Vectoring löst Bandbreitenproblem nicht

BREKO droht BNetzA mit Klage

Mit Kritik und Klagedrohungen reagieren die Branchenverbände BUGLAS und BREKO auf einen Vorschlag der Bundesnetzagentur. Deren Präsident glaubt derweil, faire Regeln für den Einsatz von Vectoring im Nahbereich gefunden zu haben.

Scharfe Kritik hat sich die Bundesnetzagentur (BNetzA) mit ihrem jetzt notifizierten Vorschlag für die Regulierung der „letzten Meile“ und Vectoring eingehandelt. Dabei gehe der ursprünglich im November 2015 veröffentlichte Entwurf laut Regulierungsbehörde nun ausführlich auf Forderungen und Argumente ein und greife konstruktive Vorschläge auf.

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, meint: „Verbrauchern wird auch künftig eine breite Auswahl zwischen verschiedenen Anbietern, Produkten, Preisen und Qualitäten garantiert […] Zu dem Gesamtpaket gehört auch eine Entscheidung über ein hochwertiges alternatives Vorleistungsprodukt, auf das Unternehmen einen Anspruch haben, wenn sie vom Hauptverteiler verdrängt werden. Ich rate, unseren Entwurf in Gänze zu betrachten und die kontroverse und interessengeleitete Diskussion der letzten Monate über das Thema Vectoring jetzt wieder zu versachlichen.“

Kritik und Klagedrohung

Dieser Darstellung will der Bundesverband Glasfaseranschluss (BUGLAS) nicht folgen. Dessen Präsident Wolfgang Heer meint: „Es ist nach einer ersten groben Bewertung des Entwurfs nicht erkennbar, dass die zum ersten Entwurf der Regulierungsverfügung eingebrachten Vorschläge tatsächlich umfänglich aufgegriffen worden wären und die Wettbewerber der Deutschen Telekom nun mehr Nahbereiche selbst mit Vectoring erschließen können als vorher“. Gegenwind gibt es auch vom Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO). Sollte die Entscheidung der BNetzA unverändert in Kraft treten, müssten die BREKO-Mitgliedsunternehmen den Klageweg beschreiten.

Laut BNetzA helfe ein Vectoring-Ausbau der Nahbereiche, den Breitbandausbau zu fördern. Dagegen befürchtet der BUGLAS eine „erhebliche Beeinträchtigung des für den Breitbandausbau in Deutschland unverzichtbaren Infrastrukturwettbewerbs.“ Der BREKO erkennt gar „ein weitgehendes Monopol zum Einsatz von VDSL2-Vectoring in den Nahbereichen rund um die bundesweit gut 7.900 Hauptverteiler“.

„Annex Q“ keine flächendeckende Lösung

Gemäß BNetzA berücksichtige das 318-seitige Dokument die Ausbau- und Investitionszusage, mit der sich die Deutsche Telekom (Telekom) einseitig verpflichten will, bundesweit alle Nahbereiche bis Ende 2018 mit Vectoring zu erschließen. Das fördere den beschleunigten Ausbau von Breitbandanschlüssen mit mindestens 50 Mbit/s. Allerdings glaubt die BNetzA auch: Eine flächendeckende Erschließung mit 50 Mbit/s ist mit dem VDSL-Verfahren „Annex Q“ nicht machbar.

BREKO-Präsident Norbert Westfal kommentiert: „Der von der Telekom beabsichtigte Ausbau basiert im Wesentlichen auf abgeschriebenen Kupferleitungen [...] Diese werden damit weitergenutzt, während der Ausbau mit zukunftssicheren und hochleistungsfähigen Glasfaseranschlüssen bis ins Gebäude (FTTB) oder bis direkt in die Wohnung (FTTH) völlig unberücksichtigt bleibt.“

Sorge um FTTx-Refinanzierung

Als volkwirtschaftlich sinnlos kritisiert gar der BUGLAS den bundesweiten Vectoring-Ausbau, denn: Die Telekom müsste auch dort VDSL bereitstellen, wo Wettbewerber bereits ein hochleistungsfähiges Glasfasernetz (FttB/H) verlegt haben. Damit verschlechterten sich dann auch die „Refinanzierungsmöglichkeiten für den bereits erfolgten FttB/H-Ausbau“.

Ähnliches gelte für Gebiete, die von der Telekom vollständig mit Glasfaseranschlüssen bis ins Haus versorgt würden. Hier wäre ein VDSL-Ausbau durch die Konkurrenz möglich, aber in der Realität gar keine Option. BUGLAS-Präsident Heer fragt: „Welcher Wettbewerber würde eine bessere Anschlusstechnologie mit einer weniger leistungsfähigen überbauen?“

Laut BREKO haben sich für Telekom-Wettbewerber zudem die Hürden für den physischen Zugang zur letzten Meile erhöht. BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers erklärt: „Der von der Bundesnetzagentur im November vorgelegte Konsultationsentwurf sah vor, dass Wettbewerber, die in einem Nahbereich mehr Kabelverzweiger erschlossen haben als die Deutsche Telekom (relative Mehrheit), dort selbst eine Erschließung mit Vectoring vornehmen und so den Exklusivitätsanspruch hätten abwehren können [...] Nun hat die Regulierungsbehörde dieses Kriterium jedoch erheblich verschärft, indem ein alternativer Netzbetreiber in jedem Fall mindestens 50 Prozent aller ‚grauen Kästen‘ am Straßenrand – und insgesamt mehr Kabelverzweiger als die Deutsche Telekom – erschlossen haben muss.“

So geht es weiter

Laut BNetzA können Europäische Kommission, die Regulierungsbehörden der übrigen Mitgliedsstaaten und das Gremium Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (GEREK) bis zum 9. Mai Stellungnahmen zum überarbeiteten Entscheidungsentwurf abgeben. Sollte die Europäische Kommission keine ernsthaften Bedenken äußern, könne die Entscheidung anschließend endgültig in Kraft treten.

Das will der BUGLAS offenbar verhindern und hat nach eigener Darstellung bereits in Brüssel bei der zuständigen Generaldirektion Connect seine Bewertung der Auswirkungen des vorgesehenen Regulierungsregimes für das Nahbereichs-Vectoring erneut vorgetragen.

Der BREKO kündigt derweil – wie erwähnt – Klagen seiner Mitgliedsunternehmen an. Am Ausbau „zukunftssicherer Glasfaseranschlüsse“ werde man zudem festhalten.

Den kompletten „Notifizierungsentwurf einer Regulierungsverfügung betreffend den Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung der Telekom Deutschland GmbH“ hat die BNetzA mittlerweile online gestellt.

Autor: Dirk Srocke

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