Wenn Lisa Kalleder über Karriere spricht, klingt das nicht nach Heldengeschichte, sondern nach Prozesslogik: Abitur mit 17, duales Studium mit 18, mit 21 dann der Bachelor – und anschließend nicht etwa der Master, sondern direkt das Steuerberaterexamen. „Ich habe den Master übersprungen, weil ich mehr Passion in meiner Arbeit finde als in der akademischen Laufbahn.“ Ganz frei von Biografie ist diese Nüchternheit nicht: Auch ihre Mutter arbeitet im Steuerbereich. „Daher war ich da schon immer ein bisschen drin“, sagt Kalleder und fügt hinzu, dass sie diesen Weg ursprünglich gar nicht einschlagen wollte. Dieses kleine Paradox passt zu ihr: nicht romantisch, sondern realistisch.

Tempo entsteht für sie dort, wo Neigung und Können zusammenfallen. Pathos liegt ihr fern. Dieser Pragmatismus passt zu einer Generation, für die digitale Arbeitsweisen selbstverständlich sind. Papierarchive, analoge Prozesse oder klassische Hierarchien gehören für Kalleder nicht zum beruflichen Referenzrahmen. Sie hat Steuerberatung von Beginn an digital erlebt – und denkt sie entsprechend weiter. Sichtbarkeit im Netz, digitale Kommunikation mit Mandanten, persönliche Präsenz auf Plattformen: Für sie gehört all das selbstverständlich zur Arbeit einer modernen Steuerberatungsgesellschaft.

Digital ist der Normalzustand

In der Kanzlei wibatax, in der Kalleder bereits Partnerin ist, zeigt sich dieser Ansatz deutlich. Rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten an zwei Standorten; vier Partner führen die Kanzlei, seit Anfang des Jahres ergänzen zwei Associate Partner die Runde. Neben Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung gehören eine Kooperation mit einer Rechtsanwältin sowie eine eigene IT-Gesellschaft zum Verbund. Aus der klassischen Kanzlei entsteht so eine Struktur, die einem kleinen Ökosystem ähnelt: interdisziplinär, digital organisiert, strategisch ausgerichtet.

Für Kalleder stellt Digitalisierung kein Projekt dar, sondern die Grundlage der Arbeit. „Ich habe so arbeiten gelernt“, sagt sie. Ein vierköpfiges Digitalisierungsteam verantwortet Schnittstellen, Mandanten-Onboarding und Prozessstandards; hinzu kommt ein KI-Team. In der Partnerrunde gilt Digitalisierung deshalb als „abgeschlossen“. Gemeint ist: Alle Kernprozesse laufen digital.

Die nächsten Schritte liegen in der Automatisierung, Optimierung und Standardisierung. Wo Daten digital vorliegen, sollen möglichst wenige manuelle Schritte bleiben. Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt Recherche und Arbeitsprozesse; das fachliche Urteil bleibt beim Menschen. Die eigentliche Veränderung liegt in der Arbeit selbst: weniger Abarbeitung, mehr Analyse und Beratung.

Dass sie als junge Steuerberaterin Verantwortung trägt, beschreibt Kalleder nicht als Hürde, sondern als Chance. „Meine Kollegen haben mir von Anfang an Aufgaben zugetraut und mich machen lassen“, sagt sie. Schon vor dem Examen führte sie intern Mandate. Mandantinnen und Mandanten spüren dabei den Rückhalt der Kanzlei.

Auch das Kundenportfolio folgt klaren Kriterien. wibatax versteht sich nicht als Kanzlei für alle. Neue Mandate müssen fachlich und wirtschaftlich passen. Bemerkenswert ist ein Satz, der in der Branche aktuell fast paradox wirkt: Die Kanzlei hat Überkapazitäten. Möglich wird das durch klare Prozesse, Effizienz und ein Team, das stark gewachsen ist – gestützt von Arbeitgebermarke, Kultur und konsequenter Mandatsauswahl.

Kalleders fachlicher Schwerpunkt liegt in der Gestaltungsberatung: Umstrukturierungen, Holdingmodelle und Nachfolgeplanung. Hier sieht sie den Kern moderner Steuerberatung: Compliance erfüllt die Pflicht, Gestaltung schafft spürbaren Mehrwert. „Wenn ich dem Mandanten ausrechne, was er spart, und zeige, wie Dinge künftig ablaufen könnten, dann sieht er das.“ Beratung bedeutet in diesem Verständnis nicht Verwaltung, sondern das Aufzeigen von Perspektiven.

Social Media ist die neue Website

Der digitale Ansatz von wibatax endet nicht bei den Prozessen. Er prägt auch die Außenwirkung. „Social Media ist die neue Website“, sagt Kalleder. Für Mandanten spiele LinkedIn eine zentrale Rolle; zugleich wirke Sichtbarkeit als Vertrauensvorschuss für Bewerberinnen und Bewerber.

Kalleder setzt dabei bewusst auf eine Personenmarke. Sie tritt nicht nur als Partnerin der Kanzlei auf, sondern auch als eigenständige Stimme im Netz: mit Beiträgen, Diskussionen und Einblicken in den Berufsalltag. Ergänzt wird diese Präsenz durch den Podcast wiba.talks, den sie gemeinsam mit Florian Helmensdorfer und Robert Ranftl moderiert. Die Themen bewegen sich zwischen Steuern, Unternehmertum und Karriere. Gespräche mit Mitarbeitern, Unternehmern oder Fachkollegen liefern zugleich Inhalte für Plattformen wie Instagram und schaffen Anlässe für neue Kontakte. Mal sprechen die Gastgeber mit Teammitgliedern über Berufswege, mal mit Firmenchefs über unternehmerische Entscheidungen. In anderen Folgen diskutieren sie fachliche Themen wie die Rechtsform GmbH oder Holdingstrukturen.

Parallel engagiert sich Kalleder auch in der Ausbildung des Nachwuchses, unter anderem mit einem Lehrauftrag an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg im Modul „Betriebswirtschaftliche Steuerlehre“.

In fünf Jahren soll wibatax noch stärker wie ein klassisches Unternehmen funktionieren: mit Teamleitern, klaren Verantwortlichkeiten und geringerer Abhängigkeit von einzelnen Partnern. Digitale Integration und KI bilden dann den selbstverständlichen Hintergrund.

So wirkt wibatax weniger wie eine Kanzlei, die Digitalisierung umgesetzt hat, sondern wie eine Organisation, die Wandel als Dauerzustand versteht. Und Lisa Kalleder verkörpert genau das: schnell, strukturiert, unprätentiös – aber stets präsent, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen.

Über die Kanzlei

wibatax ist eine Steuer- und Wirtschaftsberatung mit Sitz in Regensburg. Die Kanzlei betreut lokale und international tätige Mandanten – von Privatpersonen über Start-ups bis zu mittelständischen Unternehmen. Sie bietet ganzheitliche Steuer-, Wirtschafts- und Digitalisierungsberatung mit Fokus auf individuellen, effizienten Lösungen.