Capgemini IT-Trends 2016

Digitalisierung heißt zuerst Big Data

CIOs wollen in diesem Jahr weniger Geld für IT-Neuerungen ausgeben. Das ist insofern erstaunlich, da sie gleichzeitig den Ausbau der Digitalisierung als eines der wichtigsten Jahresziele bezeichnen.

Nicht nur das Budget für Neugestaltung und Ersatz der IT soll von anteilig 20,9 Prozent auf jetzt 16,6 Prozent sinken, sondern auch die Ausgaben für die Evaluierung von Innovationen. Die Mehrheit der IT-Verantwortlichen will zwar die Digitalisierung in ihren Unternehmen vorantreiben. Sie setzen dabei im Moment aber offenbar weniger auf technologische Neuerungen, sondern gehen die Digitalisierung über die Vernetzung von Informationen und Prozessen sowie die Analyse ihrer Daten an.

Das Budget verteilt sich zum größten Teil auf den Betrieb, die Wartung und die Pflege der bestehenden IT. Dazu gehören auch Ausgaben für Updates, Aktualisierungen und Erweiterung (zusammen 69 Prozent der Gesamtausgaben). Gerade mal 7,8 Prozent des IT-Budgets bleibt da für die Evaluierung von Innovationen übrig (2015 noch 9,1 Prozent). Die Gründe hierfür sind vielfältig, wie die jährliche Befragung des Beratungsunternehmens Capgemini zu den IT-Trends ergab. Alte IT-Umgebungen und Prozesse, starre Organisationen innerhalb der Firmen, aber auch der nicht ausdrücklich vorhandene Wille, etwas zu ändern, stehen der Digitalisierung im Weg. Außerdem beklagen sehr viele Firmen, dass ihnen das entsprechend geschulte Personal fehlt, um die aufwändigen Digitalisierungsprojekte umzusetzen. Der Fachkräftemangel erweist sich hier also als größter Hemmschuh. Insbesondere für Internet-of-Things-Technologien, Big-Data-Analytics und mobile Technologien fehlen qualifizierte Mitarbeiter. Probleme bereitet darüber hinaus in vielen Fällen eine nicht vorhandene übergreifende Planung trotz guter Unterstützung durch das Top-Management.

Mehr Big-Data-Anwendungen

Wenn aber etwas angepackt wird, dann sind es in erster Linie Big-Data-Projekte. Die meisten Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre Prozesse entlang der Wertschöpfungskette optimiert. Die Möglichkeiten hier sind jetzt aber ausgeschöpft. Big Data mit der Fokussierung auf die Prozesse sowie die Analyse der Daten bietet neues Potenzial. „Viele Unternehmen stehen immer noch am Anfang der Digitalisierung und müssen ihre Initiativen priorisieren. Deshalb analysieren sie erst einmal ihre Daten, um Optionen für neue Geschäftsmodelle zu erarbeiten. Die Innovation folgt dann erst im zweiten Schritt“, interpretiert Dr. Uwe Dumslaff, Chief Technology Officer bei Capgemini in Deutschland die Ergebnisse.

Business Intelligence-Trends

Inzwischen betreiben 15,9 Prozent der Teilnehmer mehrere Anwendungen (Vorjahr 11,0 Prozent) und 8,0 Prozent ein System (Vorjahr 8,8 Prozent). Spitzenreiter beim Big-Data-Einsatz sind wie im Vorjahr die Finanzdienstleister. Das produzierende Gewerbe und die Automobilindustrie holen allerdings auf. Und die große Mehrheit realisiert ihre Projekte in Zusammenarbeit mit externen Partnern (85 Prozent). „Das hat verschiedene Vorteile“, kommentiert Thomas Heimann, Principal Enterprise Architect & Experte IT-Trends bei Capgemini. Als externer Berater sei man frei von Verpflichtungen und Zwängen, anders als die Firmen-IT, die nicht selten zwischen den berühmten zwei Geschwindigkeiten in bimodalen Umgebungen und unterschiedlichen Anforderungen und Skills der Abteilungen gefangen sind. „Externe Berater haben das Wissen und die Erfahrung, um tragfähige Konzepte für Big Data zu erarbeiten. Außerdem bringen sie die erforderlichen Spezialisten mit, die Wissen an die internen Mitarbeiter weitergeben. So können Unternehmen trotz des Fachkräftemangels relativ schnell Know-how aufbauen.“

Lieber privat

Im Vergleich zum Vorjahr hat die Cloud-Nutzung mit durchschnittlich 33,6 Prozent (Vorjahr 28,6 Prozent) gemessen an der Gesamtleistung noch keinen Quantensprung hingelegt. Immerhin betreiben 63 Prozent der Unternehmen eigene Clouds und 47 Prozent nutzen Services von Anbietern. Während sich Cloud-Services bei Finanzdienstleistern, in der Industrie und in der Automobilbranche etabliert haben, nutzt sie der Handel kaum. Ein Ergebnis, das angesichts der steigenden Datenmengen und der anstehenden Digitalisierung überrascht. Wichtigstes Entscheidungskriterium für den Aufbau einer eigenen Cloud ist nach wie vor das Thema Sicherheit, womit auch der Schutz vor dem Zugriff ausländischer Behörden gemeint ist. Hinzu kommt noch die geforderte Einhaltung rechtlicher Vorgaben.

Sicherheit muss sein

Die ersten Plätze auf der Liste der Top-Technologien des Jahres belegen Applikations-Portfolio-Rationalisierung, Privacy by Design, Sicherheit rund um Bring-Your-Own-Everything (BYOx), Security Automation und Cloud-Security. Obwohl vier der fünf Top-Themen mit Sicherheit zu tun haben, ist die Bedeutung der IT-Sicherheit insgesamt gefallen. Der extrem hohe Wert des vergangenen Jahres wurde nicht wieder erreicht, was sowohl mit der subjektiven Wahrnehmung der Bedrohungslage zusammenhängt als auch mit dem zunehmenden Reifegrad der Sicherheitslösungen. Die Flops des Jahres sind Mobile Payment, mobile Services für Fahrzeuge, Wearables, Robotic Process Automation und Gamification.

Die Angaben wurden im Rahmen der jährlichen IT-Trends-Studie im September und Oktober 2015 von Capgemini erhoben. Insgesamt nahmen 153 IT-Verantwortliche von Großunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz teil, darunter 11 Firmen aus dem DAX-30.

Autor: Elke Witmer-Goßner

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