CHANNEL FOKUS: Telecommunication & Unified Communication

Wie digitale Medien den Menschen beeinflussen

Professor Key Pousttchi beschäftigt sich an der Universität Potsdam damit, welchen Einfluss digitale Medien auf den Menschen und seinen Alltag haben sowie mit den Veränderungen die dadurch auf Unternehmen zukommen. Im Gespräch mit IT-BUSINESS gibt er Einblicke in seine Forschungsergebnisse.

Wie verändern digitale Medien die Art und Weise unserer Kommunikation?

Pousttchi: Heute ist nicht nur das Wissen der Welt, sondern auch die Welt selbst nur einen Klick von uns entfernt (was übrigens, wie gern vergessen wird, auch umgekehrt gilt). Die elektronischen Möglichkeiten der Information, Transaktion und Interaktion bereichern und bestimmen unser Leben. Gleichzeitig verändern sie die Spielregeln für Unternehmen, gesellschaftliche Gruppen und Regierungen – mit nicht immer absehbaren Folgen.

Wenn man beispielsweise ein paar Minuten seine Mitreisende in der Berliner U-Bahn beobachtet, wird die Wirkung mobiler Geräte überdeutlich: Wir wollen in Verbindung mit der Welt sein und mit den Menschen, die uns wichtig sind, dieser Drang ist schon immer im Menschen drin. Und schließlich, wenn wir ehrlich sind: Wie oft vertreiben wir unsere Langeweile durch ein paar Klicks und lassen uns im Datenstrom treiben?

Welche Medien führen zu diesen Veränderungen?

Pousttchi: Digitale Medien gibt es ja schon lange. Vor 35 Jahren habe ich als Jugendlicher erstmals BTX gesehen und war absolut fasziniert. Als ich vor fast 25 Jahren meine erste E-Mailadresse bekam, gab es nicht viele Leute, denen ich schreiben konnte. Auch an den Universitäten war das Thema außerhalb weniger technischer Fakultäten noch nicht präsent. Selbst vor 20 Jahren waren digitale Medien noch etwas für die technische Avantgarde, aber der Mobilfunk begann Fahrt aufzunehmen. Dann ging es plötzlich Schlag auf Schlag: Prepaid-Handys machten den noch fehlenden Teil der Bevölkerung erreichbar, günstige PCs mit Internetanschluss hielten überall Einzug. Vor etwas mehr als 10 Jahren machte dann Steve Jobs das Bild komplett und stellte der Welt ein Gerät vor, das die beiden Stränge zusammenführte und dabei in Bedienung und Design Maßstäbe setzte. Heute teilen Apple und Google sich die zentrale Position in diesem Markt und nahezu jeder trägt ein solches Smartphone ständig bei sich – für viele bildet es einen wichtigen Lebensmittelpunkt, privat wie beruflich.

Welche Veränderungen kommen dadurch auf Unternehmen und die Branche zu?

Pousttchi: In den Unternehmen wirkt sich das in drei Dimensionen aus: Im Leistungserstellungsmodell geht es um die Anpassung der Unternehmensorganisation an die digitale Welt, im Leistungsangebotsmodell um neue, vielleicht sogar ganz neuartige, Produkte und Geschäftsmodelle und im Kundeninteraktionsmodell geht es darum, wie sich diese Welt auf meine Verbindung zu Business- und Endkunden auswirkt.

Welche Strategie müssen Unternehmen in die Wege leiten, um Schritt halten zu können?

Pousttchi: Für die Digitale Transformation müssen sie alle drei eben genannten Dimensionen in den Griff bekommen. Das ist für bestehende Unternehmen hart – je größer, desto härter. Die Forschung in Deutschland weiß eigentlich seit Anfang der 1990er-Jahre, wie man vorgehen muss. Früher hätten wir das Business Process Reengineering genannt, in manchen Fällen sogar Business Reengineering. Die Buzzwords wechseln, aber die Aufgabe bleibt gleich. Dafür brauchen Unternehmen die besten Leute und das volle Engagement bis hin zum Vorstand, schon um die Bremser und Blockierer aus dem Weg zu räumen. Der Rest ist nicht Rocket Science, sondern vor allem ehrliche Arbeit: Analyse, Umsetzung, Kontrolle.

Welche Trends machen Sie momentan im Markt aus und welche werden davon zukunftsträchtig sein?

Pousttchi: Die Verbreitung von IT-Funktionalität und Konnektivität in den technischen Alltagsgeräten, die Welt der Sensoren und Aktoren, das wird weiter zunehmen. Kein Unternehmen kann es sich mehr leisten, diese Daten, ebenso wie die in den betriebswirtschaftlichen Systemen, einfach so vor sich „hinschimmeln“ zu lassen. Noch schlimmer ist allerdings, wenn Ingenieure und Führungskräfte oberflächlich und unqualifiziert mit den Daten umgehen, wie heute noch vielfach üblich. Das sieht man an schlechten, undurchdachten Detaillösungen ebenso wie am ahnungslosen Umgang mit Begriffen wie maschinellem Lernen oder Blockchain. Data Science ist eine Querschnittsaufgabe auf allen Ebenen. Das wird bleiben und das kann man auch nicht outsourcen, es ist Teil der Kernkompetenz. Ein Mindestmaß davon muss bei allen Fach- und Führungskräften ausnahmslos vorhanden sein, man spricht hier von Data Literacy.

Hoffentlich wieder verschwinden wird der Trend, Digitalisierung gegen Erfahrung auszuspielen und Blendertum zu akzeptieren. Wir müssen das Silicon Valley verstehen, aber wir sollten ihm nicht hinterherlaufen.

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