Digitalisierung

Mittelstand schöpft Digitalisierungspotential nicht aus

Eine aktuelle Analyse von KfW Research zeigt: Der Mittelstand schöpft das Potential der Digitalisierung nicht aus. Demnach hat nur jedes vierte Unternehmen in den Einsatz digitaler Technologien für Prozesse, Produkte oder Dienstleistungen investiert.

Nur jeder vierte Mittelständler investierte in den vergangenen drei Jahren in den Einsatz neuer oder verbesserter digitaler Technologien für Prozesse, Produkte oder Dienstleistungen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse von KfW Research. Demnach habe der Mittelstand 2016 lediglich 14 Milliarden Euro für Digitalisierungsvorhaben ausgegeben. Im Vergleich: In Maschinen, Gebäude, Einrichtungen o. ä. investierten die Mittelständler 169 Milliarden Euro. Im Durchschnitt gibt eine Firma 18.000 Euro für Digitalisierungsvorhaben aus, so die KfW weiter.

Laut KfW spielt die Erneuerung von IT-Strukturen (54 % der Befragten) die größte Rolle bei den Digitalisierungsvorhaben des Mittelstands, dicht gefolgt von der Digitalisierung des Kontakts zu Kunden und Zulieferern (52 %). Investitionen in den Aufbau von spezifischem Knowhow (38 %), die Reorganisation von Workflows (29 %) oder die Einführung neuer Marketing- und Vertriebskonzepte (29 %) seien weniger häufig. Mit 19 % aller Vorhaben ist die Digitalisierung von Produkten oder Dienstleistungen am seltensten.

Nur wenige Projekte wurden abgeschlossen

Zwar bringt diese hohe Anzahl von Kleinunternehmen zusammen mit insgesamt 4,3 Milliarden Euro einen erheblichen Anteil an den gesamten Digitalisierungsausgaben des Mittelstands auf; die Masse von ihnen hat aber in der Digitalisierung bislang noch kein Potential für das eigene Geschäftsmodell erkannt: Nur 24 % sollen in den zurückliegenden drei Jahren überhaupt ein entsprechendes Projekt abgeschlossen haben. Mit zunehmender Unternehmensgröße nehmen die Digitalisierungsanstrengungen zu: Große Mittelständler mit mehr als 50 Mitarbeitern können 45 % abgeschlossene Vorhaben vorweisen, so die Studie weiter.

Große Mittelständler digitalisieren jedoch nicht nur häufiger, sondern ihre Projekte sind auch technologisch anspruchsvoller, wie ein Blick auf unterschiedlichen Arten von Digitalvorhaben zeigt: So erneuern die Großen häufiger ihre IT-Strukturen, halten den Aufbau von Digitalisierungskompetenzen im eigenen Betrieb für wichtig oder nehmen sich die Reorganisation von Workflows vor. Kleine Firmen sind hingegen vor allem damit befasst, die Schnittstelle zu Kunden und Zulieferern zu digitalisieren, oder investieren in digitale Marketing- und Vertriebskonzepte. Es ist davon auszugehen, dass die großen Mittelständler diese Digitalisierungsstufen bereits seit längerem hinter sich haben.

Unterschiede zwischen Branchen

Neben der Unternehmensgröße hat auch die Branchenzugehörigkeit einen starken Einfluss auf die Digitalisierungsaktivitäten im Mittelstand: Wenig überraschend ist dabei, dass wissensbasierte Dienstleister wie etwa Medien-, IT-Dienstleister, Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatungen (32%) besonders aktiv sind. Gleiches gilt für Firmen aus dem FuE-intensiven Verarbeitenden Gewerbe (31 %) – hierzu zählen beispielsweise Maschinenbau, Elektrotechnik oder Chemie. Im Baugewerbe spielen Digitalisierungsprojekte laut der KfW-Analyse kaum eine Rolle (13 %).

Die aktuelle Untersuchung von KfW Research bildet erstmals die Digitalisierungsaktivitäten des gesamten deutschen Mittelstands repräsentativ in seiner ganzen Breite ab. Auf Basis des KfW-Mittelstandspanels wurden Unternehmen aller Größenklassen und Branchen dazu befragt, ob und wie sie ihre Digitalisierung zwischen 2014 und 2016 ausgebaut haben. Anders als in früheren Studien sind auch die kleinen Firmen mit weniger als fünf Mitarbeitern erfasst. Diese Kleinunternehmen stellen das Gros des deutschen Mittelstands – 81 % aller mittelständischen Betriebe fallen in diese Größenklasse.

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