Ausbildung für Industrie 4.0

Prozesskompetenz von Anfang an

Vor allem im Maschinenbau spüren die Beschäftigten die Digitalisierung. Diese Entwicklung stellt zugleich neue Anforderungen an die Qualifikation von Mitarbeitern sowie an die Inhalte von Ausbildungsberufen.

Moderne Technologien, komplexe Prozesse und Industrie 4.0: Die Produktion wandelt sich enorm. "Unternehmen werden diese Herausforderungen nur mit qualifizierten Mitarbeitern meistern", so Jens Hertwig, Geschäftsführer der N+P Informationssysteme GmbH aus Meerane und Vorstandsmitglied des VDMA Ost. "Schon in wenigen Jahren wird es in der Fertigung wahrscheinlich zwei Typen von Facharbeitern geben: diejenigen, die das vielschichtige System der Produktion am Laufen halten – und jene, die für stabile Auftragsprozesse sorgen", blickte er auf die Produktion von 2030. Vor allem die steigende Prozessorientierung müsse sich künftig in den Ausbildungsinhalten der gewerblichen Berufe widerspiegeln. Wichtig sei auch, die Prozesskompetenz bereits ab dem ersten Ausbildungsjahr zu vermitteln.

Berufsbilder an Industrie 4.0 anpassen

"Die Digitalisierung zwingt uns zu schnellerem Handeln", erklärte Udo Staps, Geschäftsführer der FKT Formenbau und Kunststofftechnik GmbH aus Triptis und Vizepräsident der IHK Ostthüringen. "Komplett neue Berufe sind indes derzeit nicht gefragt. Oftmals reichen Zusatzqualifikationen, um bestehende Berufsbilder wie den Mechatroniker oder Industriemechaniker inhaltlich an die neuen Erfordernisse von Industrie 4.0 anzupassen. Dafür sei aber ein gewisses Maß an Risikobereitschaft und Experimentierfreude notwendig", ergänzte der Unternehmer.

Eine gute Grundlage für die digitalisierte Produktion sind zudem produktionstechnische Aus- und Fortbildungsberufe. Die Kaeser Kompressoren SE mit Hauptsitz in Coburg und einer Fertigungsstätte im thüringischen Gera nutzt deren Vorteile und bildet seit mehreren Jahren junge Menschen zu Produktionstechnologen aus. "Generell ist die Zahl der Ausbildungsstellen allerdings noch gering", stellte Uwe Grundmann, Leiter des Produktionszentrums fahrbare Kompressoren im Werk Coburg fest.

Die Gründe dafür sind laut Grundmann vielfältig. Zum einen ist das noch junge, vom VDMA und seinen Mitgliedsfirmen konzipierte Berufsbild in den Unternehmen zu wenig bekannt. Zum anderen ist die Ausbildung in den Berufsschulen kaum verankert. So gibt es in Ostdeutschland lediglich im thüringischen Ilmenau eine Landesfachklasse, in der Produktionstechnologen ausgebildet werden.

Produktionstechnologe - ein Beruf mit Zukunft

"Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem Berufsbild und der Ausbildung in der Region gemacht. Daher muss die Landesfachklasse unbedingt erhalten werden", mahnte Grundmann. Bei Kaeser werden die jungen Facharbeiter in der Arbeitsvorbereitung, Produktionslogistik und im Service eingesetzt. Sie verzahnen erfolgreich Maschinen, Informationstechnologie und Unternehmensorganisation miteinander und tragen so entscheidend zu einer reibungslosen Produktion bei.

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