Neue Chip-Fabs

China investiert mehr als Europa und Japan zusammen

Von 1,5 Mrd. auf 11,0 Mrd. Dollar: Chinas Halbleiterfirmen werden in diesem Jahr deutlich mehr in Chip-Fabriken investieren als noch vor vier Jahren.

Mit diesem massiven Investitionsschub folgt das Reiche der Mitte seinem ehrgeizigen Plan, bereits in wenigen Jahren eine führende Rolle bei Hochtechnologien einzunehmen und für die Produktion beispielsweise von Halbleitern nicht mehr auf andere Länder angewiesen zu sein. Auch im Bereich Künstliche Intelligenz investiert China massiv und will bis zum Jahr 2030 auf diesem Gebiet weltweit führend sein.

Nach den neusten Zahlen von Marktanalyst IC Insight werden die chinesischen Unternehmen in diesem Jahr insgesamt rund 11 Mrd. Dollar in ihre Produktionskapazitäten für Halbleiter-ICs stecken. Und damit mehr Geld in diesen Bereich investieren als Europa und Japan zusammengenommen. Zum Vergleich: Noch 2014 erreichten chinesische Firmen zusammen ein Volumen von lediglich 1,5 Mrd. Dollar. Ende 2018 wird der Betrag hingegen über 10 Prozent der weltweit getätigten Investitionen für den Aufbau neuer Fertigungslinien betragen. Diese erreichen voraussichtlich 103,5 Mrd. Dollar.

Drastischer Einbruch der Investitionen durch Fab-Lite-Modell

Seit europäische IC-Hersteller ihre Produkte bei Auftragsherstellern fertigen lassen – Stichwort „Fab-Lite“-Modell – steuern sie nur noch wenig zu den Investitionen in IC-Fertigungsanlagen bei. 2018 voraussichtlich nur 4 Prozent. Noch 2005 lag der Wert doppelt so hoch. Trotz gelegentlicher Mehrausgaben europäischer Firmen in diesem Bereich geht IC Insight davon aus, dass der Anteil von in Europa ansässigen Firmen an den Investitionen mittelfristig weiter sinken wird – auf nur noch 3 Prozent.

Auch bedeutende japanische Unternehmen wie Renesas oder Sony haben auf das Fab-Lite-Modell umgestellt. Hoher Wettbewerbsdruck, der Verlust ihrer vertikal integrierten Geschäftsbereiche und damit der Verzicht auf das Beliefern von Geräten für mehrere hochvolumige Endanwendungen sowie eben das Umstellen auf Fab-Lite-Modelle haben dazu geführt, dass die japanischen Unternehmen ihre Investitionen in neue Wafer-Fabriken stark reduziert haben.

2018 wird der Anteil der japanischen Unternehmen voraussichtlich nur 6 Prozent der gesamten Investitionen der Halbleiterindustrie ausmachen. Zum Vergleich: 1990 lag der Anteil noch bei 51 Prozent, 2005 immerhin noch bei 22 Prozent.

Zu den fünf größten Investoren aus dem Reich der Mitte zählen laut IC Insight die Foundry SMIC sowie die Zulieferer XMC/YMTC, Innotron, JHICC und die Foundry Shanghai Huali. Sie alle wollen neue Fabriken hochfahren. Die Auguren erwarten daher, dass jedes dieser Unternehmen in den Jahren 2018 und 2019 hohe Summen für die Ausrüstung und den Ausbau seiner neuen Fabriken ausgeben wird. Das würde dazu führen, dass der Anteil der in China ansässigen Unternehmen an den Gesamtinvestitionen in der Halbleiterindustrie in den nächsten Jahren bei über 60 Prozent liegen wird.

Autor: Michael Eckstein

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