IMK-Konjunkturprognose 1/2019

Rezessionswahrscheinlichkeit steigt leicht auf 25 Prozent

Konjunkturampel signalisiert aber weiterhin moderaten Aufschwung

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 15.01.2019

Der moderate Aufschwung der deutschen Wirtschaft hält dem wachsenden Gegenwind vorerst stand. Das signalisieren die neuesten Werte für das erste Quartal 2019, die der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung liefert. Für den Zeitraum von Januar bis Ende März ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft in eine Rezession gerät, zwar erneut gestiegen - auf jetzt 25 Prozent. Gegenüber dem Dezemberwert (23,4 Prozent) fiel die Zunahme des Rezessionsrisikos im IMK-Wachstumsradar aber nur leicht aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland im nächsten Quartal in einen Wirtschaftsboom eintritt, ging dementsprechend zurück auf nun noch knapp 9 Prozent. Im Dezember hatte der Indikator, der die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, noch eine Boomwahrscheinlichkeit von knapp 13 Prozent für die folgenden drei Monate ausgewiesen.

Trotz der Eintrübung zeigt der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator noch „grün-gelb". Das steht für eine Phase mit durchschnittlichem Wachstum. „Das konjunkturelle Klima hat sich markant verschlechtert. Wie stark, sieht man, wenn man den aktuellen Indikatorwert mit dem vom Januar 2018 vergleicht. Vor einem Jahr betrug das Rezessionsrisiko gerade einmal 1,4 Prozent", sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK. Trotzdem sind die Düsseldorfer Forscher auf Basis der aktuellen Daten optimistisch, dass es in diesem Jahr bei einem Aufschwung bleibt - „wir sehen zwar ein spürbar verlangsamtes konjunkturelles Tempo, aber keine Rezession", so Horn. „Die Konjunktur ist hart im Nehmen, solange die solide Binnennachfrage sie stützt." Die weiterhin gute Beschäftigungsentwicklung und spürbar steigende Löhne seien wichtige Faktoren für diese Stabilität.

Die Verschlechterung des Indikatorwerts beruht nach Analyse des IMK vor allem auf den schwächeren Daten von den Finanzmärkten. Die volatile Entwicklung der Börsenkurse schlägt sich in einem etwas höheren Wert beim „Finanzmarktstress" nieder, den der IMK-Indikator ebenfalls misst. Auch der ifo-Geschäftsklimaindex, der zuletzt erneut gesunken ist, trägt zur Eintrübung bei. Dagegen kommen von den zuletzt leicht ansteigenden Auftragseingängen aus dem Ausland positive Impulse. „Der Trend bei den Aufträgen hat einen stärkeren Anstieg der Rezessionswahrscheinlichkeit verhindert", erklärt IMK-Konjunkturexperte Peter Hohlfeld.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung