IMK-Indikator: Aufschwung ungebremst

Keine Rezessionsgefahr, keine Anzeichen für konjunkturelle Überhitzung

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 19.02.2018

Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft verläuft weiter kräftig, ein kurzfristiger Einbruch ist praktisch ausgeschlossen. Das Risiko, dass Deutschland in den kommenden drei Monaten in eine Rezession gerät, liegt weiter nahe bei null. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Für den Zeitraum von Februar bis Ende April weist das Frühwarninstrument, das die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, eine mittlere Rezessionswahrscheinlichkeit von nur 1,3 Prozent aus. Schon im Januar hatte sie bei sehr geringen 1,4 Prozent gelegen.

Das extrem niedrige Rezessionsrisiko erklärt das IMK trotz der kurzfristigen Turbulenzen vor allem mit insgesamt positiven Signalen von den Finanzmärkten: So ist die Zinsdifferenz zwischen Unternehmens- und Staatsanleihen, der sog. Corporate Spread, weiterhin sehr gering. Der niedrige Unterschied macht deutlich, dass Unternehmen ein ausgesprochen günstiges Finanzierungsumfeld vorfinden und dass Finanzmarktakteure das Risiko von Kreditausfällen für sehr klein halten. Die Börsenkursverluste von Anfang Februar sind zwar noch nicht in den Indikatorwert eingeflossen. „Sie würden das Gesamtbild aber auch nicht spürbar eintrüben", erklärt IMK-Experte Peter Hohlfeld. „Der insgesamt sehr positive Trend ist viel stärker als solche kurzzeitigen Turbulenzen."

Der niedrige Wert des Konjunkturindikators stützt die Erwartung des IMK, dass der Konjunkturaufschwung anhält und in den kommenden Monaten mit einem hohen Wachstumstempo zu rechnen ist. Trotzdem sei keine konjunkturelle Überhitzung in Sicht. „Die Investitionen werden mittlerweile kräftig ausgeweitet, das sorgt für größere Produktionskapazitäten", sagt Hohlfeld. „Außerdem zeichnet sich auf dem Arbeitsmarkt noch kein nennenswerter Engpass ab und die Zunahme der Lohnstückkosten liegt unterhalb des EZB-Inflationsziels von knapp zwei Prozent."

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt dabei die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Brutto-Inlandsprodukt (BIP). Das Frühwarnsystem signalisiert eine Rezession, wenn die Industrieproduktion in einem Zeitraum von fünf Monaten um mindestens ein Prozent schrumpft.

Der IMK-Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung