YouGov-Studie

Sparpotenzial von gebrauchter Software ungenutzt

Unwissenheit und Unsicherheiten in Unternehmen hindern die Einsparungen, die hinter gebrauchter Software liegen. Dabei müssen Händler von Gebrauchtlizenzen Dokumentationspflichten einhalten, die 2012 und 2014 gerichtlich festgelegt wurden und somit den Handel legal machten.

Die Urteile des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesgerichtshofs aus den Jahren 2012 und 2014 scheinen an vielen Unternehmen vorbei gegangen zu sein. Der Handel und die Nutzung von gebrauchter Software sind legal. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie per Download oder über physischen Datenträger installiert wird.

Zertifizierte Händler

Michael Helms, Vorstand der Soft & Cloud AG, führt dies auf falsche Schlussfolgerungen zurück: „Viele Interessenten denken, dass es sich bei Gebrauchtsoftware um CDs oder Aktivierungscodes handelt, die über Auktionsplattformen im Internet gehandelt werden.“ Dabei unterstehen Käufer und Verkäufer bestimmten Dokumentationspflichten: Wo kommt die Software her und wie wird sie weiter verwendet? Gerade seriöse Händler sind am TÜV-Zertifikat für den sicheren Lizenztransfer zu erkennen. Wer ein Auge auf die Lizenz für Windows' Betriebssystem oder Microsofts Office geworfen hat, hat große Chancen, im Markt fündig zu werden. Sie stellen zusammen nämlich über 90 Prozent des Handelsvolumens.

Image-Probleme

In der Regel ist gebrauchte Software für die Hälfte des Originalpreises verfügbar. Drei Viertel der Befragten der YouGov-Studie zu diesem Thema verneinen den Kauf gebrauchter Software deutlich. Nur knapp ein Viertel nutzt Software aus zweiter Hand.

Das Sparpotenzial, das hinter dem Handel mit gebrauchter Software steckt, möchten weit über die Hälfte der befragten Unternehmen auch in Zukunft nicht nutzen, ganze 64 Prozent planen innerhalb der nächsten zwölf Monate nicht mit der Anschaffung. Elf Prozent denken darüber nach. Nur ein Fünftel hegen den Gedanken beziehungsweise wollen ganz sicher in Zweite-Hand-Software investieren. Helms erläutert: „Diese Zahlen belegen, dass sich die Akzeptanz von gebrauchter Software nur sehr, sehr langsam erhöht. Dieses stark wachsende Wirtschaftssegment leidet nach wie vor unter einem falschen Image.“

Kein illegales Unterfangen

Über ein Drittel der Befragten (34 Prozent) ist sich unsicher und vermutet hinter den Gebrauchtlizenzen meist technische Probleme bei der Installation. 29 Prozent haben Schwierigkeiten, an seriöse Anbieter zu gelangen. 28 Prozent befürchten rechtliche Probleme. Gerade die Unsicherheit, gar Unkenntnis über die Möglichkeiten gebrauchter Software, ist das Problem, laut Helms. Elf Prozent waren sich nicht bewusst, dass der legale Handel mit Gebrauchtlizenzen existiert. Den Handel generell für illegal halten zehn Prozent.

Klar ist, dass die deutsche Wirtschaft das Sparpotenzial, das hinter den Gebrauchtlizenzen liegt, nicht nutzt. In vielen Fällen lehnen es Unternehmen sogar entschieden ab – unbegründet, denn die Urteile für die Legalität wurden bereits gefällt.

Über die Studie

YouGov führte die Umfrage online durch. 515 Personen nahmen in der Septemberwoche teil, in der die Umfrage geschalten war. Die Befragung fand im Auftrag von der Soft & Cloud AG statt, die gebrauchte Softwarelizenzen in Europa vertreibt.

Bitte beachten Sie

Die Beiträge in der Rubrik "Trends und Innovationen" sind Inhalte unseres Medienpartners Vogel Business Media. Sie spiegeln nicht unbedingt die Meinung von DATEV wider.