quartal war die Wirtschaftsleistung (BIP) stark um preis-, saison- und kalenderbereinigt 0,8 Prozent gestiegen. Die Konjunktur war bereits im ersten Halbjahr kräftiger als bisher statistisch ausgewiesen. Angesichts der Entwicklung im bisherigen Jahresverlauf zeichnet sich ein starkes Jahresergebnis ab. Im dritten Quartal lieferte insbesondere der positive Außenbeitrag in Höhe von 0,4 Prozentpunkten Impulse, weil die Exporte stärker expandierten als die Importe. Angesichts ausgelasteter Produktionskapazitäten und günstiger Finanzierungsbedingungen zogen die privaten Investitionen in Ausrüstungen an; sie stiegen im dritten Quartal um 2,8 Prozent. Zudem kam es zu einem Vorratsaufbau. Der private Konsum, wesentlicher Wachstumstreiber der letzten Jahre, stagnierte vorübergehend (-0,1 Prozent). Der Beschäftigungsaufwuchs setzte sich nahezu ungebremst fort und auch die Einkommen nahmen im abgelaufenen Quartal weiter zu. Insgesamt dürfte sich die gute wirtschaftliche Entwicklung zum Jahresende fortsetzen. Der Anstieg der Industrieproduktion könnte allerdings im vierten Quartal geringer ausfallen. Die konjunkturelle Grundtendenz bleibt aber kräftig. Hierauf weisen auch die sehr positiven Stimmungsindikatoren hin.

Die Weltwirtschaft gewinnt auf Jahressicht weiter an Fahrt. Die weltweite Industrieproduktion nahm im September erneut zu und setzte damit ihre aufwärtsgerichtete Entwicklung fort. Im September lag sie um 3,9 Prozent über dem Niveau vor einem Jahr. Die globalen Stimmungsindikatoren spiegeln einen zunehmenden Optimismus wider. In den Industriestaaten setzte sich der konjunkturelle Aufschwung im dritten Quartal fort. Im Euroraum nahm das BIP im dritten Vierteljahr um 0,6 Prozent in den Vereinigten Staaten um 0,8 Prozent und in Japan um 0,6 Prozent zu. Von den Schwellenländern verzeichnete China wieder eine gleichmäßigere wirtschaftliche Entwicklung und Russland und Brasilen haben ihre Rezession überwunden. Insgesamt wird daher das Wachstum der Weltwirtschaft höher ausfallen als im Vorjahr. Die OECD rechnet in ihrem Ausblick vom November nun mit einem globalen Wachstum von 3,6 Prozent.

Nach der Zahlungsbilanzstatistik der Deutschen Bundesbank erhöhten sich die Ausfuhren an Waren und Dienstleistungen im Oktober 2017 in jeweiligen Preisen leicht um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich bleibt der Trend angesichts des globalen Aufschwungs aufwärtsgerichtet (+0,9 Prozent). Die Einfuhren erhöhten sich im Oktober um 1,9 Prozent. Im Dreimonatsvergleich nahmen sie etwas weniger stark als die Ausfuhren um 0,7 Prozent zu. Der kumulierte Leistungsbilanzüberschuss liegt im laufenden Jahr weiterhin unter dem des Vorjahreszeitraums. Die positiven Signale der nationalen Indikatoren zur Außenwirtschaft sowie die weltwirtschaftliche Belebung deuten trotz zwei schwacher Monate auf eine weitere Expansion der deutschen Exporte hin.

Die dynamische Industriekonjunktur zeigt sich nahezu in allen Industriezweigen. Die Auftragseingänge, die bereits im dritten Quartal mit einer Rate von 3,7 Prozent sehr kräftig zunahmen, erhöhten sich nochmals im Oktober (+0,5 Prozent). Entsprechend hoch sind die Auftragsbestände. Das ausgezeichnete Geschäftsklima signalisiert eine Fortsetzung der positiven Entwicklung. Nicht zuletzt wegen der Lage der Sommerferien und aufgrund von Brückentagen war die Industrieproduktion im September und Oktober rückläufig. Damit deutet sich ein nicht ganz so wachstumsstarkes Jahresendquartal an. Die Bauproduktion verläuft seit dem dritten Quartal trotz günstiger Rahmenbedingungen und einer starken Nachfrage allenfalls seitwärts. Sie war aber dennoch auch im Oktober 2017 – arbeitstäglich bereinigt – um reichlich vier Prozent höher als vor einem Jahr. Ein entscheidender Grund für die schwächere Entwicklung dürfte sein, dass sich die Bauwirtschaft nahe ihrer Kapazitätsgrenzen bewegt und Arbeitskräfte rar werden.

Der private Konsum war, gestützt auf eine gute Entwicklung von Einkommen und Beschäftigung, während des langen Aufschwungs der verlässliche Träger der binnenwirtschaftlichen Entwicklung. Im dritten Quartal ging er saisonbereinigt erstmals seit dem vierten Quartal 2013 leicht um 0,1 Prozent zurück. Dies zeigte sich auch in dem nahezu stagnierenden Umsatz im Einzelhandel (+0,2 Prozent), dessen Start in das Jahresschlussquartal ebenfalls holprig war (-1,2 Prozent). Die Umsätze im Kfz-Handel, die bis September vorliegen, blieben demgegenüber im dritten Quartal aufwärtsgerichtet. Die Inflationsrate lag im November bei 1,8 Prozent. Da Einkommen und Beschäftigung weiter zunehmen, die Konsumlaune positiv ist und sich das ifo Geschäftsklima für den Einzelhandel unverändert auf hohem Niveau bewegt, dürften die privaten Konsumausgaben weiter zunehmen.

Die Lage und der Ausblick am Arbeitsmarkt bleiben positiv. Die Erwerbstätigkeit wächst seit dem zweiten Quartal etwas moderater als im letzten Winterhalbjahr, im Oktober saisonbereinigt um 41.000 Personen. Damit waren zuletzt 650.000 Personen mehr erwerbstätig als ein Jahr zuvor. Im September stieg die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, bereinigt um die Saisoneinflüsse, um 35.000 Personen. Die einschlägigen Frühindikatoren von BA, ifo und IAB signalisieren eine anhaltend hohe Nachfrage nach Arbeitskräften in weiten Teilen der Wirtschaft. Die Arbeitslosigkeit und die Unterbeschäftigung gingen im November saisonbereinigt um 18.000 bzw. 21.000 Personen zurück. Nach Ursprungszahlen sank die Arbeitslosigkeit auf 2,37 Mio. Personen, den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit dürfte sich fortsetzen; er könnte jedoch etwas schleppender verlaufen, weil Personen mit Migrationshintergrund nach dem Abschluss von Integrations- und Sprachkursen nicht sofort auf dem Arbeitsmarkt Erfolg haben. Zudem bleiben weitere Herausforderungen, wie der nach wie vor hohe Stand atypischer und in der Regel niedrig entlohnter Beschäftigung, die Eindämmung der Langzeitarbeitslosigkeit und die höhere Arbeitslosigkeit in strukturschwachen Gebieten, bestehen.

Quelle: BMWi