Wirtschaftliche Entwicklung

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im November 2018

BMWi, Pressemitteilung vom 14.11.2018

  • Sondereffekte führen im dritten Quartal zu einer Unterbrechung des Aufschwungs. Ursache war die WLTP-Problematik in der Kfz-Industrie. Mit Auflösung dieser Sondereffekte wird sich der Aufschwung der deutschen Wirtschaft fortsetzen.
  • Die Erzeugung des Produzierenden Gewerbes war im dritten Quartal insbesondere aufgrund dieses Sondereffekts rückläufig. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe stiegen in den beiden letzten Monaten wieder an, der Auftragsbestand ist weiterhin sehr hoch. Das Baugewerbe befindet sich in der Hochkonjunktur.
  • Die Entwicklung der Einkommen und die Konsumnachfrage der privaten Haushalte bleiben aufwärtsgerichtet. Auch die Stimmung im Handel ist gut.
  • Die positiven Entwicklungen bei Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit halten an. Strukturelle Probleme am Arbeitsmarkt bleiben Herausforderungen.

Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft wurde im dritten Quartal nur unterbrochen. Das Bruttoinlandsprodukt fiel preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,2 % niedriger aus als im Vorquartal. Geprägt war das dritte Quartal nach den vorliegenden Indikatoren durch einen schwachen privaten Konsum, starke Importe, die einen negativen Wachstumsbeitrag des Außenhandels bewirkten, sowie durch einen spürbaren Lageraufbau. Der Grund für die schwache Gesamtentwicklung war im Wesentlichen die WLTP-Problematik in der Kfz-Industrie. Die verbindliche Umstellung auf den neuen Prüfzyklus hat einen Zulassungsstau ausgelöst. Die Industrie konzentrierte ihre Produktion auf die bereits zugelassenen Typen und die privaten Haushalte im In- und Ausland warteten mit ihren Käufen ab. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte dadurch im dritten Quartal um bis zu 0,4 Prozentpunkte gedämpft worden sein. Bei der WLTP-Problematik handelt es sich um ein temporäres Phänomen. Mit zunehmender Auflösung des Zulassungsstaus wird sich der Aufschwung bereits im Jahresschlussquartal fortsetzen. Die Indikatoren für die Industrie und für die Gesamtwirtschaft, aber auch die Entwicklung im außenwirtschaftlichen Umfeld unterstreichen dies. Die Konjunktur in der europäischen Union blieb im dritten Quartal aufwärtsgerichtet und die amerikanische Wirtschaft boomt. Die Weltwirtschaft befindet sich trotz aller Missklänge im Aufschwung.

Die Signale aus dem weltwirtschaftlichen Umfeld fallen allerdings gemischt aus. Die industrielle Erzeugung weist global zwar weiterhin eine etwas geringere Dynamik auf als im vergangenen Jahr, der Welthandel scheint aber die Delle aus dem schwächeren zweiten Quartal durchschritten zu haben. Der IHS Markit Global Composite PMI erhöhte sich im Oktober nach drei Rückgängen in Folge getrieben von den Dienstleistungen, während der ifo Index zum Weltwirtschaftsklima für das vierte Quartal 2018 eine sehr gedämpfte Stimmung wiedergibt. Auch die internationalen Organisationen gehen in ihren Herbstprognosen weiter von einer zwar positiven, aber gegenüber früheren Einschätzungen abgeschwächten Entwicklung der Weltwirtschaft aus.

Die gegenwärtig gemischten Signale der Außenwirtschaft spiegeln sich auch in den Zahlen zu den deutschen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen wider. Im September gingen die Exporte saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen leicht um 0,9 % zurück. Im dritten Quartal blieben die Ausfuhren nominal konstant. Preisbereinigt sind sie jedoch zurückgegangen. Die ifo Exporterwartungen sind auf den niedrigsten Wert dieses Jahres gesunken und deuten nicht auf eine deutliche Belebung der Ausfuhren hin. Die nominalen Importe von Waren und Dienstleistungen nahmen im September erneut saisonbereinigt ab (-1,3 %). Im dritten Quartal ergibt sich jedoch aufgrund des starken Julis ein Anstieg der Importe um 2,9 %. Auch preisbereinigt dürften sie sich trotz steigender Importpreise noch deutlich positiv entwickelt haben.

Im Produzierenden Gewerbe nahm die Produktion im dritten Quartal um 0,9 % ab. Den Ausschlag hierfür gab eine temporäre Schwächephase in der Industrie, die nahezu vollständig auf die Kfz-Industrie zurückging. Zuletzt im September blieb die Industrieerzeugung unverändert, im dritten Quartal verringerte sie sich jedoch um 1,4 %. Die Produktion im Baugewerbe hingegen verzeichnete im Quartalsvergleich einen Zuwachs von 0,5 %. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe nahmen im September gegenüber dem Vormonat um 0,3 % zu, nach einem Plus von 2,5 % im August. Im Quartalsvergleich kam es indes zu einem Rückgang um 1,0 %. Im Zuge der schrittweisen Auflösung des Zulassungsstaus wegen der Umstellung auf den neuen Testzyklus WLTP für Pkw dürfte sich die Industrieproduktion zum Jahresende hin wieder beleben. Dafür spricht auch das sehr gute Auftragspolster mit einer Reichweite von 5,5 Monaten. Das Baugewerbe arbeitet nahe seiner Kapazitätsgrenzen, sein Boom dürfte anhalten.

Die gute Entwicklung des Arbeitsmarkts und kräftige Lohnzuwächse sorgen dafür, dass der private Konsum grundsätzlich eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur bleibt. Am aktuellen Rand deuten die Umsätze im Einzelhandel jedoch auf eine etwas langsamere Gangart im dritten Quartal hin. Der leichte Zuwachs im September um 0,1 % reichte nicht aus, um das dritte Quartal (-1,0 %) positiv abzuschließen. Auch die Umsätze im Kfz-Handel gingen Stand August leicht zurück. Vor dem Hintergrund der WLTP-Problematik waren die Neuzulassungen von Pkw bei privaten Haltergruppen im dritten Quartal schwach. Erst im Oktober stiegen die Neuzulassungen privater Kfz wieder deutlich an. Für eine positive Entwicklung des privaten Konsums in den kommenden Monaten spricht weiterhin der Anstieg der Einkommen. Die Stimmungsindikatoren zeigen derzeit ein gemischtes Bild. Das ifo Geschäftsklima für den Einzelhandel verschlechterte sich im Oktober, während das Konsumklima der Verbraucher zuletzt stabil blieb.

Vom Arbeitsmarkt kommen unverändert positive Nachrichten. Die Erwerbstätigkeit erreichte im September den neuen Höchstwert von 45,2 Mio. Personen. Das ist auf die kräftige Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zurückzuführen. Gegenüber August erhöhte sich die Erwerbstätigkeit saisonbereinigt um 39.000 Personen. Bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung lag der Zuwachs im August mit 56.000 Personen leicht über dem durchschnittlichen Niveau der letzten sechs Monate. Die Frühindikatoren unterstreichen die anhaltend starke Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften. Die Zahl der Arbeitslosen sank im Oktober saisonbereinigt um 11.000 Personen; in Ursprungszahlen verringerte sie sich mit der einsetzenden Herbstbelebung auf 2,2 Mio. Personen. Die Langzeitarbeitslosigkeit geht weiter zurück. Ihre weitere Zurückdrängung und die Stärkung der Wirtschaftskraft strukturschwacher Regionen bleiben Herausforderungen.

Quelle: BMWi