Digital Leadership 2017

Wenig Digitalisierungswissen auf deutschen Chefetagen

Gerade einmal die Hälfte der deutschen (Top-)Führungskräfte nehmen sich zwei Stunden wöchentlich Zeit, um ihr eigenes Wissen und die Fähigkeiten ihres Unternehmens in Sachen Digitalisierung zu verbessern.

Rund 9,5 Millionen Treffer liefert die Google-Suche unter diesem Stichwort. Beim Begriff "Digitale Transformation" spuckt die Suchmaschinen sogar 14 Millionen Fundstellen aus. Das Thema "Digitalisierung" sollte folglich in aller Munde sein. Doch weit gefehlt. Geringe digitale Kenntnisse der Mitarbeiter sind angesichts der Herausforderungen der Industrie 4.0 die sprichwörtliche Achillesferse der deutschen Wirtschaft: Nur ein knappes Drittel der Belegschaften in den Unternehmen hat laut der Studie „Digital Leadership 2017“ der Personalberatung Rochus Mummert einen guten oder sehr guten Überblick in "digitalen" Dingen.

Mäßige Bereitschaft zum Wissenserwerb

Aber auch im Top-Management sowie in der zweiten und dritten Führungsebene ist der Anteil mit 47 Prozent der Digital-Kunden recht überschaubar. Doch statt diesen Rückstand mit aller Kraft aufzuholen, investiert etwa jede zweite Spitzenkraft lediglich nur bis zu zwei Stunden pro Woche im Büro, nach Feierabend oder am Wochenende, um das eigene Digital-Wissen sowie das des Unternehmens auszubauen. 22 Prozent der Manager nehmen sich sogar weniger als eine Stunde wöchentlich dafür Zeit.

„Die geringe Bereitschaft, sich on- oder off-the-Job mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen, wird oft damit entschuldigt, dass der operative Alltag einem zu wenig zeitliche Spielräume lasse“, hat Peter Schoppe, Associate Partner bei Rochus Mummert, festgestellt. „Dabei müsste das Thema doch längst fester Bestandteil des Berufslebens einer Führungskraft sein. Denn nur wer ständig über Neuerungen in Sachen Digitalisierung und Industrie 4.0 auf dem Laufenden bleibt, kann auf die disruptiven Veränderungen der Märkte reagieren, sie nutzen oder sogar vorantreiben.“

Unter den befragten Vorständen und Geschäftsführern ist die Lernbereitschaft vergleichsweise höher: Der Studie zufolge investieren fünf Prozent von ihnen mehr als einen Tag pro Woche in das Thema Digitalisierung, 17 Prozent mindestens fünf Stunden und 40 Prozent zwei bis fünf Stunden. Digitalisierungsexperte Schoppe: „Die Studienergebnisse bestätigen den Eindruck aus der Praxis, dass die erste Ebene in den Unternehmen die Digitalisierung forciert – oder eben forcieren muss. Dennoch tut das Top-Management insgesamt zu wenig. Seine Bereitschaft, sich auch außerhalb des Geschäftsalltags mit der digitalen Transformation zu beschäftigen, sollte daher dringend steigen.“

Viele Top-Manager überschätzen ihre digitalen Fähigkeiten

Ein weiterer Grund für den begrenzten Lerneinsatz vieler Manager könnte laut der Rochus-Mummert-Studie eine andere Selbstwahrnehmung in digitalen Belangen sein. Zählen sich doch zwei von drei Befragten bereits zu den Digital Leadern ihres Unternehmens. „Leider überschätzen nicht wenige Spitzenkräfte ihre digitalen Fähigkeiten, da sie sich meist nur mit ihren direkten Kollegen und Mitarbeitern vergleichen statt den Austausch außerhalb der eigenen Organisation zu suchen“, so Schoppe von Rochus Mummert. „Die digitale Reise eines Unternehmens ist immer ein Führungsthema. Nur wer seiner Belegschaft die Begeisterung für die Digitalisierung und das Verlassen gewohnter Pfade vorlebt, wird letztlich den Funken auf die Mitarbeiter übertragen können.“

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