Digitalisierung im Gesundheitswesen

McKinsey: Deutschland könnte jährlich bis zu 34 Milliarden Euro einsparen

Eine aktuelle Studie zeigt: Der Einsatz digitaler Technologien könnte die Gesundheits- und Versorgungskosten um zwölf Prozent senken und somit zu einer Einsparung von bis zu 34 Milliarden Euro führen. Der größte Nutzen liege in der elektronischen Patientenakte und der Online-Beratung.

Durch den Einsatz digitaler Technologien könnten im deutschen Gesundheitswesen bis zu 34 Milliarden Euro jährlich eingespart werden, so das Ergebnis einer aktuellen Studie von McKinsey. Dies entspreche rund zwölf Prozent der gesamten jährlichen Gesundheits- und Versorgungskosten von zuletzt 290 Milliarden Euro. Das größte Nutzenpotenzial bieten die elektronische Patientenakte, elektronische Rezepte sowie webbasierte Interaktionen zwischen Arzt und Patient.

„Das Potenzial von 34 Milliarden Euro setzt sich einerseits aus Effizienzsteigerungen, andererseits aus Reduzierung unnötiger Nachfrage zusammen“, erläutert McKinsey-Partner Stefan Biesdorf die Studienergebnisse. Die geringere Nachfrage ergebe sich, wenn beispielsweise Doppeluntersuchungen vermieden, unnötige Krankenhauseinweisungen verhindert und durch bessere Qualität der Folgebehandlungen minimiert würden. Die größte Einsparung verspreche die Umstellung auf eine einheitliche elektronische Gesundheitsakte, die allein 6,4 Milliarden Euro brächte.

Ärzte und Krankenhäuser profitieren von der Digitalisierung am meisten

Die Studie zeigt auch, wer von der Digitalisierung im Gesundheitswesen am meisten profitiert: 70 Prozent des erreichbaren Nutzens kommen bei den Leistungserbringern zugute, insbesondere Ärzten und Krankenhäusern. 30 Prozent landen bei den Krankenversicherungen.

Digitale Lösungen senken aber nicht nur Kosten, sie können auch Probleme entschärfen: Teleberatungen beispielsweise können der Studie zufolge den Personalmangel insbesondere in ländlichen Regionen abmildern. Die Möglichkeit für Patienten und Ärzte, eine virtuelle Beratung durch Spezialisten in Anspruch zu nehmen, könne den Zeitaufwand für Arzt- und Facharztbesuche erheblich reduzieren und den Bedarf an niedergelassenen Spezialisten, insbesondere in ländlichen Gebieten, reduzieren. Mit einer digitalen Lösung hätten die Pflegekräfte ortsunabhängig vollen Zugriff auf Patienteninformationen und könnten Befunde unterwegs über Tablets dokumentieren. Somit wäre eine effiziente, kontinuierliche Versorgung und Überwachung der Patienten in der ambulanten Pflege gewährleistet.

Finanzielle Mittel und technologische Voraussetzungen vorhanden

„Im europäischen Vergleich ist Deutschland bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen abgehängt“, stellt Volker Amelung fest, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Managed Care (BMC). An finanziellen Mitteln und technologischen Voraussetzungen fehle es allerdings nicht. Es sei allein eine Frage der Haltung. „Im deutschen Gesundheitswesen gibt es viele Akteure, für die der Status-quo besser ist als die Veränderung durch die Digitalisierung.“

Über die Studie

Für die Studie mit dem Titel „Digitalisierung im Gesundheitswesen: die Chancen für Deutschland“ hat McKinsey auf Basis von mehr als 500 internationalen Forschungsdokumenten das Verbesserungspotenzial von 26 digitalen Gesundheitstechnologien analysiert und in Experteninterviews überprüft. Kooperationspartner für Studie ist der Bundesverband Managed Care e.V. (BMC).

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