Wirtschaftliche Entwicklung

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im November 2017

BMWi, Pressemitteilung vom 14.11.2017

  • Die deutsche Wirtschaft wächst auch im dritten Quartal kräftig. Die globale Wirtschaft liefert wieder mehr Impulse.
  • Die Industrie entwickelt sich schwungvoll. Auftragseingänge und Stimmungsindikatoren senden positive Signale für die kommenden Monate.
  • Die Kauflaune der Verbraucher bleibt hoch. Der Anstieg der Verbraucherpreise hat sich angesichts stabilerer Energiepreise im Jahresverlauf normalisiert.
  • Die positiven Entwicklungen am Arbeitsmarkt halten an. Die Nachfrage nach Arbeitskräften in weiten Teilen der Wirtschaft ist sehr groß. Die Arbeitslosigkeit und die Unterbeschäftigung verringern sich in der Tendenz. Am Arbeitsmarkt bleiben dennoch strukturelle Herausforderungen bestehen.

Die deutsche Wirtschaft hat ihren kräftigen Aufschwung auch im dritten Vierteljahr 2017 fortgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt erhöhte sich preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,8 Prozent. Im zweiten Quartal hatte die gesamtwirtschaftliche Leistung um 0,6 Prozent und im ersten Quartal nochmals aufwärtsrevidiert sogar um 0,9 Prozent zugenommen. Wesentliche Impulse für den dynamischen Aufschwung kommen von der wieder stärker wachsenden globalen Nachfrage nach Industriegütern. Daher sind im dritten Quartal nachfrageseitig wichtige Wachstumsbeiträge vom Außenhandel und von den Investitionen gekommen. Entsprechend dürfte insbesondere das Verarbeitende Gewerbe seine Produktion kräftig ausgeweitet haben. Die Indikatoren deuten auf eine rege Fortsetzung des Aufschwungs im Jahresschlussquartal hin. Das Geschäftsklima sowohl in der gewerblichen Wirtschaft als auch bei den Dienstleistungen ist rekordverdächtig gut. Die Bauwirtschaft arbeitet nahe an ihrer Kapazitätsgrenze, die Auftragslage im Verarbeitenden Gewerbe wird immer besser und der Beschäftigungsaufbau insbesondere in den Dienstleistungsbereichen nimmt kein Ende. Zudem hat die Unsicherheit in der Wirtschaft weiter abgenommen.

Das Expansionstempo der Weltwirtschaft hat im laufenden Jahr an Fahrt gewonnen. Die globalen Stimmungsindikatoren signalisieren einen zunehmenden Optimismus. Die weltweite Industrieproduktion nahm nach einem leichten Rückgang im August weiter zu und setzte damit ihre aufwärtsgerichtete Entwicklung fort. Zuletzt lag sie um 3,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Die Dynamik in den asiatischen Schwellenländern ist hoch, aber vor allem die Konjunktur in den entwickelten Volkswirtschaften belebte sich. Der konjunkturelle Aufschwung des Euroraums behielt die hohe Dynamik des zweiten Quartals auch im dritten Vierteljahr mit einem Zuwachs um 0,6 Prozent nahezu bei. Gleiches gilt für die Vereinigten Staaten, in denen das BIP im dritten Quartal um 0,7 Prozent expandierte. Die japanische Wirtschaft hatte im zweiten Quartal merklich zugelegt. Von den Schwellenländern verzeichnete China wieder eine gleichmäßigere wirtschaftliche Entwicklung. Alles in allem ist somit davon auszugehen, dass das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr deutlich höher ausfällt als im Vorjahr.

Nach der Zahlungsbilanzstatistik der Deutschen Bundesbank gingen die Ausfuhren an Waren und Dienstleistungen im September 2017 in jeweiligen Preisen zwar um 2,2 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück. Im Quartalsvergleich erhöhten sie sich hingegen um 1,2 Prozent. Die Einfuhren verringerten sich im September weniger stark um 1,8 Prozent. Im Quartalsvergleich nahmen sie weniger stark als die Ausfuhren um 0,2 Prozent zu. Der seit Jahresbeginn kumulierte Leistungsbilanzüberschuss liegt immer noch spürbar niedriger als ein Jahr zuvor. Die positiven Signale der nationalen Indikatoren zur Außenwirtschaft sowie die weltwirtschaftliche Belebung lassen trotz eines stärkeren Euros eine weitere Expansion der deutschen Exporte erwarten. Aufgrund der starken Binnennachfrage und den damit einhergehenden Importzuwächsen wird der Außenbeitrag in diesem Jahr voraussichtlich dennoch wachstumsneutral ausfallen.

Die Industriekonjunktur blieb im Herbst sehr dynamisch. Gegenüber dem ohnehin starken ersten Halbjahr hat sich das Expansionstempo sogar noch etwas beschleunigt. Im dritten Quartal legten sowohl die Industrieproduktion als auch die Umsätze um 1,7 Prozent zu. Der Aufschwung erstreckt sich über nahezu alle Industriezweige und steht damit auf einem breiten Fundament. Die Auftragseingänge, die mit einem Anstieg von 3,6 Prozent im dritten Quartal sehr kräftig ausfielen, aber auch das gute Geschäftsklima signalisieren eine Fortsetzung der positiven Entwicklung. Trotz weiterhin niedriger Zinsen ging die Bauproduktion ausgehend vom hohen Produktionsniveau zu Jahresbeginn im dritten Quartal um 1,0 Prozent zurück. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die Bauwirtschaft nahe ihrer Kapazitätsgrenzen bewegt. Umfragen des ifo Instituts deuten darauf hin, dass ein Mangel an Arbeitskräften immer mehr Bauunternehmen an der Ausführung ihrer Aufträge hindert.

Der private Konsum war im ersten Halbjahr ein wesentlicher Wachstumsträger. Im dritten Quartal dürfte er sich vorübergehend etwas ruhiger entwickelt haben. Die Umsätze im Einzelhandel haben im September (+0,5 Prozent) nach schwächeren Daten in den Ferienmonaten wieder etwas angezogen, sodass im dritten Quartal (+0,3 Prozent) nur noch ein leichtes Umsatzplus erreicht wurde. Die Umsätze im Kfz-Handel, die bis August vorliegen, stiegen nur um 0,2 Prozent nach einem Rückgang im Juli um 1,0 Prozent. Das ifo Geschäftsklima für den Einzelhandel hatte sich daher im dritten Quartal vorübergehend merklich abgekühlt. Im Oktober waren die Einzelhändler dann aber wieder sehr viel besser gestimmt. Das Konsumklima der Verbraucher ist weiterhin ungetrübt positiv, obwohl die Verbraucherpreise auf Jahressicht im Oktober um 1,6 Prozent zulegten.

Die Situation und die Aussichten am Arbeitsmarkt sind weiterhin positiv. Die Erwerbstätigkeit wächst um Saisoneinflüsse bereinigt seit dem zweiten Quartal etwas moderater als im letzten Winterhalbjahr, im September um 41.000 Personen. Damit waren im September rund 650.000 Personen mehr erwerbstätig als ein Jahr zuvor. Die Entwicklung bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung verläuft sogar noch dynamischer. Sie stieg im August, bereinigt um die Saisoneinflüsse, um 74.000 Personen. Die einschlägigen Frühindikatoren von BA, ifo und IAB signalisieren eine anhaltend hohe Nachfrage nach Arbeitskräften in weiten Teilen der Wirtschaft. Die Arbeitslosigkeit und die Unterbeschäftigung sind im Oktober saisonbereinigt jeweils um 11.000 Personen zurückgegangen. Nach Ursprungszahlen sank die Arbeitslosigkeit auf 2,39 Mio. Personen, den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit dürfte sich fortsetzen; er könnte jedoch etwas schleppender verlaufen, weil Personen mit Migrationshintergrund nach dem Abschluss von Integrations- und Sprachkursen nicht sofort auf dem Arbeitsmarkt Erfolg haben. Zudem bleiben weitere Herausforderungen, wie die Eindämmung der Langzeitarbeitslosigkeit und die höhere Arbeitslosigkeit in strukturschwachen Gebieten, bestehen.

Quelle: BMWi