Wirtschaftsentwicklung

DIW Berlin senkt wegen hoher Unsicherheit Wachstumsprognose für 2018 und 2019

DIW Berlin, Pressemitteilung vom 13.06.2018

Prognose für BIP-Wachstum in Deutschland auf 1,9 Prozent für 2018 und 1,7 Prozent für 2019 gesenkt - Exportwachstum leidet unter Handelskonflikt mit den USA und hoher Unsicherheit im Euroraum - Deutsche Binnenkonjunktur weiterhin robust - Europäischer Zusammenhalt und gemeinsamer Reformwille wichtiger denn je

Das deutsche BIP dürfte dieses Jahr um 1,9 Prozent und nächstes Jahr um 1,7 Prozent wachsen, so die neue Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin); das sind für 2018 0,5 und für 2019 0,2 Prozentpunkte weniger, als noch im März prognostiziert. Die Anpassung spiegelt einen unerwartet schwachen Jahresauftakt sowie ein zunehmend unsicheres weltwirtschaftliches Umfeld wider. Unsicherheit geht dabei vor allem von den wachsenden Sorgen um einzelne europäische Länder, in erster Linie Italien, und der Möglichkeit eines eskalierenden Handelskonflikts zwischen den USA und dem Rest der Welt aus. Sie beeinträchtigt die Investitionstätigkeit der Unternehmen weltweit. Das wiederum bremst das Wachstum der deutschen Exporte.

Trotz der etwas gedämpfteren Konjunktur ist die deutsche Wirtschaft weiterhin in guter Verfassung; nach dem schwachen Jahresauftakt dürfte das Sommerhalbjahr wieder dynamischer ausfallen. Die Arbeitslosigkeit geht weiter zurück - für dieses Jahr wird eine Arbeitslosenquote von 5,2 Prozent prognostiziert und für 2019 von 4,9 Prozent - und die Beschäftigten verdienen dank steigender Lohnabschlüsse insgesamt ordentlich. Das begünstigt den privaten Konsum, der eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur bleibt. Eine Rolle spielen hier auch von der neuen Bundesregierung geplante Abgabenentlastungen und Ausgabenerweiterungen, beispielsweise die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung und die angekündigte Erhöhung des Kindergeldes, die die Einkommen der privaten Haushalte ankurbeln. Auch die anvisierten öffentlichen Investitionen, etwa für den Breitbandausbau und den sozialen Wohnungsbau, dürften die Binnenkonjunktur leicht anregen.

Hohe öffentliche Überschüsse, aber temporärer Natur

Trotz dieser zusätzlichen Ausgaben bleibt die Finanzlage des Staates der Prognose zufolge zunächst außerordentlich günstig. Vor dem Hintergrund der robusten Konjunktur sprudeln die Steuereinnahmen, und die niedrigen Zinsen halten die Kosten für die Bedienung der Staatsschulden niedrig. Prognostiziert wird für das Jahr 2018 ein Überschuss von 49,4 Milliarden Euro im öffentlichen Gesamthaushalt (Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen), für 2019 von 46,3 Milliarden Euro. Allerdings ist gerade der Zinsvorteil temporärer Natur. Langfristig sind die Spielräume für neue Ausgaben begrenzt und die Priorität sollten hier Maßnahmen haben, die die deutsche Wirtschaft nachhaltig leistungsfähiger machen - also bessere Rahmenbedingungen für private Investitionen, Ausgaben für die Infrastruktur sowie für Bildung und Forschung, statt einmalige Steuergeschenke.

Hohe Risiken auf vielen Fronten

Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen bergen Risiken für die hier vorgelegte Prognose. So könnte der handelspolitische Konflikt mit den USA noch weiter eskalieren. US-Zölle auf weitere Produkte, etwa Autos, könnten Produktionseinbußen von mehreren Milliarden Euro mit sich bringen und das BIP-Wachstum in Deutschland um einige Zehntel Prozentpunkte nach unten ziehen. Unsicherheit herrscht zudem über den Kurs der neuen italienischen Regierung. Sollte diese beschließen, dass das Land einen Teil seiner Schulden nicht zurückzahlt, so könnte das den Euroraum und Deutschland in eine erneute Krise stürzen. Umso wichtiger ist es jetzt, dass die europäischen Partner den Schulterschluss suchen, um sowohl dem amerikanischen Protektionismus eine gemeinsame Antwort zu geben als auch Europa und speziell den Euroraum krisenfester zu machen.

Quelle: DIW Berlin