KfW-Konjunkturkompass

Eurozone: Konjunktur verliert Schwung

KfW, Pressemitteilung vom 07.06.2018

  • Mäßiger Jahresauftakt nimmt Konjunktur in der Eurozone den Schwung
  • KfW Research revidiert Konjunkturprognosen für 2018 und für 2019 auf 2,2 % bzw. 1,9 % nach unten (Vorprognosen: 2,4 % bzw. 2,1 %)
  • Verlangsamung zum Teil Sonderfaktoren geschuldet, aber auch politische Störfeuer belasten und bergen Abwärtsrisiken

Die Wirtschaft in der Eurozone ist im 1. Quartal deutlich schwächer gewachsen, als es die Rekordstimmung in den Unternehmen zu Jahresbeginn hat erwarten lassen. Das Wachstumstempo hat sich nach dem kräftigen Aufschwung des vergangenen Jahres auf ein Quartalsplus von nur noch 0,4 % halbiert. Verantwortlich dafür zeichnet maßgeblich die Schwäche des Exportgeschäfts, das vor allem in Deutschland und Italien spürbar schrumpfte. Das schwache Auftaktquartal macht eine Abwärtsrevision der KfW-Konjunkturprognose unumgänglich. KfW Research korrigiert die Wachstumsprognosen für die Eurozone nach unten auf 2,2 % für das Jahr 2018 (Vorprognose: 2,4 %) sowie auf 1,9 % für das Jahr 2019 (2,1 %).

„Die Wirtschaft der Eurozone hat nach dem kräftigen Aufschwung 2017 einen mäßigen Start ins Jahr 2018 hingelegt. Die konjunkturelle Verlangsamung im 1. Quartal ist zwar durch eine ungünstige Kombination mehrerer Sonderfaktoren wie die ausgeprägte Grippewelle, Streiks oder die ungewöhnlich lange ungünstige Witterung überzeichnet, doch auch die Abwärtsrisiken nehmen zu. Gleichzeitig ebbt die Euphorie in den Unternehmen ab, die Stimmungsindikatoren sinken seit Jahresbeginn auf breiter Front. Allem voran belasten die gestiegenen politischen Unsicherheiten wie die Sorgen um die transatlantischen Handelsbeziehungen oder den zukünftigen Kurs der neuen italienischen Regierung", sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. „Die Konjunktur in der Eurozone hat ihren Höhepunkt überschritten."

Trotzdem bleibt das Konjunkturbild für die Eurozone im laufenden Jahr zunächst recht positiv, nicht zuletzt weil die fundamentale Datenlage unverändert gut ist: Die Stimmung in den Unternehmen ist trotz der Rückgänge noch immer überdurchschnittlich, die Arbeitslosigkeit sinkt weiter und hat zuletzt ein neues Nachkriegstief erreicht (8,5 %), die Beschäftigung nimmt zu. Bei günstigen Finanzierungsbedingungen und freundlichen Absatzerwartungen sollten die Unternehmen die Erneuerung und Erweiterung ihres Kapitalstocks angesichts voll ausgelasteter Kapazitäten weiter vorantreiben und investieren. Im nächsten Jahr werden weitere Belastungsfaktoren auf die Wachstumsrate durchwirken: Angebotsseitig bremsen die enger werdenden Kapazitäten, nachfrageseitig dürfte der Außenhandel weniger Schub bringen. Die bisher ergriffenen protektionistischen Maßnahmen und verschärfte Sanktionspolitik der US-Regierung sind in ihren direkten quantitativen Auswirkungen zwar gering. Gemeinsam mit dem Brexit sorgen sie aber für Unsicherheit unter den Exportunternehmen. Hinzu kommt, dass der Euro sich über den Prognosehorizont hinweg auf höherem Niveau bewegen wird als 2017. Im Zuge der geldpolitischen Normalisierung werden des Weiteren die Finanzierungsbedingungen langsam straffer. Insgesamt wird das Wachstum der Eurozone daher auf 1,9 % zurückgehen.

Quelle: KfW