HWWI-Rohstoffpreisindex sinkt deutlich im Februar 2020

Starker Preisverfall auf den Rohstoffmärkten

HWWI, Pressemitteilung vom 17.03.2020

  • HWWI-Gesamtindex fiel um 12,2 % (US-Dollarbasis)
  • Rohölpreise um 13,5 % gesunken
  • Preisrückgang auf den Märkten für Industrierohstoffe um 5,8 %

Im Februar 2020 sank der HWWI-Rohstoffpreisindex um durchschnittlich 12,2 % (Eurobasis: -10,6 %) im Vergleich zum Vormonat und notierte bei 98,4 Punkten (Eurobasis: 100,1 Punkten). Aufgrund der raschen Verbreitung des Coronavirus fielen im letzten Monat alle im HWWI-Rohstoffindex enthaltenen Indices. Der Teilindex für Energierohstoffe fiel im Februar durchschnittlich um 13,4 % (Eurobasis: -11,8 %) auf 96,9 Punkte (Eurobasis: 98,6 Punkte) und der Index für Industrierohstoffe sank um 5,8 % (Eurobasis: -4,1 %) auf 117,5 Punkte (Eurobasis: 119,6 Punkte). Der Index für Nahrungs- und Genussmittel fiel vergleichsweise weniger stark um 3,1 % (Eurobasis: -1,4 %) auf 93,1 Punkte (Eurobasis: 94,7 Punkte). Der Index ohne Energie reduzierte sich um 4,9 % (Eurobasis: -3,2 %) auf 107,5 Punkte (Eurobasis: 109,4 Punkte).

Index für Energierohstoffe: -13,4 % (Eurobasis: -11,8 %)

Der fallende Verlauf der Ölpreise verstärkte sich im Februar, da sich das Coronavirus insbesondere in China aber auch weltweit zunehmend ausbreitete. Die Ausbreitung des Virus führte zu einer deutlichen Reduktion der Nachfrage nach Rohöl, da das Virus vor allem in China die ökonomische Aktivität im Februar deutlich eindämmte. Die von der chinesischen Regierung verhängten Quarantänemaßnahmen führten zu leeren Straßen, reduzierten deutlich den Flugverkehr und legten die Industrie lahm, was wiederum zu einem Einbruch der Ölnachfrage und zu sinkenden Ölpreisen führte. Um dem Preisverfall auf den Ölmärkten entgegenzuwirken, sprach sich Anfang Februar das Joint Technical Committee der OPEC dafür aus, die aktuell bestehenden Fördermengenkürzungen bis Ende 2020 aufrechtzuerhalten und empfahl darüber hinaus, die Fördermenge weiterhin zu drosseln. Allerdings weigerte sich Russland den zusätzlichen Kürzungen zuzustimmen, sodass es bislang zu keiner Einigung zwischen den OPEC+ Staaten kam. Die ergebnislosen Verhandlungen zwischen der OPEC und Russland drückten ebenfalls auf die Rohölpreise. Die Preise erreichten am 29. Februar das Monatstief von 50,1 US-$ pro Barrel Brent und 45,26 US-$ pro Barrel WTI. Weitere Verhandlungen im März werden zeigen, ob sich die OPEC+ Staaten auf weitere Kürzungen der Fördermenge einigen können.

Auch die europäischen und die amerikanischen Erdgaspreise fielen deutlich im Februar verglichen mit dem Vormonat. Insbesondere verzeichnete der europäische Erdgaspreis einen starken Rückgang, was vor allem durch die für den Februar unüblich warmen Temperaturen in Europa begründet war. Die milden Temperaturen führten zu einem geringen Verbrauch an Erdgas. Aber auch in den USA wies der Februar relativ warme Temperaturen auf, was den Gasverbrauch reduzierte und ebenfalls die Preise für amerikanisches Erdgas drückte.

Insgesamt sank der Teilindex der Energierohstoffe um 13,4 % (Eurobasis: -11,8 %) auf 96,9 Punkte (Eurobasis: 98,6 Punkte).

Index für Industrierohstoffe: -5,8 % (Eurobasis: -4,1 %)

Der Teilindex für Industrierohstoffe ist in den Index für Agrarische Rohstoffe, den Index für NE-Metalle sowie den Index für Eisenerz und Stahlschrott untergliedert. Alle drei Subindices verliefen ebenfalls rückläufig und reagierten auf die rasche Ausbreitung des Coronavirus. Das Coronavirus bremste insbesondere das chinesische Wachstum und verringert somit deutlich die Nachfrage nach Industrierohstoffen. Da China weltweit sowohl größter Produzent als auch größter Konsument von Industriemetallen ist, wirkte sich die gebremste chinesische Industrie auf die Preise auf den Metallmärkten aus. Die Preise für Stahlschrott und Eisenerz sanken aufgrund der rückläufigen chinesischen Stahlproduktion. Aber auch die Preise für Kupfer, Nickel und Zink fielen im Februar deutlich und spiegelten die gebremste wirtschaftliche Aktivität insbesondere in China wider.

Der Index für Agrarische Industrierohstoffe fiel im Februar nur leicht, da die Preise für Schnittholz im Gegensatz zu den übrigen Rohstoffpreisen im Februar angestiegen sind. Die Preise für Kautschuk, Baumwolle und australischer Wolle fielen allerdings aufgrund der verringerten Nachfrage insbesondere aus China. Als Grund für den Preisverfall ist auch hier die weltweite Ausbreitung des Coronavirus zu sehen.

Insgesamt fiel der Index für Industrierohstoffe im Monatsdurchschnitt um 5,8 % (Eurobasis: -4,1 %) auf 117,5 Punkte (Eurobasis: 119,6 Punkte).

Index für Nahrungs- und Genussmittel: -3,1 % (Eurobasis: -1,4 %)

Trotz Ausbreitung des Coronavirus fiel der Index für Nahrungs- und Genussmittel im Vergleich zu den Entwicklungen der übrigen Teilindices nur relativ gering um 3,1 % (Eurobasis: -1,4 %). Die Indexwerte für Öle und Ölsaaten und auch für Getreide sanken aufgrund des erwarteten Nachfragerückgangs aus China. Allerdings blieben die Preise für Genussmittel im Februar nahezu unverändert. Während die Preise für Kaffee und Tee ebenfalls im Februar sanken, stellten die Märkte für Zucker und Kakao eine Ausnahme dar und wiesen steigende Preise auf. Der Preisanstieg auf dem Zuckermarkt ist auf Verknappungen des Angebots zurückzuführen. In den großen Produzentenländern Indien und Thailand zerstörten ungünstige Wetterverhältnisse große Teile der Zuckerrohrernte. Zusätzlich dazu nutzt Brasilien vermehrt Zuckerrohr für die Herstellung von Ethanol als Treibstoff, sodass geringere Mengen des Rohstoffes in die Lebensmittelproduktion eingehen. Als Grund für den Preisanstieg auf dem Kakaomarkt ist der Zusammenschluss von Ghana und der Elfenbeinküste zu einem Kakaokartell zu nennen. Das Kartell möchte ab Oktober 2020 einen Preisaufschlag von 400 Dollar je Tonne bei den Abnehmern durchsetzen. Der Preisaufschlag soll den Kakaobauern zukünftig einen Preis in Höhe des Fair-Trade-Abnehmerpreis garantieren. Die Initiative von Ghana und der Elfenbeinküste führte schon im Vorhinein zu Preissteigerungen. Zukünftig wird sich zeigen, ob die erhöhten Preise langfristig bestehen bleiben können, oder ob die Produktion in anderen Ländern ausgeweitet wird, was wiederum zu sinkenden Preisen führen würde.

Insgesamt nahm der Index für Nahrungs- und Genussmittel im Monatsdurchschnitt um -3,1 % (Eurobasis: -1,4 %) ab und notierte bei 93,1 Punkten (Eurobasis: 94,7 Punkten).

Quelle: HWWI