Neue Werte des IMK-Konjunkturindikators

Rezessionsgefahr steigt auf 15 Prozent

Konjunkturampel bleibt aber noch im grünen Bereich

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 15.11.2018

Die Wachstumsaussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich in den vergangenen Wochen spürbar eingetrübt. Das signalisieren die neuesten Werte, die der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung liefert. Für den Zeitraum von November bis Ende Januar ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft in eine Rezession gerät, auf 15 Prozent gestiegen. Im Oktober hatte das IMK-Wachstumsradar, das die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, noch ein Rezessionsrisiko von lediglich sechs Prozent für die folgenden drei Monate ausgewiesen. Entsprechend ist die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland in einen Wirtschaftsboom eintritt, gesunken: Von knapp 35 Prozent im Oktober auf gut 24 Prozent im November. Das Verhältnis der beiden Werte macht aber auch deutlich, warum der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator trotz der Verschlechterung noch „grün-gelb" zeigt. Das steht für eine Phase mit fortgesetzt solidem Wachstum. Das IMK ist optimistisch, dass die Delle, die die Konjunktur durch den leichten BIP-Rückgang im 3. Quartal erhalten hat, zum Jahresende wieder ausgeglichen wird.

Der Anstieg der Rezessionswahrscheinlichkeit beruht nach Analyse des IMK hauptsächlich auf den schwächeren Daten von den Finanzmärkten, der Rückgang der Börsenkurse spielt eine zentrale Rolle. Auch der ifo-Geschäftsklimaindex, der zuletzt wieder leicht gesunken ist, trägt zur Eintrübung bei, während von den Auftragseingängen, die zuletzt keinen klaren Trend zeigten, keine nennenswerten Impulse kommen. Die weiterhin günstigen Finanzierungsbedingungen für Unternehmen führen dazu, dass der Anstieg der Rezessionswahrscheinlichkeit nicht höher ausgefallen ist.

Angesichts der aktuellen BIP-Daten und der Indikatorwerte hält das IMK an seiner Prognose fest, die von einem anhaltenden moderaten Aufschwung ausgeht. Die weiterhin gute Beschäftigungsentwicklung und spürbar steigende Löhne sind wichtige Faktoren dafür, so das Institut. „Die Turbulenzen in der Weltkonjunktur lassen den Konjunkturmotor stottern, die bislang solide Binnennachfrage sorgt dafür, dass er nicht absäuft", sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK.

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Neu ist, dass der Indikator nicht nur die Wahrscheinlichkeit wirtschaftlicher Turbulenzen ausweist, sondern auch die Wahrscheinlichkeit eines Wirtschaftsbooms.

Der IMK-Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung