Wirtschaftliche Entwicklung

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Oktober 2017

BMWi, Pressemitteilung vom 13.10.2017

  • Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft gewinnt an Breite. Neben den Konsumausgaben und den Bauinvestitionen haben sich die Ausfuhren und die Investitionen in Ausrüstungen belebt.
  • Die Fertigung im Produzierenden Gewerbe zeigt seit Jahresbeginn mehr Dynamik. Die positive Entwicklung bei den Auftragseingängen und das günstige Geschäftsklima in der Industrie sprechen für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends.
  • Die Verbraucherpreise haben sich vor dem Hintergrund stabiler Energiepreise im Jahresverlauf normalisiert. Die Kauflaune der Verbraucher bleibt hoch.
  • Die Grundtendenzen am Arbeitsmarkt sind weiterhin positiv. Dank kräftiger Nachfrage hält die hohe Dynamik beim Beschäftigungsaufbau an. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung bleiben in der Tendenz rückläufig.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem stetigen und nun auch breit angelegten Aufschwung. Die konjunkturelle Dynamik hat sich im ersten Halbjahr spürbar belebt. Wesentliche Impulse hierfür kamen von der globalen Nachfrage nach Industriegütern, die seit Ende vergangenen Jahres anzog. Damit belebten sich auch die heimischen Investitionen in Ausrüstungen. Die Indikatoren deuten auf eine rege Fortsetzung des Aufschwungs in der zweiten Jahreshälfte hin, wenn auch nicht ganz mit der Dynamik des ersten Halbjahrs. Die Bundesregierung erwartet damit gemäß ihrer Herbstprojektion einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2017 von preisbereinigt 2,0 Prozent, dies wäre das stärkste Wirtschaftswachstum seit sechs Jahren. Der Aufschwung steht auf einem soliden binnenwirtschaftlichen Fundament. Die Beschäftigung nimmt weiter deutlich zu. Die privaten Konsumausgaben und die Bruttoanlageinvestitionen liefern die größten Wachstumsbeiträge in Höhe von 1,0 beziehungsweise 0,7 Prozentpunkten. Die Kapazitäten sind etwas über normal ausgelastet. Der Anstieg des Verbraucherpreisniveaus erhöht sich auf eine Jahresrate von 1,8 Prozent. Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen.

Die Weltwirtschaft gewinnt auf das Jahr gesehen weiter an Fahrt. Trotz eines leichten Rückgangs liegt die weltweite Industrieproduktion im Juli um 3,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Die Dynamik in den asiatischen Schwellenländern ist hoch, aber auch die Konjunktur in den entwickelten Volkswirtschaften belebte sich. Die globalen Stimmungsindikatoren zeigen einen zunehmenden Optimismus. Insbesondere im Euroraum haben sich die Wachstumserwartungen zuletzt deutlich verbessert. In den Vereinigten Staaten hat sich die Konjunktur nach dem schwachen ersten Quartal normalisiert. Die japanische Wirtschaft legte im zweiten Quartal merklich zu. Von den Schwellenländern verzeichnete China wieder eine gleichmäßigere wirtschaftliche Entwicklung. Insgesamt wird daher das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr höher ausfallen als im Vorjahr. In Anlehnung an die Einschätzung der internationalen Organisationen rechnet die Bundesregierung für dieses Jahr mit einem Wachstum der Weltwirtschaft von 3,6 Prozent und im Folgejahr von 3,7 Prozent.

Nach der Zahlungsbilanzstatistik der Deutschen Bundesbank legten die Ausfuhren an Waren und Dienstleistungen im August 2017 in jeweiligen Preisen deutlich um 2,3 Prozent gegenüber dem Vormonat zu. Im Dreimonatsvergleich erhöhten sie sich weiter um 1,3 Prozent. Die Einfuhren stiegen im August weniger stark um 0,6 Prozent. Im Dreimonatsvergleich gaben sie demgegenüber um 1,0 Prozent nach. Der seit Jahresbeginn kumulierte Leistungsbilanzüberschuss liegt weiterhin spürbar niedriger als ein Jahr zuvor. Die positiven Signale der nationalen Indikatoren zur Außenwirtschaft sowie die weltwirtschaftliche Belebung lassen trotz eines stärkeren Euros eine weitere Expansion der deutschen Exporte erwarten. Aufgrund der starken Binnennachfrage und den damit einhergehenden Importzuwächsen wird der Außenbeitrag in diesem Jahr voraussichtlich wachstumsneutral ausfallen.

Die seit Jahresbeginn zu beobachtende Dynamik bei der industriellen Produktion, die um die Jahresmitte ausgesetzt hatte, setzte sich zuletzt wieder fort. Die Herstellung des Verarbeitenden Gewerbes erhöhte sich im August saisonbereinigt um 3,2 Prozent. Die Produktion im Investitionsgütergewerbe legte dabei mit einem Plus von 4,8 Prozent besonders kräftig zu. Eine Rolle dürfte hier die Lage der Werksferien im Bereich Kraftfahrzeuge (+10,8 Prozent) gespielt haben. Die positive Entwicklung der Auftragseingänge (August: +3,6 Prozent) und das weiterhin günstige Geschäftsklima sprechen für eine Fortsetzung der guten Industriekonjunktur. Die Bauproduktion entwickelt sich bereits seit dem Frühjahr leicht rückläufig, allerdings von einem hohen Niveau aus. Im August kam es zu einem Rückgang um 1,2 Prozent. In Anbetracht baufreundlicher Rahmenbedingungen hat sich das Geschäftsklima in der Branche im September weiter verbessert. Die Bauunternehmen waren mit ihrer aktuellen Lage zufriedener und auch ihre Geschäftserwartungen hoben sie an.

Der private Konsum bleibt eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur. Gemäß Herbstprojektion der Bundesregierung steigen die privaten Konsumausgaben im laufenden Jahr um 1,8 Prozent und im Folgejahr um weitere 1,6 Prozent. Am aktuellen Rand deuten die Umsätze im Einzelhandel eine etwas langsamere Gangart an (Juli: -1,2 Prozent, August: -0,4 Prozent). Nach einem starken Mai und Juni gingen auch die Umsätze im Kfz-Handel im Juli um 1,2 Prozent zurück, blieben aber deutlich aufwärtsgerichtet. Dafür sprechen auch die privaten Kfz-Neuzulassungen, die im August um 8,2 Prozent und im September um 2,0 Prozent gestiegen sind. Die Stimmungsindikatoren sind ebenfalls sehr positiv. Das ifo Geschäftsklima für den Einzelhandel hat sich im September verbessert und befindet sich weit über seinem langjährigen Durchschnitt. Auch das Konsumklima der Verbraucher bewegt sich in der Nähe historischer Höchstwerte, obwohl sich die Inflation mit 1,8 Prozent im August binnen eines Jahres wieder merklich beschleunigt hat.

Die Grundtendenzen am Arbeitsmarkt sind weiterhin positiv. Die Erwerbstätigkeit, die saisonbereinigt seit Februar monatlich um rd. 50.000 Personen zunahm, stieg im August um 64.000 Personen. Auf Jahressicht liegt der Zuwachs bei ca. 700.000 Personen. Einen derartigen Beschäftigungsaufbau gab es in Deutschland zuletzt vor zehn Jahren, dem Jahr vor der Finanzkrise. Das geht vor allem auf die rapide Entwicklung bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zurück, die im Juli, bereinigt um die Saisoneinflüsse, um 57.000 Personen anstieg. Die einschlägigen Frühindikatoren signalisieren eine anhaltend hohe Nachfrage nach Arbeitskräften in weiten Teilen der Wirtschaft. Die Bundesregierung rechnet für das laufende Jahr im Jahresdurchschnitt mit einem Anstieg der Erwerbstätigkeit um 660.000 Personen. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind im September saisonbereinigt um 23.000 beziehungsweise 20.000 Personen weiter zurückgegangen. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit dürfte anhalten; er könnte sich aber etwas verlangsamen, weil Personen mit Migrationshintergrund nach dem Abschluss von Integrations- und Sprachkursen zunehmend auf den Arbeitsmarkt drängen.

Quelle: BMWi