IoT in Industrie und Wirtschaft

Industrie 4.0: Mehr als ein Hype

Bevor das Digital Enterprise mit Industrie 4.0 sein Potenzial entwickeln kann, müssen Hemmnisse beseitigt werden. Besonders bei der Sicherheit gibt es noch einiges zu tun.

Bis 2020 will die deutsche Industrie 40 Milliarden Euro pro Jahr in Anwendungen von Industrie 4.0 investieren. Davon versprechen sich die Unternehmen Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen sowie qualitative Vorteile wie mehr Flexibilität und die Möglichkeit, auf individuelle Kundenwünsche besser einzugehen, wie eine gemeinsame PwC- und Strategy&-Analyse ergab.

Die befragten Unternehmen erwarten, dass im Jahr 2020 über 80 Prozent ihrer Wertschöpfungsketten einen hohen Digitalisierungsgrad aufweisen. Durch die stärkere Digitalisierung und Vernetzung ihres Produkt- und Serviceportfolios werden die Unternehmen laut der Analyse ihre Umsätze im Schnitt um 2,5 Prozent pro Jahr steigern können. Auf die Gesamtheit aller Industrie-Unternehmen in Deutschland bezogen entspricht das einem jährlichen Umsatzpotenzial von über 30 Milliarden Euro.

Wie weit ist das Digital Enterprise?

Doch wie steht es um die Realisierung? Die Digitalisierung hat eine große Bedeutung für die Industrie. Da sind sich 87 Prozent in einer Umfrage von Copa-Data sicher. 39 Prozent der Unternehmen stellen gegenwärtig auf digitale Lösungen um, wo es möglich ist. 19 Prozent haben das ­Digital Enterprise als vernetzte, automatisch gesteuerte Produktion zum erklärten Ziel. Allerdings stehen 29 Prozent der Unternehmen nach eigenen Angaben ­dabei erst ganz am Anfang.

Andere Studien sehen das Ziel weiter in der Ferne: Nur knapp zehn Prozent der Unternehmen haben bereits erste Maßnahmen zu Industrie 4.0 umgesetzt, so die Studie „Industrie 4.0“ von Research Tools. Die 200 befragten Unternehmen aus Industriebranchen beklagen Informationsdefizite, Ressourcenmangel sowie technische und organisatorische Restriktionen als häufige Hemmnisse.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) betont, dass mit der Vernetzung der IT-Systeme von Produktion und Verwaltung sowie mit externen Lieferanten und Abnehmern vielfältige Herausforderungen verbunden sind: Neben einer höheren Anfälligkeit für Sabotage und ­Spionage gelte es auch Qualitäts- und Haftungsfragen und eine gestiegene Abhängigkeit von funktionierenden IT-Strukturen zu berücksichtigen. Zu diesem Schluss kommt auch die Studie „Industry 4.0 – How to navigate digitalization of the manufacturing sector“ von McKinsey & Company, für die mehr als 300 Entscheider aus der Industrie in Deutschland, der USA und Japan befragt wurden. In Deutschland wurden als größte Hindernisse das fehlende Wissen der Mitarbeiter und der Mangel an Datensicherheit und einheitlichen Datenstandards gesehen.

Mehrwerte mit Sicherheit

Die Marktforscher von IDC (Marktforschungsunternehmen International Data Corporation) haben in der Untersuchung „Digitale Transformation im verarbeitenden Gewerbe – von der Industrie 4.0-Vision zur Wirklichkeit” zudem die Schaffung einer gemeinsamen Datenbasis und Abstimmung zwischen den Abteilungen gefordert, damit die Entwicklung von Industrie 4.0 die nächste Stufe erreichen kann.

Unternehmen sollten nun organisatorische Weichen stellen, Datensilos aufbrechen, Mehrwerte für das Unternehmen definieren, das Digitalisierungs-Knowhow aufbauen und die Datensicherheit berücksichtigen.

„In immer mehr mittelständischen Unternehmen wachsen Systeme zu smarten Produktionsanlagen zusammen. Dafür brauchen wir Sicherheitskonzepte, die wirksam vor Bedrohungen von außen schützen“, so Dr. Bettina Horster, Direktorin Mobile im Eco – Verband der Internetwirtschaft e. V.

Eine ganze Reihe von Security-Anbietern hat inzwischen spezielle Lösungen im ­Angebot, die das Digital Enterprise schützen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bietet Sicherheitsempfehlungen, die sich an die Industrie richten. Mit dem „ICS Security Kompendium“ hat das BSI ein Grundlagenwerk für die IT-Sicherheit in ICS (Industrial ­Control Systems) veröffentlicht. Es tut sich also einiges an der Security-Front für Industrie 4.0.

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