Studie

Finanzkrisen drosseln Innovationsaktivitäten von Unternehmen

ZEW, Pressemitteilung vom 06.12.2017

Was Firmenkunden von Banken für Innovationen ausgeben, hängt maßgeblich von den Finanzierungsmöglichkeiten ab, die die Kreditinstitute ihren Firmenkunden bieten können. Geraten Banken aufgrund makroökonomischer Schocks in Schieflage, hat das allerdings Konsequenzen für die Innovationsaktivitäten ihrer Firmenkunden: Bei Spannungen an den internationalen Finanzmärkten werden Unternehmen höchstwahrscheinlich ihre Innovationsaktivitäten zurückfahren, wenn „ihre" Banken besonders stark von Verwerfungen am Interbankenmarkt betroffen sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim.

Die Untersuchung zeigt, dass es Zusammenhänge zwischen dem angeschlagenen Bankensystem und unternehmerischen Innovationsaktivitäten während der weltweiten Finanzkrise in den Jahren 2007/2008 gegeben hat. Mit dem Kollaps der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers 2008 verschlechterten sich die Bedingungen am Interbankenmarkt dramatisch. Das Handelsvolumen zwischen den Kreditinstituten brach ein, wodurch wiederum die Bankkreditvergabe an Unternehmen in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Studie stellt nun anhand einer Querschnittsanalyse dar, dass die Firmenkunden derjenigen Banken, die auf dem Interbankenmarkt äußerst aktiv waren, ihre Innovationsaktivitäten während der Finanzkrise deutlicher verringert haben als andere Unternehmen.

Die Analyse fußt auf Daten des Mannheimer Innovationspanels (MIP), der seit 1993 jährlich durchgeführten Innovationserhebung des ZEW, das Informationen zu mehr als 20.000 Unternehmen umfasst, einschließlich der Haus- beziehungsweise Hauptbank jedes einzelnen Unternehmens. Für die Studie wurden die MIP-Daten mit Informationen zu den Refinanzierungsstrukturen sowie zum Firmenkundengeschäft der jeweiligen Kreditinstitute zusammengeführt, verglichen und ausgewertet.

Die Finanzierung für Banken muss auch in Stresssituationen sicher sein

„Die Gesamtaufwendungen von Unternehmen für Innovationen sinken tendenziell während einer Finanzkrise, je stärker die Bank eines Unternehmens mit dem Interbankenmarkt verflochten ist", sagt Prof. Dr. Kornelius Kraft, ZEW-Forschungsprofessor, Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftspolitik an der Technischen Universität Dortmund und zusammen mit Marek Giebel Autor der Studie. „Auf Unternehmensseite sind davon stärker die Investitionen in geplante Innovationen betroffen als die laufenden Kosten für Innovationsaktivitäten", so Kraft. Die Querschnittsanalyse zeigt zudem, dass die Ausgaben von weniger hochtechnisierten Unternehmensbereichen, wie etwa im Marketing, entsprechend weniger von dem Phänomen betroffen sind.

„Unsere empirischen Resultate zeigen, dass externe finanzielle Restriktionen von Unternehmen vor allem in Krisenzeiten Folgen für Innovationen haben und sich hierüber auch negative Implikationen für das gesamte Wirtschaftswachstum ergeben", fasst Kornelius Kraft zusammen. Zwei zentrale Handlungsempfehlungen für die Politik lassen sich daraus ableiten: „Erstens müssten die Finanzierungsmöglichkeiten für Banken in Stresssituationen sichergestellt werden, gerade um die Kreditversorgung im Firmenkundengeschäft trotz Krisenfall aufrechterhalten zu können. Zweitens sollte die Politik Programme auflegen, die Innovationsaktivitäten für Unternehmen auch in Krisenzeiten attraktiv machen, wenn die angestammten Geldquellen versiegen", sagt Kraft.

Quelle: ZEW