IOT

Disruptionen der Arbeitswelt: Maschinen-Tinder für das Management

Sinkende Produktionskosten, effizientere Prozesse im Wertstrom und neue Geschäftsmodelle – die Erwartungen an das Industrial Internet of Things (IIoT) sind groß. Um das Beste aus der komplett vernetzten Wertschöpfung herauszuholen, ist gutes Management entscheidend.

Als digitales Abbild passt ein Maschinenpark mit hunderten von Geräten längst in die Jackentasche. Wer jederzeit über den Status einer einzelnen Maschine oder über Störungen im Wertstrom informiert sein möchte, kann von der Fertigungsanlage bis hinunter zum Werkstück jeden physischen Bestandteil seines Wertschöpfungsnetzwerkes mit Sensoren, Microchips und Cloud Analytics in einen Datenlieferanten verwandeln. Entsprechend etabliert sich das IIoT als industrielle Variante des Internet of Things bereits in der Fertigungsindustrie, aber auch im Gesundheitssektor, in der Energiewirtschaft oder in der Logistik.

Matching von Kapazitäten

Die Umsatzpotenziale dieser Entwicklung in Milliarden und Billionen zu beschwören, ist so beliebt wie müßig. Denn im Alltag hilft das nicht dabei weiter, konkrete Anwendungen im eigenen Wertstrommanagement zu finden und zu realisieren.

Zum Beispiel ein Tinder für Maschinen. Das ist eine App, die einem nach dem Prinzip des Auto-Quartetts jede Maschine im Netzwerk anzeigt, mit Bild und den basalen Leistungsdaten in Echtzeit. Maschinen, deren Performance wegen Überhitzung abnimmt oder deren Wartung ansteht, werden per Wischbewegung zurückgefahren oder von Ersatzkandidaten abgelöst. Praktisch ist auch die Matching-Funktion, die standortübergreifend freie Kapazitäten anzeigt.

Klingt gut, oder? Ist aber leider noch Zukunftsmusik. Denn eine IIoT-App dieser Art umzusetzen, ist zwar technisch überhaupt keine Herausforderung mehr. Nur, wer macht‘s? Und selbst wenn die richtigen Fachkräfte beziehungsweise Kompetenzen im Team vorhanden sind, muss noch die Hürde des Managements genommen werden. Wie arrangiert und führt man ein Team, das verschiedene Zyklen und Rollen der Wertschöpfung – F&E, Fertigung, Zulieferer, IT, Qualität und so weiter – versteht und zu vereinen weiß?

Management kombiniert Operational Technology und IT

Ein Blick auf Erfolgsbeispiele hilft weiter. Kandidaten für Managementpositionen, die wir aktuell in der Industrie, aber auch in anderen Branchen im Kontext von IIoT-Projekten besetzen, sind pragmatisch, realistisch und flexibel im Denken und Handeln. Sie wissen, dass IIoT-Systeme nicht von Grund auf neu entwickelt werden sollten. Ein Vorgehen in kleinen Schritten ist sinnvoller, etwa um 15-20 Jahre alte Maschinen ins Netzwerk zu integrieren, die dann weitere 15 Jahre im Betrieb sind.

Diese Manager sind fähig, Operational Technology (OT) und Information Technology (IT) so zu verbinden, das daraus Wertschöpfung entsteht. Dazu integrieren sie Daten, Analysen und Kontrolle mit Blick auf die OEE (Overall Equipment Effectiveness). Zu Anfang eines IIoT-Projektes sollte man zudem das „Staffing“ der passenden Kompetenzen im Team klären. Führungskräfte müssen hier unter anderem darauf achten, die Bereiche IT- bzw. Datensicherheit, Integration von ERP-/SAP-Systemen und Data Analytics mit den entsprechenden internen oder externen Mitarbeitern abzudecken.

In Summe kommt es also darauf an, die Leistungsmerkmale von Technologie und Team für die eigene IIoT-Roadmap richtig zu kombinieren. Gut möglich, dass man sich dann in Zukunft tatsächlich auf einem Facebook- oder Tinder für und mit Maschinen austauscht.

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