Selbstlernende Maschinen

KI: Viel Anspruch - wenig Wirklichkeit?

In deutschen Unternehmen ist Künstliche Intelligenz (KI) vielfach noch in der Projektphase. Bei der umfassenden Anwendung in Prozessen und Produkten liegt man im internationalen Vergleich aber leicht zurück. Das sind die Kernergebnisse einer weltweiten KI-Studie.

Selbstlernende Maschinen, sogenannte Künstliche Intelligenz (KI), kommt in der deutsche Wirtschaft bereits zum Einsatz - aber eher testweise. Das haben die Strategieberatung The Boston Consulting Group (BCG) und das US-Wirtschaftsmagazin MIT Sloan Management Review im Rahmen der Studie "Reshaping Business with Artificial Intelligence: Closing the Gap Between Ambition and Action" herausgefunden. Bei der Umsetzung im globalen Vergleich hinken die deutschen Firmen aber noch leicht hinterher.

Unternehmen versprechen sich von KI Wettbewerbsvorteil

So haben etwa 52 Prozent der deutschen Unternehmen (global: rund 41 Prozent) Pilotprojekte gestartet oder nutzen KI in ersten Prozessen und Produkten. Nur vier Prozent hingegen haben KI umfassend in ihre Prozesse und Angebote integriert. Damit liegt Deutschland unter dem globalen Durchschnitt (fünf Prozent) und hinter den USA (sieben Prozent). Für die Studie wurden mehr als 3.000 Führungskräfte, Manager und Analysten aus 21 Industrien in 112 Ländern befragt.

„Die Kluft zwischen Erwartung und Umsetzung bei KI ist sehr groß“, erklärt Philipp Gerbert, Senior Partner und Experte für Künstliche Intelligenz bei BCG. „Wir haben große Abstände zwischen den Vorreitern, die KI bereits umsetzen, und den Nachzüglern gefunden. Die Vorreiter haben ein viel tieferes Verständnis dafür, was nötig ist, um KI zu entwickeln. Zugleich haben sie oft die Unterstützung des Managements auf ihrer Seite und bereits klare Anwendungsfälle für sich definiert.“

Während etwa 85 Prozent der deutschen Unternehmen der Auffassung sind, dass KI ihnen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen kann, sehen rund 75 Prozent die Chance, dadurch neue Geschäftsfelder erschließen zu können. Über eine umfassende Anwendung von KI in Prozessen und Angeboten verfügen bislang aber gerade einmal fünf Prozent der Unternehmen; nur 18 Prozent haben KI in ersten Prozessen und Angeboten eingesetzt.

Generell überwiegen bei den Befragten die positiven Erwartungen an KI: Mehr als 80 Prozent sehen in der Nutzung vom Künstlicher Intelligenz eine strategische Chance. 40 Prozent bewerten KI als strategisches Risiko. Weniger als die Hälfte (47 Prozent) der befragten Firmen erwarten in den nächsten fünf Jahren einen Arbeitsplatzabbau durch den zunehmenden Einsatz von KI. Jedoch befürchten 31 Prozent der befragten Führungskräfte, dass Teile ihrer Aufgaben zeitnah durch KI übernommen werden.

Führungskräfte fürchten durch KI-Einsatz Bedeutungsverlust

Generell überwiegen bei den Befragten die positiven Erwartungen an KI: Mehr als 80 Prozent sehen in der Nutzung vom Künstlicher Intelligenz eine strategische Chance. 40 Prozent bewerten KI als strategisches Risiko. Weniger als die Hälfte (47 Prozent) der befragten Firmen erwarten in den nächsten fünf Jahren einen Arbeitsplatzabbau durch den zunehmenden Einsatz von KI. Jedoch befürchten 31 Prozent der befragten Führungskräfte, dass Teile ihrer Aufgaben zeitnah durch KI übernommen werden.

Vier Unternehmenstypen im Umgang mit KI

Die Studie ordnet die Unternehmen vier Typen zu, was ihren Umgang mit KI angeht:

  • Pioniere (19 Prozent) eilen voraus – sie verfügen bereits über ein tiefes Verständnis für KI und setzen sie umfassend in ihrem Produktportfolio sowie in internen Prozessen ein.
  • Prüfende (32 Prozent) verfügen über gute Kenntnisse zu KI, beschränken sich aber bislang weitgehend auf Pilotprojekte.
  • Experimentierfreudige (13 Prozent) testen KI und setzen sie nach dem Prinzip „Learning by doing“ ein, ohne tiefe KI-Kenntnisse zu besitzen.
  • Passive (36 Prozent) wenden KI bisher nicht an und haben geringe Kenntnisse in diesem Bereich.

„Unternehmen aus allen Bereichen stehen vor Herausforderungen, wenn es um die Entwicklung von KI geht“, resümiert Dr. David Kiron, Chefredakteur der MIT Sloan Management Review und Mitautor der Studie. „Pioniere bringen das notwendige Verständnis für KI mit. Ihre größten Hürden sind es, die benötigten Talente zu entwickeln und zu verpflichten sowie unterschiedliche Investitionsmöglichkeiten zu priorisieren. Im Unterschied dazu müssen passive Firmen erst noch herausfinden, wie ihnen künstliche Intelligenz überhaupt helfen kann. Vielen von ihnen ist noch gar nicht bewusst, welche Herausforderungen auf sie zukommen, wenn es darum geht, KI-Talente zu finden und zu gewinnen.“

Autor: Jürgen Schreier

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