Smart Factories, Smart Office und Co.

KI in Unternehmen – eine Science-Fiction-Fabrik?

Vor nicht allzu langer Zeit noch als Utopie abgetan ist künstliche Intelligenz (KI) heute ein seriöses Forschungsfeld. Wir befinden uns mitten in der „Industriellen Revolution 4.0“ und KI ist längst kein Thema mehr für Science-Fiction-Nerds, sondern für die Chefetage.

Reisende soll man nicht aufhalten – und die Reise der technischen Möglichkeiten unseres Jahrhunderts ist noch lange nicht an ihrem Ziel angekommen. Intelligente elektronische Unterstützung erfahren wir auf vielen Ebenen: Im Privatleben, beim Einkaufen, in der Industrie und der Medizin sind selbstlernende Algorithmen mittlerweile auf dem Vormarsch. Ein bekanntes Beispiel für den Einsatz künstlicher Intelligenz in Unternehmen sind Chatbots in der Kundenkommunikation, doch KI lässt sich schon heute in vielen anderen Bereichen einsetzen und zukünftig werden es noch mehr werden.

Einsatz von Smart Factories

Menschenleere Hallen voller Technik in vollautomatisch produzierende Fabriken ohne menschliche Arbeiter, das gibt es teilweise heute schon, etwa in der lebensmittelverarbeitenden Industrie. Im Hintergrund sitzen aber fast immer noch Menschen, die planen, steuern und überwachen. In einer Smart Factory der Zukunft wird das anders aussehen. Was diese Produktionsstätten intelligent macht, ist der Umstand, dass sie über den ganzen Fertigungsprozess ohne menschliche Eingriffe selbstständig agieren. Maschinen untereinander und ganze Produktionsstraßen kommunizieren über das Internet der Dinge untereinander und sogar mit anderen vor- und nachgelagerten Fabriken. So können auch hochkomplexe Produkte wie zum Beispiel Werkzeugmaschinen produziert werden. Autonome Roboter können sich frei in den Betrieben bewegen. Werkstücke tragen alle Informationen über ihre Produktion direkt in sich, etwa in Form eines RFID-Chips. Die Produktions- und Lieferkette ist so jederzeit nachvollziehbar. Auch im weiteren Produktlebenszyklus sind die Informationen auf den Chips interessant, wenn Fehler oder Defekte auftreten wird die Diagnose dadurch wesentlich erleichtert.

Arbeiten im Smart Office

Oft ist von Smart Home und intelligenten Autos die Rede, doch auch am Arbeitsplatz gibt es Potential für KI-Anwendungen. 2016 war eine knappe Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer zwar noch mit der Ausstattung ihres Arbeitsplatzes zufrieden, aber 38 Prozent hielten ihr Büro für nicht ‚smart‘ genug, zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Dell und Intel. Für ein Fünftel der Befragten wäre unzureichende Ausstattung mit Technik sogar ein Kündigungsgrund. In Zukunft wird künstliche Intelligenz auch im Arbeitsalltag einen immer größeren Raum einnehmen. Das fängt bei smarter Haussteuerung an: wenn der letzte vergisst das Licht auszumachen geschieht das automatisch, sobald sich im Büro nichts mehr regt. Bis zur wetterabhängigen Steuerung von Klimaanlagen oder der Bestellung von Büromaterialien nach Bedarf sind die verschiedensten Szenarien denkbar. Ein Trend, der schon heute bemerkbar ist und sich in Zukunft noch verstärken dürfte, ist das dezentrale Arbeiten, von zu Hause oder von Unterwegs. Dabei wollen die verschiedenen Geräte, private und public Clouds alle miteinander synchronisiert werden.

KI im Ladengeschäft

Onlineshops und Kundenbetreuung sind heutzutage die verbreitetsten Einsatzbereiche von KI in Unternehmen. Zum einen ist da „Visual Commerce“, Kunden erhalten auf Basis bereits gekaufter Artikel weitere Shoppingempfehlungen oder ihnen werden Artikel basierend auf dem Inhalt ihres Einkaufswagens vorgeschlagen.

Auch den Mitarbeitern von Callcentern helfen künstliche Intelligenzen, die Spracherkennungssoftware ermöglicht eine Vorauswahl der Klienten nach ihren Anliegen. KI-Anwendungen müssen jedoch nicht auf den Online-Handel beschränkt bleiben. Mit Flooresense von Mindtree lässt sich für Besucher von Ladengeschäften aus der ohnehin vorhandenen Überwachungstechnik ein Mehrwert generieren. Die Aufnahmen werden von speziellen Algorithmen auf das Verhalten der Kunden hin analysiert. Macht ein Besucher des Geschäfts den Eindruck, sich nicht alleine zurecht zu finden, erhält ein Mitarbeiter eine entsprechende Benachrichtigung mit dem Standort des Kunden auf sein Smartphone.

Optimieren der Logistik

Von Amazons Lieferdrohnenprojekt hört man zwar schon länger nichts mehr, dennoch hat auch Deutschlands drittgrößte Branche künstliche Intelligenz auf dem Schirm. Daran, dass autonome Autos in Zukunft unsere Straßen befahren werden, besteht kaum mehr ein Zweifel. Von dort ist es auch nicht mehr weit bis zum selbstfahrenden Lieferwagen oder LKW. Darüber hinaus ergeben sich noch viele weitere Einsatzbereiche für KI: Datenbrillen könnten Mitarbeitern zusätzliche Informationen liefern oder intelligente Drohnen bei der Inventur helfen. Selbstlernende Systeme könnten Aufgaben der Routenplanung bei Speditionen oder ganze Bestellvorgänge übernehmen. Unter deutschen Logistikern sind 70 Prozent dafür, den Einsatz von künstlicher Intelligenz zu prüfen. 64 Prozent der Führungskräfte in der Branche sind der Meinung, dass besonders intelligente Fahrzeuge wichtig für das zukünftige Geschäft werden, zu diesen Ergebnissen kommt der Logistic-Trend-Index 2017.

Nicht mehr nur Zukunftsmusik

Künstliche Intelligenz kann heute schon vieles leisten, was vor wenigen Jahrzehnten noch vollkommen unvorstellbar war. Doch einen uralten Menschheitstraum kann auch sie nicht erfüllen, in die Zukunft zu sehen – noch nicht? Man darf auf jeden Fall gespannt bleiben, welche Innovationen uns auf diesem Gebiet in den nächsten Jahren noch erwarten.

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