NIFIS-Studie

Bei Cloud-Streit werden deutsche Gerichte bevorzugt

Die deutsche Gerichtsbarkeit genießt ein hohes Ansehen. Denn so global wie international Internet und Cloud Computing auch sind – bei Streitfragen bevorzugen deutsche Unternehmen den vertrauten Rechtsweg vor deutschen Gerichten.

Dies geht aus der aktuellen Studie „IT-Sicherheit und Datenschutz 2016“ hervor, den die Nationale Initiative für Informations- und Internet-Sicherheit e.V. (NIFIS) vorgelegt hat. Demnach legen zwei Drittel der in Deutschland ansässigen Firmen bei Cloud-Vereinbarungen höchsten Wert darauf, dass im Streitfall die deutsche Rechtsprechung zum Tragen kommt. Lediglich 12 Prozent halten es nicht für wichtig, bei Cloud-Streitigkeiten den vertrauten Rechtsweg zu den deutschen Gerichten beschreiten zu können.

Beinahe drei Viertel der hiesigen Unternehmen legen vor der Auslagerung in die Cloud Wert auf einen persönlichen und ausführlichen Dialog mit dem jeweiligen Cloud-Anbieter zu allen Fragestellungen rund um Sicherheit, Datenschutz und Compliance. „Klassische Werte wie das persönliche Gespräch und die traditionelle deutsche Gerichtsbarkeit genießen gerade in einer vermeintlich immer unsicheren Welt höchstes Ansehen“, erklärt Dr. Thomas Lapp, Rechtsanwalt und Vorsitzender der NIFIS.

Jacke vor Hose

Unabhängig davon meint das Gros der deutschen Wirtschaft (95 Prozent) nach wie vor, dass eine wirklich sichere Verwahrung der Daten nur auf firmeneigenen Servern möglich ist, also ohne Auslagerung in die Cloud. Wenn schon Daten in die Cloud geschoben werden, dann aus Sicherheitsgründen auf jeden Fall in ein Europa ansässiges Datenzentrum, sagen laut NIFIS-Report 78 Prozent der Unternehmen.

Die US-Anbieter und alle weiteren, die sich dem Zugriff der britischen und US-Geheimdienste nicht entziehen können, hätten bisher zu wenig entschlossen gehandelt und würden in absehbarer Zeit auch keine zufriedenstellende Datenschutz-Lösung finden, glauben mehr über 90 Prozent der Umfrageteilnehmer.

Schlechte Karten bei der Datenschutz-Compliance haben nach Einschätzung der von NIFIS befragten Firmen vor allem große multinationale Unternehmen. Da in vielen Ländern unterschiedliche gesetzliche Regelungen gelten und sich die Erwartungen im Hinblick auf Datenschutz stark unterscheiden, könnten die Multis ihre Datenberge gar nicht konform mit allen Rechtsnormen halten, meinen 89 Prozent der Firmen.

Knapp die Hälfte der Unternehmen wünscht sich eine breite Aufklärungskampagne in der Öffentlichkeit über die Gefahren. Die Anwender müssten mehr Bewusstsein für Gefahren entwickeln, notfalls auch mit Hilfe staatlicher Gewalt, meinen 74 Prozent der Befragten: Deutsche Firmen sollten stärker kontrolliert werden, ob sie ihre sensiblen und vertraulichen Daten ausreichend gut schützen, und bei Verstößen mit Sanktionen rechnen müssen.

Dabei sind die Firmen durchaus selbstkritisch. Auf die Frage, welche Bedeutung sie dem „Azubieffekt“ beimessen, d.h. wenn Auszubildende in verschiedenen Abteilungen Zugriff auf zahlreiche sensible Firmendaten erhalten, Berechtigungen aber dann versehentlich nicht mehr entzogen werden, was zu Datenmissbrauch und entsprechenden wirtschaftlichen Schäden führen kann, antwortete eine deutliche Mehrheit, dass dies in den letzten Jahren zugenommen und sich zu einem gravierenden Problem entwickelt hat. 50 Prozent glauben sogar, dass der deutschen Wirtschaft dadurch mittlerweile jedes Jahr Schäden in Millionenhöhe entstehen.

Positive Effekte

Trotz der Sicherheitsbedenken sehen die befragten Unternehmen die Nutzung von Cloud-Services durchaus positiv und versprechen sich daraus viele Vorteile. So erwarten sie, dass durch Dienste, die in der Cloud einfach nur angemietet werden, erhebliche Investitionen eingespart werden können (90 Prozent). Durch die hohe Skalierbarkeit der Dienste, d.h. dass Ressourcen je nach Nutzungsgrad bedarfsweise angemietet werden können, um zum Beispiel Nutzungsspitzen auszugleichen, könnten Firmen schnell auf Wachstum reagieren, meinen 84 Prozent. Und 79 Prozent werten es besonders positiv, dass Kapital nicht mehr längerfristige gebunden werden muss, da die benötigten Dienste und Hardware angemietet werden, wofür klar kalkulierbare Kosten monatlich fällig werden.

Autor: Elke Witmer-Goßner

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