Nachbericht IFA 2017

Security für Smart Home, digital Health und Staubsauger

Wer Lösungen und Services im Bereich Security anbietet, findet ein weites Betätigungsfeld. Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte bilden da keine Ausnahme. Chancen für neue Partnerschaften tun sich auf.

Wer früher Security-Lösungen auf der IFA suchte, erntete ein Kopfschütteln. Eine Messe für Consumer Electronics und Home Appliances war wenig geeignet, um sich über Security zu informieren oder um dort Sicherheits-Lösungen zu präsentieren.

Der Bedarf an Security-Lösungen in den auf der IFA vertretenen Märkten ist jedoch hoch. Marco Preuß, Leiter des europäischen Forschungs- und Analyse-Teams bei Kaspersky Lab, informierte während der IFA über Cybersicherheit und Gefahren im Zeitalter des Internets der Dinge (IoT). Schließlich zeige die IFA, wie sich das Internet der (un)sicheren Dinge bereits in unserer digitalen Umwelt etabliert hat.

Trotzdem gab es nur wenige Security-Anbieter, die als Aussteller an der IFA 2017 teilgenommen haben. Dazu gehörte Magenta Security. Telekom Deutschland zeigte in Halle 21a nicht nur Sicherheitslösungen für das Smart Home, sondern hatte einen ganzen Bereich, in dem Cyber Security im Fokus stand. Beispielhaft zeigten sich hier die beiden Stoßrichtungen für Security auf der IFA: Security aus dem Smart Home (wie Überwachungskameras und Zutrittskontrollsysteme) und Security für das Smart Home (Schutz des Smart Home vor Cyber-Attacken).

Sicherheit für das Smart Home

Die IFA 2017 widmete dem Smart Home wieder einen Sonderausstellungsbereich. Dafür gibt es gute Gründe: Der deutsche Smart-Home-Markt boomt und wird bis 2022 um durchschnittlich jährlich 26,4 Prozent bis auf 4,3 Milliarden Euro anwachsen, so die auf der IFA präsentierte Studie „Der deutsche Smart-Home-Markt 2017 – 2022. Zahlen und Fakten“ vom Eco Verband und Arthur D. Little. Damit wachse der deutsche Smart-Home-Markt deutlich stärker als etablierte deutsche Branchen. Als attraktives Wachstumsfeld wird der Markt zahlreiche Unternehmen aus unterschiedlichen Sektoren anziehen, in diesem Bereich aktiv zu werden. Smart-Home-Lösungen böten mittelfristig florierende Geschäftsmodelle für Unternehmen unterschiedlicher Geschäftsfelder. Dazu zählen Gesundheit und betreutes Wohnen, Haushaltsgeräte, Unterhaltung, Zugangskontrolle, Licht- und Fernsteuerung, Energiemanagement und nicht zuletzt Sicherheit.

Smart Home und Sicherheit sind eng verknüpft und müssen es auch sein: Wer sich ein Smart-Home-Produkt kauft, wünscht sich Transparenz bei Sicherheit und Datenschutz, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bitkom ergab. Einen vom Hersteller garantierten Schutz vor Hacker-Angriffen finden 89 Prozent der Befragten wichtig.

Entsprechend besteht Bedarf an Lösungen zur Prüfung der Sicherheit und zur weiteren Absicherung von IoT / Smart Home. Auf der IFA 2017 gab es einige Beispiele dafür:

•Das VDE-Institut informierte auf der IFA unter anderem über seine Smart Home-Testplattform, mit der es möglich sein soll, alle derzeit am Markt eingesetzten Smart Home-Technologien der verschiedenen Branchen (beispielsweise Multimedia, Haushaltsgeräte, Gebäudeautomation, Heizung) und Hersteller zu evaluieren und zu prüfen.

•Ayla Networks stellte seine IoT-Plattform vor, die Smart Home-Herstellern auch Security-Funktionen zur Absicherung ihrer Lösungen anbietet, darunter Benutzerkontrolle und Verschlüsselung.

•Weitere IoT-Plattformen, die Sicherheitsfunktionen in Smart Home-Anwendungen einbringen können, sind Geeny, ein Startup, das zu Telefonica Germany gehört, sowie Smartfrog.

Neuer Sicherheitsbedarf bei Haushaltsgeräten

Haushaltsgeräte waren wie üblich ein Schwerpunkt der IFA. Doch die Nutzung der Geräte ändert sich. Die Geräte im Haushalt per Sprachbefehl zu steuern, das würde laut Bitkom ein Viertel der Bundesbürger ab 14 Jahren (26 Prozent) gerne tun. Knapp die Hälfte der von Bitkom Befragten (52 Prozent), die kein Interesse an einem Sprachassistenten haben, sagten, dass sie Angst haben, dass Dritte die Sprachassistenten hacken könnten.

Neben den digitalen Assistenten wie Alexa & Co finden sich auch Kamerafunktionen und Möglichkeiten zur App-Steuerung in zunehmend vielen Haushaltsgeräten: Ob eine Multifunktions-Küchenmaschine, die per App gesteuert werden kann, oder ein Saugroboter mit Stereokameras, die das Kamerabild über eine App als Live-Cam-Bilder verschicken können: Die IFA 2017 zeigte einmal mehr, dass klassische Haushaltsgeräte inzwischen Teil des Internet of Things sind und Funktionen bieten, die gegen Missbrauch geschützt sein müssen.

Security-Partnerschaften öffnen spannende Märkte

Mehr Sicherheit für Smart Homes und IoT-Geräte erfordert zusätzliche Funktionen in den Geräten, die Installation von passenden Security Apps (soweit möglich) oder den Einsatz von Security-Gateways, die Smart-Home- oder IoT-Lösungen gegen mögliche Attacken abschirmen.

Was bei den verschiedenen IoT- oder Smart-Home-Lösungen möglich und sinnvoll ist, unterscheidet sich von Fall zu Fall. Umfragen und Studien zeigen jedenfalls, dass die Kunden in den IFA-Märkten mehr Sicherheit und Datenschutz erwarten. Können die Anbieter dies nicht selbst leisten, kann der Channel durch zusätzliche Security-Angebote punkten und sich interessante Märkte erschließen.

Lars Riegel, Principal bei der Unternehmensberatung Arthur D. Little und einer der Autoren der neuen Eco-Studie zu Smart Home, betonte die Bedeutung von Partnerschaften: „Es geht bei diesen smarten Geschäftsmodellen immer darum, dass Unternehmen, die dort aktiv sein wollen, sich in ein Ökosystem einfügen und mit anderen Unternehmen kooperieren müssen.“

Wer selbst IoT-Lösungen entwickeln und anbieten möchte, für den wurden auf der IFA 2017 Lösungen vorgestellt, die wichtige Security-Funktionen gleich mitbringen. Gespräche mit Smart Home Ausstellern zeigten, dass sie auch Bundles aus Smart-Home-Paketen und Cyber-Security-Angeboten für „durchaus interessant“ einstufen.

Vielleicht entwickelt sich die IFA dann noch eines Tages zur Security-Messe. Ohne Sicherheit jedenfalls geht es auch bei Consumer Electronics und Home Appliances nicht. Dass die klassischen Märkte der IFA-Aussteller ohne Security nicht mehr auskommen, ist für den Channel Chance und Herausforderung zugleich.

Bitte beachten Sie

Die Beiträge in der Rubrik "Trends und Innovationen" sind Inhalte unseres Medienpartners Vogel Business Media. Sie spiegeln nicht unbedingt die Meinung von DATEV wider.