Studie: Chief Digital Officers

Wie erfolgreich sind deutsche Digitalchefs?

Das Berufsfeld des „Chief Digital Officer“ hat sich durchgesetzt – jetzt müssen die Digitalchefs liefern. Denn die Grundlagen sind vorhanden, wie die aktuelle CDO-Studie von TMG Consultants und der Hochschule Quadriga zeigt: 93 % der befragten Unternehmen verfügen über eine Digitalstrategie.

Stuttgart – Digitale Transformation ist das Gebot der Stunde, und die Unternehmen rüsten sich: Viele Firmen legen mit der Position des „Chief Digital Officer“ die Verantwortung für den digitalen Wandel in die Hände einer Person – und geben dafür immer mehr Geld aus. Laut CDO-Kompass gibt es über 320 CDOs (Chief Digital Officer) in der DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz), fast dreimal so viel wie noch vor zwei Jahren (120). Die Anforderungen an und Aufgaben eines Digitalchefs sind ebenfalls klarer als noch die Jahre davor – jetzt geht es um die konkrete Umsetzung ausgehend von der Digitalstrategie, die bei fast allen Unternehmen vorhanden ist. Wie erfolgreich sind die Digitalchefs und anhand welcher Indikatoren wird ihr Erfolg gemessen? Welche Rolle spielen sie beim digitalen Wandel der Unternehmen – und durch welche Maßnahmen?

Diese und weitere Fragen untersuchten die Hochschule Quadriga Berlin in Kooperation mit dem Beratungshaus TMG Consultants in der diesjährigen Ausgabe der CDO Studienreihe, an der 378 deutschsprachige Digitalchefs teilnahmen.

Ziele und Verantwortlichkeiten: Das „Was“ und „Wer“ sind klar

Nur sieben Prozent der befragten Digitalchefs verneinen die Frage, ob ihr Unternehmen eine Digitalstrategie definiert hat – die Weichen für einen digitalen Wandel sind also fast überall gestellt. „Was“ die Strategie hervorbringen soll, scheint bei den meisten Unternehmen ähnlich: 73 % sehen die Digitalisierung der internen Prozesse als wichtigste Maßnahme. 61 % der Befragten erhoffen sich dadurch eine Verbesserung des Kundenerlebnisses – weitere Ziele der Digitalstrategie sind Kostenreduktion (55 %) und Umsatzwachstum (54 %). Dagegen stehen Innovative Trends wie die KI-Technologie (24 %) oder die Integration von Start-ups (11 %) weiter unten auf der Digitalagenda.

Einig ist man sich auch darüber, „wer“ die Digitalisierung vorantreibt: Die Hälfte der Studienteilnehmer nennt die höchste hierarchische Ebene (C-Level): Die Unternehmensleitung oder der CDO selbst steuert die Digitalisierungsprojekte. Für den CDO-Bereich investieren die Unternehmen immer mehr: Bei 35 % ist die Mitarbeiter-Anzahl für die digitale Transformation im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, bei 42 % ist auch das Budget gestiegen oder zumindest gleichgeblieben.

Das „Wie“ muss (noch) gemessen werden

Ob die Strategie und die damit angestrebten Ziele auch in der Realität ankommen, lässt sich mittels geeigneter Key Performance Indicators (KPIs) ermitteln – sofern die Unternehmen solche definieren. Ein Viertel der befragten Unternehmen (24 %) nutzt keine KPIs, dabei weiß mehr als die Hälfte sehr wohl, wie wichtig Erfolgsmessung ist: 14 % der Befragten sehen die „Entwicklung von Erfolgsmaßen & KPIs“ als sehr wichtig und 38 % als wichtig an. Und die Studienergebnisse geben ihnen Recht: „Wenn man sich die Erfolgsfaktoren der Unternehmen anschaut, wird deutlich, dass diejenigen ohne Erfolgsmessung auch tendenziell weniger Budget und weniger Mitarbeiter haben. Sie schneiden in der Gesamtperformance auch schlechter ab“, bestätigt Studienmacher Wojciech Bolesta der TMG Consultants. Unternehmen mit definierten KPIs stellen meist absolute Größen wie den Umsatz in den Vordergrund und kaum das Kundenerlebnis. Sie vernachlässigen KPIs, die dynamische Entwicklungen abbilden können, wie beispielsweise der Umsatzwachstum und nicht nur den Umsatzanteil.

Die Top 3 KPIs sind laut aktueller CDO-Studie der Umsatz neuer Produkte/Dienstleistungen (33 %), die Anzahl optimierter Prozesse (31 %) sowie Rentabilitätskennzahlen (29 %). Dieses Jahr fragten die Studienmacher auch nach den Hürden auf dem Weg zur digitalen Transformation. Die offenen Fragen ließen ausführliche Angaben zu, zusammengefasst kamen die folgenden acht Nennungen am häufigsten: Budgetallokation, Kennzahlen und Verantwortlichkeiten, Digitales Bewusstsein, Technologisches Wissen, Kulturwandel, Change Management, Organisationsstruktur und Ressourcenproblematik.

Drei Erfolgsmaßnahmen erleichtern das „Wie“

Obgleich jedes Unternehmen einen individuellen Ansatz zur Organisation und Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Abteilungen hat, konnte die CDO-Studie 2018 durch die Frage nach „Best Practices“, mit denen die Zusammenarbeit zwischen CIO, CTO, CFO, CMO verbessert wurde, drei wesentliche Schwerpunkte herausstellen:

  • Pairing– Organisation ist alles: Der CDO fungiert als temporärer Leiter und spielt digitale Themen in alle Organisationsbereiche hinein, dies erlaubt Konzepte wie das Pairing. Es gibt für jeden Vertreter aus den klassischen Unternehmensbereichen einen Verantwortlichen aus dem Digitalisierungsbereich.
  • Cafeteria-Konzepte unterstützen übergreifende Kommunikation: Verschiedene Veranstaltungen des jeweiligen Bereiches stärken Kommunikation und Austausch, unterstützend wirken hier Kollaborationstools und Cafeteria-Konzepte. Es werden Netzwerke nach Themengebieten auf globaler, regionaler und lokaler Ebene aufgebaut, in denen Kollegen auch aus anderen Support-Funktionen aktiv sind.
  • Boot-Camps für mehr Wissensmanagement und Innovation: Methoden wie das agile Entwickeln werden auf die Modellierung neuer Geschäftsmodelle übertragen – die digitale Produktentwicklung profitiert von Ergebnissen aus Big Data Projekten, um die Kundenbedürfnisse zu treffen. Maßnahmen wie Boot-Camps und Kooperationen mit Forschungsprojekten ermöglichen dabei Co-Creation.

„Wann“ kommt der digitale Durchbruch? Ein Ausblick

Eine (positive) Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr im Berufsfeld des CDOs konnten die Studienmacher mit den aktuellen Daten belegen: Die Digitalstrategien stehen, die Zielvorstellungen sind klar – nun gehen die Digitalchefs an die Umsetzung und starten dabei mit der unternehmensinternen digitalen Transformation. „Der radikalste Umbruch sollte unmittelbar bevorstehen“, prognostiziert Bolesta, verantwortlich für das Competence Center Digital Transformation der Stuttgarter Unternehmensberatung. Wichtig für die Zukunft wird sein das Kennzahlen-Reporting anzupassen: KPIs dürfen nicht nur rückwärtsgewandt sein, sondern müssen laufend angepasst werden, damit Geschäftsideen, Märkte und Operations von heute bzw. morgen nicht nach der Logik von gestern bemessen und bewertet werden.

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