Cloud und Paid Content treiben Wachstum

Deutsche Internetwirtschaft ist weiter im Aufwind

Eco-Geschäftsführer Harald A. Summa ist sichtlich stolz auf die Branche: „Es geht ihr sehr gut!“, freute sich Summa bei der Präsentation der aktuellen Studie „Die deutsche Internetwirtschaft 2015-2019“ vor Pressevertretern in München. Zum dritten Mal hat die Unternehmensberatung Arthur D. Little zusammen mit eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. die Branche unter die Lupe genommen. „Die deutsche Internetwirtschaft befindet sich auch in den kommenden Jahren im Aufwind“, fasst Summa zusammen. „Wenn es so weitergeht, läuft das Internet demnächst sogar unseren ureigenen deutschen Branchen wie beispielsweise der Chemie und dem Maschinenbau den Rang ab.“

Bis 2019 wird sich der Umsatz der deutschen Internetwirtschaft voraussichtlich um knapp 60 Prozent auf 114 Milliarden Euro erhöhen. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum (2015 – 2019) von zwölf Prozent.

Dies wirkt sich auch positiv auf den Arbeitsmarkt aus. Eco und Arthur D. Little gehen davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Internetwirtschaft von 243.000 im Jahr 2015 auf 332.000 im Jahr 2019 steigen wird. Das entspricht einem jährlichen Anstieg von über acht Prozent. „Dass dieser prozentual leicht hinter dem Umsatzwachstum zurückbleibt, liegt daran, dass mit einer zunehmenden Produktivität zu rechnen ist“, nicht zuletzt auch durch Verwendung von Cloud-Technologien, die einen hohen Profit bei weniger Mitarbeitern versprechen, wie Studienleiter Lars Riegel, Principal TIME bei Arthur D. Little, erläutert.

Umsatzgaranten bleiben weiterhin E-Commerce und die traditionellen Telekom-Geschäftsfelder Festnetz- und Mobilfunk-Internet-Zugangsnetzwerke, Wachstumstreiber sind allerdings Cloud Computing und Paid Content. Immer mehr Unternehmen setzen auf Cloud Computing. Sie schätzen vor allem die Skalierbarkeit der Dienste. Insbesondere bei Public Infrastructure-as-a-Service (IaaS) ist in den nächsten Jahren mit einem rasanten Umsatzwachstum zu rechnen: Die Autoren der Studie gehen von einem Anstieg um 42 Prozent bis zum Jahr 2019 aus. Aber auch Public Platform-as-a-Service (PaaS) mit 27 Prozent und Public Software-as-a-Service (SaaS) mit 23 Prozent weisen ein überdurchschnittliches Wachstum innerhalb der deutschen Internetwirtschaft auf.

Paid Content gewinnt immer mehr an Bedeutung. Insgesamt wird hier ein Umsatzwachstum von 17,6 Prozent bis zum Jahr 2019 erwartet. Das liegt zum einen daran, dass immer mehr Leser von Printmedien auf E-Books und E-Magazines umsteigen, zum anderen wächst die Nachfrage nach Musik- und Videostreaming-Abonnements sowie nach Spielen.

Chancen und Herausforderungen

Doch aller Euphorie zum Trotz. Summa mahnt: Deutschland muss weiter an der Digitalisierung arbeiten, angesichts disruptiver Technologien aus den USA und Asien. Denn das fange morgen erst alles richtig an, so Summa. Input, Ideen und Entwicklungen sind auch reichlich vorhanden. Technisch sei Deutschland keinesfalls führend, da der Breitbandausbau mit leistungsfähigen Glasfaserleitungen noch nicht flächendeckend umgesetzt und damit die lebenswichtige Infrastruktur für mehr Wertschöpfung fehle – ein Trichterproblem, wie Summa erklärt.

„Mit jedem Jahr, in dem die Abhängigkeit der Gesamtwirtschaft von der Internetwirtschaft zunimmt, wächst auch die Verantwortung, die auf unserer Infrastruktur lastet. Diese Verantwortung sollte nicht allein auf den Schultern unserer Branche liegen. Sie sollte von allen geteilt werden, die von der digitalen Infrastruktur abhängig sind“, so der eco-Geschäftsführer.

Infrastrukturen für stabile Übertragungswege und Zugangspunkte sind der „Mutterboden der Internetwirtschaft“, erklärt auch Riegel anhand der ermittelten Werte. Dementsprechend zeigten „betagte“ Segmente wie Internet Exchanges oder Internet Backbone, Transit & CDN nur noch begrenztes Wachstum; eine Konsolidierung zeichnet sich ab. Dagegen werde sich bereits im kommenden Jahr eine Trendwende zeigen: Erstmals werde die mobile Kommunikation die Festnetzkommunikation hinter sich lassen.

Die gesamte Studie „Die deutsche Internetwirtschaft 2015-2019“ kann auf der Verbands-Website kostenfrei abgerufen werden.

Autor: Elke Witmer-Goßner

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