Bitkom-Studie

Unternehmen müssen Digitalstrategien erarbeiten

Die Digitalstrategie ist zwar da, die Investition in neue Geschäftsmodelle aber nicht. Geschäftsführern und Vorständen fehlt es an finanziellen Mitteln und Zeit für die Digitalisierung. Zu diesem Fazit kommt eine aktuelle Bitkom-Studie.

Achim Berg, Bitkom-Präsident, betont: „Viele Unternehmen, gerade im Mittelstand, haben derzeit prall gefüllte Auftragsbücher und machen gute Geschäfte mit ihren etablierten Produkten. Das Geschäft von morgen ist aber ausschließlich digital. Dieses Geschäft muss gerade jetzt, in der wirtschaftlichen Hochkonjunktur, vorbereitet werden. Niemand, der Verantwortung für ein Unternehmen trägt, darf ernsthaft sagen: Wir haben kein Geld und keine Zeit für die Zukunft.“

Offenheit für Digitalisierung

Die deutsche Wirtschaft steht der Digitalisierung durchaus offen gegenüber. Neun von zehn Unternehmen (89 Prozent) sehen sie sogar als Chance für das eigene Unternehmen. Lediglich acht Prozent nehmen sie als Risiko wahr. Besonders positiv eingestellt sind Unternehmen aus der Industrie (99 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr haben sich nun mehr Unternehmen um eine Digitalstrategie bemüht. Waren es 2017 noch 68 Prozent, die eine etablierte digitale Strategie hatten, sind es aktuell 78 Prozent. 43 Prozent gaben an, eine zentrale Digitalstrategie zu verfolgen. 35 Prozent verfolgen sie in einzelnen Unternehmensbereichen. „Digitalisierung betrifft alle Unternehmensbereiche. Wer ausschließlich die Personalabteilung oder den Einkauf digitalisiert, der macht zwar einen wichtigen ersten Schritt, schafft aber Technologiebrüche in seiner Prozesslandschaft und lässt Digitalpotenziale ungenutzt“, so Berg.

Als Folge der Digitalisierung passen Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen an. 37 Prozent gaben an, Produkte vom Markt zu nehmen, 63 Prozent nahmen eine Anpassung vor. Fast jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) reagierte mit neuen Produkten und Dienstleistungen. Im Vorjahr waren es noch vier Prozentpunkte weniger. Auch das Stichwort „digitale Plattform“ hat an Bekanntheitsgrad gewonnen. 49 Prozent haben immerhin davon gehört. Vor zwei Jahren war es erst jedes dritte Unternehmen (36 Prozent). Zwei Drittel (64 Prozent) der befragten Unternehmen, die schon von digitalen Plattformen gehört haben, sind auf solchen aktiv. 59 Prozent bieten Produkte oder Dienste auf einer Plattform an, 43 Prozent sind dort Kunden und 12 Prozent betreiben sogar selbst eine Plattform.

Deutsche Unternehmen sind Nachzügler

Dennoch geben 58 Prozent der Befragten an, sich als Nachzügler der Digitalisierung zu sehen. Nur jedes dritte Unternehmen (35 Prozent) bezeichnet sich selbst als Vorreiter. Grob könnte man das Fazit ziehen: Je kleiner das Unternehmen, desto größer wird der eigene Nachholbedarf eingeschätzt. So geben 60 Prozent der Unternehmen mit 20 bis 99 Mitarbeitern an, noch Luft nach oben zu haben. Steigt die Mitarbeiteranzahl auf 100 bis 499, sind es 53 Prozent. Bei 500 bis 1.999 Mitarbeitern geben dies nur noch 48 Prozent an. Hat das Unternehmen über 2.000 Mitarbeiter, sehen sich nur noch 24 Prozent der Befragten als digitale Nachzügler. 74 Prozent dieser Kategorie geben sogar an, digitaler Vorreiter zu sein. 24 Prozent der Befragten sehen ihr eigenes Unternehmen durch die Digitalisierung sogar gefährdet. 33 Prozent haben Probleme, die Digitalisierung in ihrem Unternehmen umzusetzen. Die größte Hürde ist die fehlende Zeit im Tagesgeschäft, geben 32 Prozent der Manager an. Jeder Fünfte (21 Prozent) nennt fehlende finanzielle Mittel.

Im weltweiten Kontext sehen nur noch 25 Prozent der befragten Unternehmen Deutschland in der Spitzengruppe. Vor einem Jahr waren es noch 36 Prozent. Generell gilt, schnell die nächsten Schritte Richtung Digitalstrategie einzuleiten: „Jedes Unternehmen braucht erstens eine Digitalstrategie, die idealerweise für das ganze Unternehmen gilt und die Entwicklung neuer, digitaler Geschäftsmodelle in den Fokus rückt. Zweitens braucht eine erfolgreiche Digitalisierung Ressourcen, sowohl Zeit als auch Geld. Und drittens sollte jedes Unternehmen Zukunftstechnologien im eigenen Unternehmen nutzen oder zumindest mit ihnen experimentieren“, rät Achim Berg.

Über die Studie

Im Auftrag von Bitkom wurde die Umfrage von Bitkom Research durchgeführt. Befragt wurden Geschäftsführer und Vorstände von 604 Unternehmen mit 20 oder mehr Beschäftigten in Deutschland.

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