Digital Transformation

Enterprise-Resource-Planning-Hersteller im Digitalisierungs-Zeitalter

Wohin führt die Digitale Transformation, und was bedeutet sie für ERP-Hersteller? Step-Ahead-Vorstand Wolfgang Reichenbach geht dieser Frage auf den Grund.

ITB: Der Ausdruck „Digitale Transformation“ macht vermehrt die Runde. Ist das nur ein Buzzword-Begriff?

Reichenbach: Es ist noch nicht absehbar, in welchem Tempo sich der deutsche Mittelstand digitalisiert, ob es sich eher um einen kontinuierlichen Prozess oder um disruptive Veränderungen handelt. Ein Buzzword-Begriff ist die digitale Transformation ­sicherlich nicht. Kunden und Geschäftspartner fordern zunehmend digitale Prozesse. Nehmen wir als Beispiel die voll­automatische Auftragsabwicklung. Der Kunde bestellt und erwartet direkt eine Auftragsbestätigung, Lieferzusage sowie Rechnung in seinem elektronischen Postfach. Kunden wollen einen smarten Kundenservice. Die Digitalisierung ist ein Diktat des Marktes, weil der Consumer es heute schon so kennt und der Business-Kunde das immer mehr erwartet. Wer noch verstärkt Einzellösungen betreibt, die zu Datensilos führen, verliert den Anschluss. Das bedeutet für Unternehmen: Umdenken und handeln anstatt nur abzuwarten!

ITB: Wie ist der Status quo beim digitalen Wandel beziehungsweise der Digitalisierung im deutschen Mittelstand?

Reichenbach: Vor allem kleineren Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern fällt der Schritt in die digitale Welt schwer. Sie scheuen die Investitions- und Betriebskosten. Eine vollständige Vernetzung von Prozessketten zwischen Lieferanten, ­Unternehmen und Kunden findet aber auch in größeren mittelständischen Industrieunternehmen meist noch gar nicht statt. Es sind oft zarte Anfänge, die zu spüren sind. Trotz der Chancen macht die sogenannte Digitale Transformation vielen mittelständischen Firmen Angst. Sie wissen nicht, was auf sie zukommt, was sie wie zuerst bewältigen sollen und brauchen ­Beratung. Ein ERP-Anbieter, der nicht nur ERP kann, sondern alle Unternehmensprozesse durch eine Lösung liefert, wird den Mittelständlern den Eintritt in die digitale Welt erleichtern.

ITB: Wo liegen die aktuellen Herausforderungen im Software-Segment des Enterprise Resource Planning?

Reichenbach: Die Digitalisierung verändert die Anforderungen an ein ERP-System, weil zentrale Unternehmensprozesse mit Prozessen über die Unternehmensgrenzen hinaus verbunden werden müssen. Somit siedeln sich mehr und mehr ergänzende Prozesse um den Unternehmens-Dinosaurier ERP an. Integration ist hier das Zauberwort. Unternehmen nutzen zum Beispiel Dokumenten-Management-Systeme, um dokumentenbasierte Vorgänge zu digitalisieren und digitale Kundenakten zu bilden. Und ohne mobilen Zugriff auf diese zentralen Unternehmensdaten geht es heute gar nicht mehr. Gelingt die Anbindung der Prozesse, sind Unternehmen auch morgen noch erfolgreich. Es entstehen digitalisierte oder teildigitalisierte Wertschöpfungsketten, die eine stärkere Automation und Zeitersparnis ermöglichen.

ITB: Werden Systeme zusammenwachsen, und wenn ja wie?

Reichenbach: Wer Kunden heutzutage verprellt, verliert ganz schnell. Das Internet macht die Suche nach einem möglicherweise besseren Dienstleister einfach. Besser dabei nicht nur in puncto Preis, sondern vor allem in puncto Service. Eine professionelle Betreuung, schnelle Beantwortung von Kundenfragen und kurze Lieferzeiten zählen für Kunden mittlerweile zum Standardservice. Ist ein Customer Relationship Management (CRM) direkt in ein ERP-System integriert, ist das möglich. Es stellt sich von ­daher nicht die Frage, ob sie zusammenwachsen, sondern es ist für Unternehmen im Sinne einer Kundenzentrierung notwendig, dass es aus einem Guss ist. Hier sind schnittstellenbasierte Systeme auf Dauer unterlegen.

ITB: Ist der Wettbewerbsdruck im Bereich Business-Software stärker geworden? Immerhin drängen immer mehr Anbieter auf den deutschen Markt. Das wird nicht ohne Folgen bleiben...

Reichenbach: Wer sich für ein ERP entscheidet, bekommt nicht nur eine Software, die einfach installiert wird und läuft. ERP-Projekte werden von einem intensiven Beratungsprozess ­begleitet. Waren früher feste Prozesse in eine ERP-Software gepresst, funktioniert es heute meist andersherum. ERP-Systeme müssen mit der zunehmenden Komplexität in den Unternehmensstrukturen mithalten und mit den Strukturen wachsen. Bei den Anbietern trennt sich in diesem Punkt die Spreu vom Weizen. Nur wer als ERP-Dienstleister in der Lage ist, eine ganzheitliche Unternehmenslösungslandschaft zu betreuen und über einschlägige Branchenerfahrung und Prozesswissen verfügt, hat Erfolg und meistert Prozessintegrationen. Denn ERP ist das Herzstück der Unternehmens-IT, um das herum sich fortlaufend neue Themen entwickeln.

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