Statistik

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Juni 2019

BMWi, Pressemitteilung vom 13.06.2019

Die deutsche Konjunktur bleibt vorerst verhalten. Zur relativ starken Zunahme des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal 2019 um 0,4 % trug auf der Verwendungsseite vor allem der starke Anstieg der privaten Konsumausgaben bei. Die fiskalischen Entlastungen zu Jahresbeginn sowie gewisse Nachholeffekte beim Kauf von Personenkraftwagen dürften hierzu beigetragen haben. Auf der Entstehungsseite ging die Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Leistung vor allem auf die Dienstleistungsbereiche zurück. Im Verarbeitenden Gewerbe war sie hingegen rückläufig. Die aktuelle Datenlage spricht für eine Fortsetzung dieser zweigeteilten Entwicklung. Der spürbare Rückgang der Auftragseingänge in der Industrie seit Jahresbeginn sowie das sich bis Mai weiter eintrübende Geschäftsklima signalisieren ein Andauern der industriellen Schwächephase. Die wichtigen binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte sind aber weiterhin intakt. Beschäftigung und Einkommen steigen nach wie vor spürbar, die Bauinvestitionen nehmen verlässlich zu und der Staat sorgt für fiskalische Impulse. Nach einer verhaltenen Entwicklung im zweiten Quartal sollten sich die positiven Kräfte bei allmählicher Besserung des außenwirtschaftlichen Umfelds wieder stärker durchsetzen.

Die Weltkonjunktur leidet unter den Handelskonflikten. Zwar hat sich ihre Dynamik im ersten Quartal 2019 leicht beschleunigt, die Jahreswachstumsrate ist jedoch noch immer relativ niedrig. Nach einem kräftigen Wachstum der US-Wirtschaft im ersten Quartal sprechen die Konjunkturindikatoren für einen allmählichen Dynamikverlust in den USA. Die japanische Wirtschaft gewann zuletzt ebenfalls etwas an Schwung, der sich jedoch einzig auf die Investitionen stützte. Das schwache Wachstum in Europa setzte sich nur wenig beschleunigt fort. Die Entwicklung in den Schwellenländern verlief gedämpft: Das Wachstumstempo der chinesischen Wirtschaft verringerte sich weiter. Der Handelskonflikt mit den USA ist mit Einbußen im Außenhandel verbunden. Auch die russische und die indische Wirtschaft konnten ihr Expansionstempo zuletzt nicht halten. In Brasilien schrumpfte die Wirtschaft sogar leicht. Die OECD rechnet in ihrer jüngsten Prognose vom Mai mit einer Abschwächung des globalen Wachstums im Jahr 2019 auf 3,2 % nach 3,5 % im Jahr 2018.

Die deutschen Unternehmen erhalten gedämpfte Impulse aus dem weltwirtschaftlichen Umfeld. So nahmen die Exporte von Waren und Dienstleistungen im April saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen um 3,4 % ab. Im Zweimonatsvergleich ergab sich ein leichtes Minus von 0,1 %. Bei leicht steigenden Ausfuhrpreisen dürfte sich in realer Rechnung ein etwas stärkerer Rückgang ergeben. Die Unternehmen gehen laut den ifo Exporterwartungen weiterhin von keiner deutlichen Belebung aus. Die nominalen Importe von Waren und Dienstleistungen sanken im April saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen um 1,1 %. Im Zweimonatsvergleich ergab sich ein leichtes Minus von 0,1 %. Die Einfuhrpreise fielen jedoch etwas höher aus, sodass die Importe preisbereinigt etwas deutlicher abgebaut haben dürften. Der Leistungsbilanzüberschuss fiel in den ersten vier Monaten des Jahres 2019 mit 89,8 Mrd. Euro um 2,9 Mrd. Euro geringer aus als im Vorjahreszeitraum.

Die Konjunktur im Produzierenden Gewerbe ist gegenwärtig zweigeteilt. Während die Industriekonjunktur lahmt, befindet sich das Baugewerbe in der Hochkonjunktur. Die industrielle Erzeugung weist seit Ende 2017 einen nach unten gerichteten Trend auf. Im April ist die Produktion im Produzierenden Gewerbe deutlich um 1,9 % zurückgegangen. Dabei erhöhte sich Erzeugung im Baugewerbe leicht (+0,2 %), während die Industrie ein kräftiges Minus von 2,5 % meldete. Im Zweimonatsvergleich März/April gegenüber Januar/Februar war für die Industrie ein Produktionsrückgang von 0,6 % zu verbuchen, während für das Baugewerbe eine deutliche Zunahme der Erzeugung von 1,9 % zu verzeichnen war. Innerhalb der Industrie fuhr der Kfz-Bereich seine Produktion um 1,9 % zurück. Die Entwicklung von Auftragseingangs- und Stimmungsindikatoren spricht dafür, dass die Industriekonjunktur in den kommenden Monaten gedämpft bleibt. Nach ihrem kräftigen Rückgang zu Jahresbeginn haben sich die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe in den beiden letzten Monaten im Zuge einer anziehenden Auslandsnachfrage allerdings wieder auf niedrigem Niveau stabilisiert. Im März und April sind sie gegenüber dem Vormonat um 0,8 % bzw. 0,3 % gestiegen, damit lagen sie aber immer noch etwa 5 % unter ihrem durchschnittlichen Monatswert aus dem Jahre 2018. Das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe zeigt nunmehr schon seit dem Jahreswechsel 2017/18 einen spürbaren Abwärtstrend und trübte sich im Mai nochmals leicht ein. Im Baugewerbe indes dürfte die Hochkonjunktur anhalten.

Im ersten Quartal 2019 nahmen die privaten Konsumausgaben überraschend kräftig um 1,2 % gegenüber dem Vorquartal zu. Einen vergleichbar großen Zuwachs hatte es zuletzt im dritten Quartal 2011 gegeben. Allerdings haben sich die Umsätze im Einzelhandel (ohne Kfz) im April im Vergleich zum Vormonat um 2,0 % verringert. Die Neuzulassungen von Pkw bei privaten Haltergruppen konnten sich zwar in den zurückliegenden Monaten von der WLTP-bedingten Flaute im Herbst letzten Jahres wieder erholen, aber im Mai war wieder eine Abnahme um 2,6 % zu verzeichnen.

Auf dem Arbeitsmarkt wurde im Mai die konjunkturelle Abschwächung sichtbarer. Der Beschäftigungsaufbau hält zwar an, die Dynamik hat sich aber auf einen monatlichen Zuwachs von weniger als 40.000 Personen eingependelt. In den Ursprungszahlen wurden im April 45,1 Mio. Erwerbstätige ausgewiesen. Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nimmt merklich langsamer zu. Die Arbeitslosigkeit stieg nach den Ursprungszahlen im Mai sogar leicht auf 2,24 Mio. Personen. In der saisonbereinigten Betrachtung erhöhte sie sich im Vergleich zum Vormonat um 60.000 Personen, den ersten kräftigen Anstieg seit Mai 2014. Neben dem Konjunktureinfluss spielte ein Sondereffekt, die Überprüfung des Status von Betroffenen im Bereich SGB II, eine maßgebliche Rolle. Dies ergab reichlich die Hälfte des Anstiegs. Die Frühindikatoren deuten an, dass der Personalaufbau in den Unternehmen merklich ruhiger verlaufen wird, in der Industrie könnte der Stellenzuwachs möglicherweise unterbrochen werden. Die Wirtschaftskraft strukturschwacher Regionen zu stärken bleibt eine Herausforderung.

Quelle: BMWi