Umfrage: Handelskonflikte schränken Geschäfte ein

Schwache Weltkonjunktur belastet deutsche Unternehmen

DIHK, Pressemitteilung vom 21.11.2019

Die deutschen Unternehmen im Ausland erwarten für das kommende Jahr keine Verbesserung der internationalen Konjunktur. Das geht aus den Antworten von rund 3.700 Mitgliedsunternehmen der deutschen Auslandshandelskammern, Delegationen und Repräsentanzen (AHKs) im neuen "AHK World Business Outlook" hervor.

"Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Geschäfte insbesondere aufgrund von Handelskonflikten noch schwieriger werden", berichtet Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). "Die Investitions- und Beschäftigungspläne der deutschen Unternehmen im Ausland werden demzufolge zusammengestrichen."

Nur 17 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarteten eine Verbesserung der Konjunktur vor Ort, mehr als jedes dritte Unternehmen rechne dagegen mit einer Verschlechterung der Konjunktur, so der DIHK-Außenwirtschaftschef.

Konjunkturerwartungen auf Allzeittief

Und: "Der Konjunktursaldo aus Besser- und Schlechter-Bewertungen ist mit minus 19 Punkten regelrecht eingebrochen." In der Vorgängerumfrage von Frühsommer 2019 hatte er noch bei minus 3 Punkten gelegen. Der aktuelle Saldo sei der "mit Abstand schlechteste Wert seit Beginn der Umfrage 2015", betont Treier.

Auf Basis dieser Einschätzungen gehe der DIHK davon aus, dass das ohnehin schwache weltwirtschaftliche Wachstum von rund 3 Prozent in diesem Jahr auch 2020 nicht höher ausfallen werde (DIHK-Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts weltweit 2020: 3,0 Prozent; langjähriger Schnitt: 3,6 Prozent).

Protektionismus und Handelskonflikte "wie Mehltau"

Der Grund für die gedrosselte Weltkonjunktur sei "in erster Linie ein gelähmter Welthandel". Zölle, die Diskriminierung ausländischer Wettbewerber, Wirtschaftssanktionen sowie der nahende Brexit bremsten den Warenaustausch, verursachten hohe Kosten für Unternehmen und einen enormen bürokratischen Aufwand.

Zuletzt hätten sich zu einem immer schwieriger werdenden Handel die Streitigkeiten zwischen den USA und China oder auch die jüngsten Zollerhöhungen der USA gegenüber der EU gesellt. Treier: "All dies schürt bei den Unternehmen die Verunsicherung über die Zukunft in globalen Lieferketten - mit der Folge, dass sie Investitionen zurückhalten."

Dem World Business Outlook zufolge betrachtet die Hälfte der befragten Unternehmen die Wirtschaftspolitik in den jeweiligen Ländern als Hindernis für die eigenen Geschäfte. Zu den weiteren Risiken zählen der Umfrage zufolge neue Handelsbarrieren - neben Zöllen etwa auch zusätzliche Zertifizierungen oder die Bevorzugung einheimischer Betriebe.

"Das alles liegt wie Mehltau auf dem Welthandel", resümiert der DIHK-Außenwirtschaftschef. Erstmals seit der Finanzmarktkrise stagniere der internationale Handel von Gütern und Dienstleistungen nahezu. (DIHK-Prognose Wachstum Welthandel 2020: 1,0 Prozent; langjähriges Wachstum: 5,6 Prozent).

Eine Besserung ist nach seiner Einschätzung nicht in Sicht: "Die Umfrage zeigt, dass das Geschäft der international agierenden deutschen Unternehmen von diesen Entwicklungen nicht unberührt bleibt. Die Geschäftserwartungen gehen deutlich zurück, auch Investitionen und Beschäftigung der deutschen Unternehmen vor Ort werden eingeschränkt."

Für die deutschen Exporte 2020 bedeutet das erstmals seit der Finanzmarktkrise 2009 einen leichten Rückgang (DIHK-Prognose Exportwachstum 2020: minus 0,5 Prozent).

Alle Weltregionen betroffen

Eine Abkühlung der Wirtschaft zeigt sich laut Treier in allen Weltregionen: "In China, in den USA und in vielen Industrieländern berichten die Unternehmen von einer langsamen Gangart." Von der Konjunkturschwäche seien aber auch Schwellenländer in Asien erfasst. In Südamerika führten die weltweite wirtschaftliche Abkühlung und nicht zuletzt auch politische Entwicklungen in vielen Ländern zu einem jähen Ende des kurzen konjunkturellen Auftriebs.

Fazit: "Keine Region zeichnet sich derzeit als zukünftiger Wachstumstreiber ab." Die Konjunkturerwartungen gingen auf allen Kontinenten zurück. Das sorge weltweit für Zurückhaltung bei Investitionen und einer geringeren Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen - auch aus Deutschland.

Faire und verlässliche Regeln

Volker Treier sieht "den Wirtschaftsstandort und viele Arbeitsplätze hierzulande direkt betroffen". Die deutschen Betriebe seien auf faire und verlässliche Regeln im internationalen Handel sowie auf funktionierende Lieferketten angewiesen. "In dieser Zeit muss Europa geeint nach vorne gehen und die Vorteile eines regelbasierten Welthandels deutlich machen", mahnt der DIHK-Außenwirtschaftschef.

"Aus Sicht der deutschen Wirtschaft muss die neue EU-Kommission moderne und umfassende EU-Handelsabkommen mit möglichst vielen Partnern in der Welt ganz oben auf die politische Agenda setzen", so Treier weiter. "Die EU muss sich in den kommenden Jahren bei Handelsstreitigkeiten mehr denn je als geschlossener Block gegenüber anderen Wirtschaftsmächten wie den USA und China behaupten und dabei selbst weltweite faire Standards für offene Märkte und regelbasierten Handel setzen."

Quelle: DIHK