Frühwarninstrument zeigt „grün“

IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr leicht gesunken

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 15.08.2017

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich in den letzten Wochen noch einmal leicht verbessert. Das Risiko, dass Deutschland in nächster Zeit in eine Rezession gerät, hat erneut etwas abgenommen. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Für den Zeitraum von August bis Oktober weist das Frühwarninstrument, das die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, eine mittlere Rezessionswahrscheinlichkeit von 12,7 Prozent aus. Im Juli hatte sie bei 14,1 Prozent gelegen. Bei Werten unter 30 Prozent besteht keine Rezessionsgefahr, der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator zeigt also „grün“.

Die verringerte Krisenwahrscheinlichkeit erklärt das IMK unter anderem damit, dass die Auftragslage für das Verarbeitende Gewerbe günstig ist. Insbesondere der Anstieg der Orders aus dem Inland um zuletzt gut 5 Prozent hat sich positiv auf die Indikator-Prognose ausgewirkt. Hinzu kommt, dass sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Juli den sechsten Monat in Folge verbessert hat. Die Rückgänge bei Produktion und Exporten, die das Statistische Bundesamt für Juni gemeldet hat, sind in den Indikator-Wert bereits eingeflossen. „Beide Entwicklungen haben die aktuell positive Tendenz des Indikators nur geringfügig beeinträchtigt“, sagt IMK-Konjunkturexperte Peter Hohlfeld. Das mathematische Modell bestätige damit das intuitive Urteil vieler Analysten: „Nachdem sich Produktion und Exporte über mehrere Monate sehr stark entwickelt hatten, ist solch ein einmaliger Rückgang noch kein Indiz für eine ernsthafte Eintrübung. Schon gar nicht in einem Urlaubsmonat, wenn viele Unternehmen einen Gang herunterschalten“, erklärt der Ökonom.

Die aktuelle Entwicklung stütze die Erwartung, dass sich der Aufschwung weiter fortsetzt, so die Konjunkturexperten. Das IMK rechnet in seiner aktuellen Prognose mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent in diesem und 1,8 Prozent im kommenden Jahr.

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt dabei die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das Frühwarnsystem signalisiert eine Rezession, wenn die Industrieproduktion über fünf Monate um mindestens ein Prozent schrumpft.

Der IMK-Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung