Ergebnisse der GfK-Konsumklimastudie für August 2018

Erneut leichter Rückgang beim Konsumklima

Gfk, Pressemitteilung vom 29.08.2018

Im August dieses Jahres zeigt die Verbraucherstimmung in Deutschland kein einheitliches Bild. Die Konjunkturaussichten legen zu, während die Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung Einbußen hinnehmen müssen. Folglich prognostiziert GfK für September einen leichten Rückgang des Konsumklimas gegenüber dem Vormonat um 0,1 Zähler auf 10,5 Punkte.

Trotz weltpolitisch turbulenter Zeiten stoppen die Konjunkturerwartungen - zumindest vorerst - ihre mehrmonatige Talfahrt und legen spürbar zu. Die Einkommensaussichten sinken hingegen und auch die Anschaffungsneigung verzeichnet kleine Einbußen. Beide Indikatoren weisen aber nach wie vor ein überaus gutes Niveau auf. Da die Sparneigung in diesem Monat nahezu unverändert ist, geht das Konsumklima somit leicht zurück.

Konjunkturoptimismus steigt wieder

Die Konjunkturaussichten setzen ihre Talfahrt, die mit kleinen Unterbrechungen seit Anfang 2018 zu beobachten ist, im August nicht fort. Der Indikator klettert spürbar um 6,5 Zählern auf 22,2 Punkte. Im Vorjahresvergleich steht dennoch ein Minus von gut acht Punkten zu Buche.

Ob es sich hierbei um eine Trendwende handelt, bleibt abzuwarten. Rückendeckung erhält der Indikator gegenwärtig durch die reale wirtschaftliche Entwicklung. Nach kürzlich veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das zweite Quartal 2018 hat die wirtschaftliche Dynamik in Deutschland zuletzt wieder etwas zugenommen. So stieg das BIP im zweiten Vierteljahr gegenüber der Vorperiode um 0,5 Prozent. Im ersten Quartal hatte es einen etwas schwächeren Anstieg von 0,4 Prozent gegeben. Im Vorjahresvergleich beträgt das Plus preisbereinigt 2,3 Prozent beziehungsweise 2,0 Prozent preis- und kalenderbereinigt (Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 299 vom 14.08.2018, www.destatis.de.

Trotz Handelskonflikt mit den USA sowie anziehender Energiepreise zeigen die deutschen Verbraucher wieder einen größeren Konjunkturoptimismus. Sie sehen die Wirtschaft auf einem soliden Wachstumskurs.

Einkommenserwartung mit Einbußen

Im Gegensatz zu den Konjunkturaussichten müssen die Einkommenserwartungen in diesem Monat Einbußen hinnehmen. Der Indikator verliert 4,9 Zähler und sinkt damit auf 52,6 Punkte. Ein niedrigerer Wert wurde zuletzt im November 2017 mit 47,9 Punkten gemessen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat beträgt das Minus 8,8 Punkte. Trotz des aktuellen Rückgangs ist das Niveau des Einkommensindikators nach wie vor ausgesprochen hoch.

Exakte Gründe für diesen Rückgang sind schwer herauszufiltern. Möglicherweise überlagern die zuletzt höheren Energiepreise, die die Inflation aktuell auf zwei Prozent steigen lassen, die exzellenten Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt und die soliden Einkommenssteigerungen. Angesichts des anhaltend niedrigen Zinsniveaus wird dem einen oder anderem offenbar bewusst, dass Ersparnisse durch die Inflation mehr und mehr an Wert verlieren.

Anschaffungsneigung weiterhin ohne große Schwankungen

Auch im August ist die Anschaffungsneigung auf einem überaus hohen Niveau und nahezu unverändert. Der Indikator verliert im August einen Punkt und weist nun 55,2 Zähler auf. Im Vorjahresvergleich wird nur ein Minus von knapp drei Punkten gemessen, was die Stabilität der Konsumneigung unterstreicht.

Der Indikator verdankt seinen exzellenten Verlauf in erster Linie der sehr guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Die Anzahl der Erwerbstätigen nimmt stetig zu. Folglich ist die Furcht vor Arbeitsplatzverlust unter den Beschäftigten nach wie vor gering. Dies sorgt für Planungssicherheit bei den Konsumenten, insbesondere wenn es sich um größere Ausgaben handelt.

Konsumklima mit geringen Verlusten

GfK prognostiziert für September 2018 einen geringen Rückgang des Konsumklimas gegenüber dem Vormonat um 0,1 Zähler auf 10,5 Punkte. Trotz des zweiten Rückgangs in Folge gehen die Verbraucher aber nach wie vor davon aus, dass die gute Konsumkonjunktur erhalten bleibt, wenn auch die Dynamik möglicherweise etwas nachlassen könnte. Deshalb erwartet GfK, dass der private Konsum in diesem Jahr real um etwa 1,5 Prozent steigen wird und bestätigt damit die zu Jahresanfang getroffene Prognose.

Die guten Aussichten für die Konsumkonjunktur werden allerdings nur dann erhalten bleiben, solange der Arbeitsmarkt stabil ist, wovon derzeit auszugehen ist und keine weiteren Gefahren von der Preisfront drohen. Ein weiterer Anstieg der Inflation würde dem Konsumklima sicherlich einen Dämpfer versetzen.

Zur Studie

Der Befragungszeitraum für die aktuelle Analyse war vom 27. Juli 2018 bis 10. August 2018. Die Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie „GfK-Konsumklima MAXX“ und basieren auf monatlich rund 2.000 Verbraucherinterviews, die im Auftrag der EU-Kommission durchgeführt werden. In diesem Report werden die Indikatoren grafisch aufbereitet, prognostiziert und ausführlich kommentiert. Darüber hinaus finden sich darin auch Informationen über die Ausgabevorhaben der Verbraucher für 20 Bereiche der Gebrauchsgüter-, Verbrauchsgüter- und Dienstleistungsmärkte. Die GfK-Konsumklimastudie wird seit 1980 durchgeführt.

Das Konsumklima bezieht sich explizit auf die gesamten privaten Konsumausgaben. Der Einzelhandel macht jedoch - je nach Abgrenzung - lediglich etwa 30 Prozent der privaten Konsumausgaben aus. Der Rest sind Dienstleistungen, Reisen, Miete, Gesundheitsdienstleistungen sowie der gesamte Wellness-Bereich.

GfK prognostizierte für das vergangene Jahr 2017 einen Anstieg des privaten Konsums von mindestens 1,5 Prozent. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stiegen die Konsumausgaben im Jahr 2017 real um etwa 1,9 Prozent. Auch hierbei geht es nicht um die Einzelhandelsumsätze, sondern um die gesamten Konsumausgaben der Verbraucher.

Die Anschaffungsneigung ist - wie alle anderen Indikatoren auch - ein Stimmungsindikator. Sie fragt, ob die Verbraucher es derzeit für ratsam halten, größere Anschaffungen zu tätigen. Selbst wenn sie dies mit „Ja“ beantworten, müssen noch zwei weitere Voraussetzungen für einen Kauf vorhanden sein: Der Verbraucher muss das nötige Geld für eine solche größere Anschaffung besitzen und auch eine Notwendigkeit für diese Anschaffung sehen. Zudem handelt es sich hier tatsächlich ausschließlich um langlebige Gebrauchsgüter, die auch ein größeres Budget erfordern.

Die Ergebnisse der Stimmungsbefragung stammen aus monatlich durchgeführten persönlichen Interviews bei etwa 2.000 Personen, die repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland sind. Dieses Befragungsinstrument unterliegt ständigen Qualitätskontrollen, vor allem auch im Hinblick auf seine Repräsentativität. Die ausgesprochen hohe Qualität dieser Erhebung zeigt sich auch daran, dass sie für Umfragen im Bereich der empirischen Rechtsforschung (z.B. Verwechslungsgefahr von Produkten) verwendet und anerkannt ist. Das heißt, die Ergebnisse haben Gutachterqualität und müssen jeweils vor Gericht standhalten.

Quelle: Gfk