Sperrung von Webseiten und Datenverkehr

Cybersecurity-Gesetz in China trifft europäische Unternehmen

Am 1. Juni 2017 tritt ein von der chinesischen Regierung erlassenes, neues Gesetz zur Cybersecurity in Kraft. Bei vielen deutschen und europäischen Unternehmen herrscht Unsicherheit, inwiefern sie von der Gesetzesänderung betroffen sind – denn bei Verstoß droht eine komplette Sperrung von Webseite und Datenverkehr.

Ein Problem, dass zu der Verwirrung bei deutschen Unternehmen beiträgt, ist der Umstand, dass die betreffenden Gesetzestexte weder auf Deutsch noch auf Englisch verfügbar sind; eine korrekte Auslegung für ausländische Unternehmen wird somit enorm erschwert. Das trägt zur Verunsicherung bei. CDNetworks, spezialisiert auf Content Delivery und Cloud-Security-Lösungen und ein Experte für den chinesischen Markt, hat die am häufigst gestellten Fragen von Unternehmen zusammengestellt, die momentan auf sie zukommen.

„Bei uns laufen zurzeit die Telefone heiß – die Unsicherheit auf der Seite der Unternehmen ist groß“, erklärt Alex Nam, Managing Director CDNetworks EMEA. „Vielen Unternehmen, die mit Cloud- oder Infrastrukturpartnern arbeiten, wissen nicht, ob und welche Auswirkungen das Gesetz auf sie hat oder was sie unternehmen müssen. Daher haben wir versucht, die wichtigsten Informationen und notwendigen Schritte im Folgenden zusammenzufassen.“

Was besagt das neue Gesetz und welche Änderungen ergeben sich damit?

Das Gesetz umfasst eine Vielzahl von Pflichten im elektronischen Geschäftsverkehr; da keine offizielle Übersetzung vorliegt, können diese für Nicht-Muttersprachler allerhöchstens in einer inoffiziellen Form auf Englisch eingesehen werden. Es definiert Leitlinien für die zukünftige Entwicklung der Netzlandschaft und die Rolle des Staates in diesem Zusammenhang. Die Cyberadministration of China (CAC) erhält maßgebliche Funktionen in der Gesetzgebung und fungiert als Prüf- und Zulassungsstelle.

Eine Änderung, von der sehr viele Unternehmen aktuell betroffen sind, ist die neue Regulierung der „Datenauslieferung“ in China. Laut aktuellen Auslegungen der neuen gesetzlichen Vorgaben, sollen alle als sensibel bzw. personenbezogen definierte Daten im Land gehostet werden und China in Zukunft auch nicht mehr verlassen dürfen (außer mit spezieller Erlaubnis der Regierung).

Aufgrund der langsamen Ladezeiten, verursacht durch die große Entfernung nach China sowie die automatische Überprüfung von Inhalten durch die so genannte „Great Firewall“, stellen viele Unternehmen ihre Inhalte bereits über einen Server oder Knotenpunkt in China zur Verfügung. Das kann sehr häufig über einen Hoster, Cloud-Dienstleister oder Content Delivery Network-Anbieter (CDN) geschehen. Auch hier ergeben sich die entsprechenden Konsequenzen.

Welche Unternehmen sind von dem neuen Gesetz ab 1. Juni betroffen?

Betroffen sind alle Unternehmen, die im elektronischen Geschäftsverkehr in China tätig sind. Dazu gehören natürlich Betreiber von Netzwerk- oder sogenannten Critical Information-Infrastrukturen, aber auch jedes andere Unternehmen und jede Organisation, die Web-Inhalte (Websites, Apps, etc.) in China „ausliefert“ beziehungsweise dazu einen Betreiber von Netzwerk- oder sogenannten Critical Information-Infrastrukturen für das Hosting oder die Auslieferung nutzt.

Beispiel: Hatte ein eCommerce-Anbieter datenverarbeitende Systeme, wie Bestell-, Rechnungs- oder Warenbestandsysteme bisher außerhalb von China, hat diese aber über einen Dienstleister – wie z. B. ein CDN – China ausgeliefert, muss dieses nun gespiegelt werden, damit die Daten innerhalb von China verarbeitet werden. Auch bei Daten von Apps – vom Fitnessarmband bis zu Anwendungen, die Stromzähler- oder Boiler-Daten übermitteln – ist dies der Fall.

Es sind also Unternehmen aller Branchen betroffen, von Handel, über IT-Service-Anbieter bis hin zu Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Tourismus, Medien, Online-Werbung, Gaming, u. v. m.

Nicht betroffen sind Unternehmen die ihre Inhalte von außerhalb Chinas anbieten, wozu auch Hongkong zählt. Da Hongkong zwar zu China gehört, aber außerhalb der „Great Firewall liegt“ müssen diese Organisationen jedoch nach wie vor mit Ladezeiten rechnen, die die Geduld der potenziellen Nutzer übersteigt. Daher ist dies nicht wirklich eine Alternative.

Was sind die Konsequenzen?

Tausende Zertifizierungsbeamte sowie intelligente Algorithmen prüfen zurzeit, ob ausländische Organisationen, die entsprechende Inhalte von China aus für den chinesischen Markt anbieten, alle Bedingungen der neuen Gesetzgebung erfüllen. Wenn sie bereits mit einem Hosting-Dienstleister oder CDN-Anbieter zusammenarbeiten, wird außerdem geprüft, ob dieser die dafür benötigten Lizenzen besitzt. Ist dies nicht der Fall, kann die in China notwendige Bei’an-Lizenz entzogen und die Website oder Web-Inhalte gesperrt werden.

Bereits jetzt erhalten Unternehmen Anrufe der Regierungsbeauftragten und werden aufgefordert in kürzester Zeit die benötigten Änderungen einzuleiten.

„Auch wir – genau wie andere Hosting, Cloud- und CDN-Anbieter – dürfen die Websites unserer Kunden nur noch dann beschleunigen, wenn der Ursprungsserver auch in China ist. Ansonsten wird die Bei’an-Lizenz entzogen und wir müssen den Service abstellen“, erläutert Alex Nam.

Was sind die wichtigsten Schritte für Unternehmen, die in China tätig sind?

In China tätige Unternehmen müssen nun prüfen, wo genau ihre Daten vorgehalten und verarbeitet werden. Es empfiehlt sich unbedingt, die Domain der Webseite, die für den chinesischen Markt vorgesehen ist, direkt in China registrieren zu lassen.

Wird eine eigenen Infrastruktur verwendet, muss diese auf Konformität hin geprüft werden oder sie sollten einen Anbieter finden, der konform mit der neuen Regulierung ist und sie dabei unterstützen kann, alle notwendigen Schritte umzusetzen.

Arbeiten Unternehmen bereits mit einem Hosting-, Cloud- oder CDN-Anbieter für den chinesischen Markt zusammen, sollten sie prüfen, ob er die Bedingungen erfüllt und ob notwendige Änderungen gemeinsam vorgenommen werden können. Dazu gehören neben Hosting und der Datenauslieferung in China ggf. auch Unterstützung bei der Spiegelung von Systemen sowie der sichere Datentransport.

Welche Voraussetzungen sollte ein Partner für die Datenauslieferung in China erfüllen?

Ein Hostingpartner sollte unbedingt die Möglichkeit haben, Hosting in China selbst anzubieten. ACHTUNG: Viele Anbieter haben bisher von anderen Standorten aus oder CDN für den chinesischen Markt angeboten. Das war in der Vergangenheit sehr praktisch, ist aber mit der neuen Gesetzgebung nicht mehr möglich, da die Inhalte in China gehostet werden müssen.

Darüber hinaus sollten gute Kenntnisse über den chinesischen Markt vorhanden sein – besonders über die benötigten Lizenzen, im Idealfall mit einer Akkreditierung für die Ausstellung der Bei’an-Lizenz. Eine bestehende CDN-Infrastruktur mit möglichst vielen Knotenpunkten zur Beschleunigung der Inhalte in China ist nun ebenfalls ein Muss.

Schließlich muss der Hostingpartner eine Lösung offerieren, die Unternehmen bei der für viele notwendigen Spiegelung der Systeme in China unterstützt – inklusive der sicheren verschlüsselten Übertragung von Datenpaketen. Denn wenn Systeme gespiegelt werden müssen, sollten sensible Daten natürlich nur gesichert übertragen werden.

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