IMK-Indikator: Aufschwung geht weiter

Risiko einer Rezession erneut gesunken

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 21.06.2018

Das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten in konjunkturelle Turbulenzen gerät, ist erneut etwas zurückgegangen. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Für den Zeitraum von Juni bis Ende August weist das Frühwarninstrument, das die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, eine mittlere Rezessionswahrscheinlichkeit von 16,5 Prozent aus. Im Mai hatte das Rezessionsrisiko bei 27,3 Prozent gelegen. Der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator liegt damit sicher im „grünen Bereich" (Rezessionswahrscheinlichkeit unter 30 Prozent).

Nach einem kräftigen Anstieg der Rezessionswahrscheinlichkeit im April „hat sich die Situation nunmehr den zweiten Monat in Folge entspannt", erklärt IMK-Konjunkturexperte Peter Hohlfeld. „Damit hat sich die Befürchtung, dass die deutsche Konjunktur vor dem Hintergrund protektionistischer Tendenzen und geopolitischer Spannungen in einen raschen Abschwung geraten könnte bisher nicht bestätigt." In den kommenden Monaten sei zwar eine erneute leichte Eintrübung wahrscheinlich. Alles in allem geht das IMK aber weiter von einem anhaltenden Aufschwung aus, der im Kern von der Binnenwirtschaft getragen wird. „Die deutsche Wirtschaft ist stabil aufgestellt, weil gute Arbeitsmarktdaten und steigende Löhne die Binnennachfrage antreiben", sagt IMK-Direktor Prof. Dr. Gustav Horn. „Dadurch ist der Aufschwung weitaus unempfindlicher gegen weltwirtschaftliche Unsicherheiten als etwa im letzten Jahrzehnt."

Die aktuelle Entspannung beim Rezessionsrisiko erklärt das IMK vor allem mit dem weiterhin sehr günstigen Finanzierungsumfeld für deutsche Unternehmen, das sich im Indikator-Algorithmus positiv niederschlägt. Negative Signale bei den Auftragseingängen und vom ifo-Index gewichtet das Frühwarnsystem aktuell im Verhältnis weniger stark.

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt dabei die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Der IMK-Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung