Digitale Agenda

Studie zur Digitalen Souveränität

Bis Ende 2018 sollte Deutschland eine flächendeckende Internet-Grundversorgung mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde erhalten, um so die Digitalisierung voranzubringen.

Am 12. Juni 2017 erhielt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie brisante Post. Der Inhalt der Nachricht: der aktuelle Status Quo der Digitalisierung in Deutschland. Im Zuge der Digitalen Agenda sollte seit 2014 Deutschland auf den Weg ins digitale Zeitalter geführt werden. Um das zu erreichen, setzte man sich in Berlin das Ziel, Infrastrukturen auszubauen. Aushängeschild sollte dabei schnelles Internet für Jedermann werden. Weitere Bestrebungen plante das BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) in den Handlungsfeldern der IT-Sicherheit, um das Vertrauen in digitale Strukturen aufzubauen, und somit eine Wirtschaft 4.0 zu entwickeln. Das FZI Forschungszentrum Informatik, Accenture und Bitkom Research wurden damit beauftragt, die digitale Souveränität Deutschlands zu analysieren. Zentrale Frage dabei war, über welche Kompetenzen staatliche Einrichtungen und Unternehmen bereits verfügen. Aus der Studie sollen gezielt strategische Prozesse entwickelt werden, um Deutschland weiter aus bestehenden digitalen Abhängigkeitsverhältnissen in einen souveränen Akteur zu transformieren.

Untersuchungsfelder

Die Studie beleuchtet sieben Untersuchungsfelder: Hardware-Architekturen und Infrastruktur, Software-Architekturen und -Anwendungen, Umwelt-Technik-Interaktion, Management von Daten, Anwendungen und Diensten, Data Analytics und Machine Learning, IT-Sicherheit und Entwicklung digitaler Technologien. Neben der Erfassung von aktuellen Marktuntersuchungen und Studien wurde ebenfalls ein Workshop mit ausgewählten Experten und eine Online-Befragung durchgeführt.

Betreffend Rechenzentren wurde festgestellt, dass Deutschland mit 25 Prozent den größten Anteil am europäischen Rechenzentrumsmarkt vorweisen kann. Die Anwender loben dabei besonders den effizienten Energiebedarf der Server. Als Hindernis für zukünftige Investitionen stehen allerdings die hohen Strompreise im Wege. Die Konzentration der Breitband-Infrastruktur auf wenige Dienstleister wurde ebenfalls negativ bewertet.

Start-Ups als Einzelkämpfer

Die Untersuchungen der Software-Architekturen und -Anwendungen ergaben unter anderem, dass Ökosysteme fehlen beziehungsweise nicht ausreichend entwickelt seien. Viele Start-Ups sind „Einzelkämpfer“ und können dementsprechend nicht von Synergien profitieren. Ein Grund dafür könnte die mangelnde staatliche Unterstützung für den Aufbau solcher Ökosysteme sein. Immerhin, 60 Prozent der deutschen Unternehmen sind bemüht, sich in ein digitales Umweltsystem einzugliedern. Dennoch haben erst 10 Prozent ihr Digitalisierungspotenzial ausgeschöpft.

Im Bereich Umwelt-Technik-Interaktion verzeichnet die Studie, dass Produkte „Made in Germany“ auf dem Weltmarkt einen hohen Qualitätsstand innehalten. Während die Vorteile der Augmented Reality-Technologien bereits im Gesundheitswesen und der Industrie genutzt werden, besteht die Gefahr, den Anschluss zum Markt bei B2C-Lösungen zu verlieren. Ob es allerdings für den Endkunden wichtig ist, zu erkennen, welches Teil eines Ganzen aus deutscher Hand kommt, steht zur Debatte. Zum Thema Internet of Things (IoT) hält die Studie die Prognose bereit, dass 50 Prozent der geplanten Investitionen bis 2020 in Industrie-4.0-Lösungen fließen werden. Dies würde sich für klein- und mittelständische Unternehmen als Vorteil erweisen, da sich hier neue Technologien erst in Prozesse einbinden lassen, wenn sie ein fortgeschrittenes Stadium aufweisen.

Problem Privatsphäre

Besondere Gewichtung als Schlüsselrolle erhält die Sparte Data Analytics und Machine Learning. 90 Prozent der Befragten einer Accenture-Studie sehen den steigenden Stellenwert für die gesamte deutsche Wirtschaft, planen dennoch nicht mit Investitionen. Ein ähnliches Bild ergibt sich bezüglich Big-Data-Technologien. Das Bewusstsein für die Chance einer intelligenten Datenauswertung und deren Auswirkungen für Gesellschaft und Wirtschaft ist zwar vorhanden, trotzdem sind die Sorgen um die eigene Privatsphäre groß. Probleme stellen für Befragte die Transparenz der Datennutzung und die Verständlichkeit der AGBs dar.

In der Security-Branche kann sich Deutschland sehen lassen – eigentlich. 80 Prozent der inländischen Nachfrage nach Sicherheitslösungen werden auch inländisch bedient. Qualitativ nehmen die deutschen Lösungen sogar die führende Position ein. Dennoch befindet sich keiner der elf deutschen Vertreter, die unter den Top-500-Anbietern weltweit zu finden sind, auch unter den Top-100. Vor allem klein- und mittelständische Unternehmen sichern ihre Systeme aufgrund finanzieller Gründe meist nur durch Passwörter oder Firewalls.

Kultur der IT-Sicherheit

Das BMWi schlägt vor, einen IT-Sicherheitsbeauftragten in Unternehmen zu ernennen und somit eine „Kultur der IT-Sicherheit“ zu etablieren. Ausbildungsberufe sollten die Fähigkeiten zum autodidaktischen Lernen fördern, um mit der Geschwindigkeit der neuen Technologien mithalten zu können. Um Innovationen zu beschleunigen, empfiehlt es sich, Ökosysteme zu fördern und damit Synergien auch länderübergreifend zu schaffen. Verwaltungen und öffentliche Anlaufstellen könnten Bürgerinnen und Bürger gezielt Vergünstigungen anbieten, wenn sie digitale Leistungen nutzen, um Kompetenzen im E-Government-Bereich zu fördern.

Ziel: Wirtschaft 4.0

Die Post vor der Urlaubszeit, die das BMWi Mitte Juni aus der Forschung erhalten hat, lässt zwar an manchen Stellen aufatmen. So ganz kann das Ministerium seine Füße aber nicht hochlegen. Der Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur zeigt, dass beispielsweise der Osten Bayerns und das Gebiet zwischen Magdeburg und Leipzig noch großen Bedarf an Breitband zeigen. Es besteht demnach definitiv noch Handlungsbedarf, um die Baustellen auf dem Weg zur Digitalisierung schnellstmöglich zu beenden, und letztendlich doch noch das Ziel „Wirtschaft 4.0“ zu erreichen.

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