Digitalisierung

Mittelstand hat noch immer Nachholbedarf

Laut Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young ist bei jedem vierten mittelständischen Industrieunternehmen die Fertigung mithilfe digitaler Technologien inzwischen ganz oder teilweise vernetzt. Allerdings hat der Mittelstand noch immer Nachholbedarf – insbesondere was Investitionen angeht.

Mehr als 50 Prozent der mittelständischen Unternehmen produziert bereits zumindest teilweise digital. Am weitesten ist die Digitalisierung dabei im Kraftfahrzeugbau verbreitet: Bei 35 Prozent der Unternehmen ist die Produktion zumindest teilweise digital vernetzt, bei 10 Prozent davon sogar weitgehend oder gar vollständig vernetzt. Das sind die Ergebnisse einer Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY), bei der 1.157 mittelständische Industrieunternehmen in Deutschland befragt wurden.

Was den Einsatz digitaler Technologien angeht, ist sich die Mehrzahl der befragten Unternehmen einig: 80 Prozent der Unternehmen geben an, digitale Technologien in der Automatisierung von Produktionsprozessen einzusetzen. 60 Prozent setzen sie in der flexiblen Produktion, 24 Prozent im 3D-Druck und 11 Prozent im Bereich Künstlicher Intelligenz ein.

Für Michael Marbler, Partner bei EY und verantwortlich für den Bereich Mittelstand, zeigen die Ergebnisse, dass die mittelständischen Unternehmen die Digitalisierung vorantreiben. „Der deutsche Mittelstand hat es immer wieder verstanden, sich auf neue Herausforderungen einzustellen und innovativ zu bleiben. Die meisten Unternehmen stellen sich auch jetzt auf die Digitalisierung ihrer Produktion ein. Allerdings hat knapp die Hälfte der mittelständischen Industrieunternehmen noch Nachholbedarf, da sie heute ihre Produktion noch nicht digital steuert. Angesichts der hohen Dynamik von Industrie 4.0, könnte sich das für sie als Wettbewerbsnachteil erweisen, wenn sie beim Thema Digitalisierung nicht rechtzeitig aufholen.“

31 Prozent des Gesamtumsatzes stammt aus "I40-Produkten"

Derzeit erwirtschaften die Unternehmen, die zumindest zum Teil digitalisierte Produktionsprozesse nutzen, nach eigenen Angaben im Durchschnitt 31 Prozent ihres Gesamtumsatzes mit Produkten, die durch Industrie-4.0-Technologien hergestellt wurden. 2020 soll dieser Anteil aber bereits bei 39 Prozent liegen – also eine deutliche Steigerung innerhalb von zwei Jahren um acht Prozentpunkte.

Auch hier variieren die Zahlen je nach Branche: Bau- und Kraftfahrzeugbau kommen auf einen Umsatzanteil von 25 Prozent, der Maschinenbau auf einen Anteil von 27 Prozent. Die Investitionen in Digitalisierung sollen sich vor allem in Zukunft auszahlen: Alle drei Branchen wollen die Anteile, der mittels Industrie 4.0 hergestellten Produkte in den kommenden zwei Jahren deutlich steigern auf 35 Prozent (Bau, Maschinenbau) beziehungsweise 39 Prozent (Kraftfahrzeugbau). Die Elektrotechnik oder die Ernährungsindustrie sind heute bereits deutlich weiter: Die Elektrotechnik erwirtschaftet 47 Prozent ihres Umsatzes mit Produkten aus Industrie-4.0-Herstellung, die Ernährungsindustrie 42 Prozent. Beide wollen in zwei Jahren fast die Hälfte (49 Prozent) ihres Umsatzes damit erzielen.

Zaghaftes Engagement

Gemessen an den möglichen positiven Auswirkungen, wirkt das Engagement des Mittelstandes allerdings noch sehr zaghaft: 45 Prozent geben nur ein bis zwei Prozent ihres Gesamtumsatzes für Investitionen in digitale Technologien aus, ein Viertel investiert immerhin noch drei bis fünf Prozent des Umsatzes. Lediglich jedes zehnte Unternehmen setzt mit einem Umsatzanteil von mindestens zehn Prozent voll auf Industrie 4.0. Im Schnitt investieren die Unternehmen 3,4 Prozent ihres Umsatzes in digitale Technologien. Insbesondere der Maschinenbau investiert mit knapp vier Prozent seines Gesamtumsatzes überdurchschnittlich viel in den Bereich Industrie 4.0. Der Kraftfahrzeugbau ist mit einem Anteil von 3,5 Prozent nur leicht über dem Durchschnitt.

Bitte beachten Sie

Die Beiträge in der Rubrik "Trends und Innovationen" sind Inhalte unseres Medienpartners Vogel Business Media. Sie spiegeln nicht unbedingt die Meinung von DATEV wider.