Künstliche Intelligenz

KI soll helfen, hochkonzentriert zu arbeiten

Hochkonzentriert arbeiten und nicht gestört werden – das KIT (Karlsruher Institut für Technologie) entwickelt zur Zeit Assistenzsysteme, die mittels Künstlicher Intelligenz (KI) den Mitarbeiter unterstützen soll, diese hochkonzentrierte Arbeitsphase zu erreichen und zu erhalten.

Gerade ein moderner Arbeitsplatz birgt die Gefahr der Ablenkung – die ständige Erreichbarkeit, Kollegen, Großraumbüros. Da kann es schwer fallen, in eine tief konzentrierte Schaffensphase zu kommen – den sogenannten "Flow". Dieser hochkonzentrierte Zustand führt zu mehr Wohlbefinden, Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit bei Mitarbeitern – ihn herzustellen und zu erhalten, daran forscht aktuell das Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Assistenzsysteme sollen Störungen abschirmen

Das Projekt Kern - "Kompetenzen entwickeln und im Zeitalter der Digitalisierung richtig nutzen" - konzipiert Kompetenz-Assistenzsysteme (KAS) für die Arbeitswelt der Zukunft und verwendet dafür Methoden Künstlicher Intelligenz (KI). Im Projekt soll ein Assistenzsystem entwickelt werden, welches den Flow mithilfe von Künstlicher Intelligenz anhand von Herzfrequenz oder Hautleitwert erkennt. Ziel ist es, Störungen abzuschirmen oder Kompetenzen aufzubauen, die den Flow fördern.

Im Projekt Kern tragen die Probanden am Arbeitsplatz Sensoren in Armband oder Brustgurt, die beispielsweise Herzfrequenz oder Hautleitwert messen. Diese physiologischen Daten sind komplexe Muster, die von Person zu Person stark variieren können. Neuartige Ansätze aus dem Bereich KI sind erforderlich, um Muster des Flows in Echtzeit zu erkennen. Vor Kurzem gelang einer Arbeitsgruppe am KIT erstmals die Klassifikation von Flow auf der Basis physiologischer Daten mit einem neuroevolutionären Deep-Learning Ansatz, einer Methode des Maschinellen Lernens.

KI erkennt Kompetenzprofil des Mitarbeiters

Auf dieser Basis entwickelt das Projekt Kern dann den Prototypen eines KI-basierten Assistenzsystems, das situationsbezogenes Feedback geben soll. Je nach Nutzungswunsch könnte dies so weit gehen, dass zum Beispiel E-Mails und Benachrichtigungen auf eine Art zugestellt würden, die den Flow nicht stört. Erkennt das System, dass das produktive Arbeiten längerfristig gestört ist, etwa weil die Aufgaben nicht mehr dem Kompetenzprofil des Mitarbeiters entsprechen, macht es Vorschläge zur persönlichen Kompetenzentwicklung.

Das Projekt Kern konzipiert Bildungsformate sowohl zur Aufgabenbewältigung als auch zur strategischen Personalentwicklung. Diese können von Kurzmeldungen mit Alltagstipps, über einen digitalen Assistenten bis hin zur persönlichen Beratung durch einen menschlichen Experten reichen. Analog zu Navigations-Assistenzsystemen im Auto geben KI-basierte KAS situationsabhängige Handlungsempfehlungen, zum Beispiel durch den Vorschlag konkreter Lern- oder Arbeitseinheiten. Die finale Entscheidung für die Auswahl liegt jedoch stets bei den Beschäftigten.

Privatsphäre muss mit berücksichtigt werden

Systeme, die in Echtzeit aufgrund von physiologischen Daten die Beschäftigen unterstützen und beraten, bieten viele Möglichkeiten für die digitale Lebens- und Arbeitswelt. Gleichzeitig greifen sie auch in die Privatsphäre ein. Im Projekt Kern loten daher in einem gemeinsamen Prozess die Belegschaft, deren Vertretung und die Unternehmensleitung auch Lösungen und Leitplanken der sich entwickelnden Technologie aus. "Ich bin fest davon überzeugt, dass KI-basierte KAS ein großes Potenzial haben, wir müssen sie aber als sozio-technische Systeme begreifen und gestalten", erklärt Prof. Alexander Mädche vom KIT.

Die Assistenzsysteme sollen Mitarbeitern helfen, sich im Arbeitsalltag weiterzuentwickeln und das im Idealfall punktgenau und interaktiv. "Durch die Entwicklung und Erprobung eines KI-basierten Kompetenz-Assistenzsystems betten wir beim Projekt Kern das Erlernen von Kompetenzen direkt in den Kontext der Arbeit ein und stimmen den Inhalt auf die persönlichen Präferenzen des Mitarbeitenden ab", sagt Jannik Keller, Geschäftsführer und Gründer der Campusjäger GmbH.

Individuelle Bedürfnisse und Unternehmensziele berücksichtigen

Moderne Assistenzsysteme, wie sie im Projekt Kern entwickelt werden, sollen damit individuelle Bedürfnisse und Unternehmensziele gleichermaßen berücksichtigen und einen Rahmen schaffen, in dem sich Beschäftigte wirtschaftlich und motiviert weiterbilden und Kompetenzen richtig aufbauen können. So ließen sich Mitarbeiter optimal und kontinuierlich fördern sowie Organisationen fortlaufend den sich schnell verändernden Anforderungen der digitalisierten Arbeitswelt besser anpassen.

Info

Das Projekt wird vom KIT koordiniert und in Zusammenarbeit mit den Partnern SAP, TÜV Rheinland Akademie GmbH, Campusjäger GmbH und B. Braun Melsungen durchgeführt. Das Projekt wird im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit 1,36 Mio. Euro gefördert.

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