Pressemeldung

GoBD versus GoBIT - Buchführung im digitalen Zeitalter

Hintergrund zur Diskussion zwischen Politik und Wirtschaft um neuen Standard

Nürnberg, 04. Juli 2013: Ginge es nach den Vorstellungen, die das Bundesministerium der Finanzen (BMF) kürzlich formuliert hat, müssten Unternehmen zukünftig alle Belege innerhalb von zehn Tagen verbuchen, Anschaffungsbelege bis zum Ende der Nutzungsdauer aufheben und auf Wunsch der Finanzbehörden ihre Buchführung gegebenenfalls ganz oder teilweise ausdrucken. Dies hat das BMF in dem Entwurf der "Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff (GoBD)" vorgeschlagen. Die Kritik zahlreicher Experten, unter anderem vom Branchenverband BITKOM, fiel entsprechend harsch aus. Nun hat das BMF erste Änderungen vorgenommen und in einem Schreiben vom 26. Juni einige Wirtschaftsverbände zu einem Fachgespräch eingeladen.

Zum Hintergrund: Damit die wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen auch für Dritte nachvollziehbar ist, haben sich bereits seit dem 14. Jahrhundert Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung herausgebildet, kurz GoB. Diese haben Rechtsnormcharakter, das heißt, sie sind in der Rechnungslegung verbindlich anzuwenden. Einige dieser Prinzipien wurden 1985 im HGB erstmals explizit kodifiziert. Durch den Einzug der digitalen Datenverarbeitung in die Unternehmen mussten die GoB auf die neuen technischen Gegebenheiten übertragen werden. Unternehmen, die für ihre Finanzbuchführung IT-Lösungen bzw. Software einsetzen, haben daher in Deutschland die "Grundsätze ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchführungssysteme (GoBS)" zu berücksichtigen.

Aktualisierung dringend notwendig

Die aktuelle Fassung der GoBS stammt aus dem Jahr 1995. Da sie nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entspricht, muss sie dringend aktualisiert werden. Vertreter von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden haben daher im Herbst 2012 einen Entwurf zur Aktualisierung der GoBS vorgestellt, die "Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung beim IT-Einsatz (GoBIT)". Dieser Entwurf war in mehrjähriger Arbeit in einer Arbeitsgruppe der Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Verwaltung e.V. (AWV) entstanden. An der Arbeitsgruppe waren unter anderem Vertreter von BStBK, IDW, BITKOM, SAP, Siemens, KPMG, BdB und DATEV beteiligt. Fachliche Vorbehalte und Änderungswünsche der Finanzverwaltung wurden in den GoBIT berücksichtigt.

Am 09. April 2013 veröffentlichte das BMF mit den GoBD einen eigenen Vorschlag unter Einschluss der vor allem für Betriebsprüfungen relevanten "Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen (GDPdU)". Darin stellt die Finanzverwaltung zusammen, was aus steuerrechtlicher Sicht erforderlich sein soll. Zudem wurden in diesem Zusammenhang - Stichwort Bürokratieabbau - Erleichterungen für die Wirtschaft versprochen. Davon ist allerdings in den GoBD laut der bisher bekannten Stellungnahmen zahlreicher Sachkundiger fast nichts zu erkennen - im Gegenteil.

Deutliche Kritik am Entwurf der Finanzverwaltung

Die Kritik in den Stellungnahmen zum ersten GoBD-Entwurf etwa von BStBK, IDW, BITKOM, DStV und AWV sowie in einer gemeinsamen Erklärung der acht großen deutschen Wirtschaftsverbände (DIHK, ZDH, BdB, HDE, BDI, BDA, GDV, BGA) ist zum Teil sehr deutlich. Fast einhellig werden die GoBD abgelehnt bzw. eine deutliche Überarbeitung gefordert; zahlreicheSchwachpunkte, Unklarheiten und Verschärfungen für dieBuchführungspflichtigen gegenüber den bisherigen GoBS werden hervorgehoben.

In der IT-Wirtschaft wird unter anderem bemängelt, dass die GoBD einen neuen Standard für die elektronische Buchführung definieren wollen, der, so Prof. Dieter Kempf, Vorstandsvorsitzender der DATEV eG, "auf einem IT-Verständnis von vor über 20 Jahren beruht". Mit dem Ende Juni vorgelegten geänderten Entwurf sei wenigstens "der größte Anachronismus, die Kontierung auf dem Beleg, beseitigt worden".

"Praxistaugliche Lösungen gemeinsam suchen"

In allen Stellungnahmen zur ersten Fassung der GoBD wird der Wunsch ersichtlich, die Finanzverwaltung möge wie bereits bei der Entwicklung der GoBS im Jahre 1995 zu einer kooperativen und konstruktiven Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zurückkehren. In der Stellungnahme der acht Wirtschaftsverbände heißt es: "Wir sind der Auffassung, dass Finanzverwaltung wie Unternehmen nur gemeinsam die schwierige Aufgabe bewältigen können, praxistaugliche Regeln zur elektronischen Buchführung bzw. Archivierung zu entwickeln." Hierzu müsse das Know-how aller Beteiligten gebündelt werden.

Die mit Schreiben des BMF vom 26. Juni erfolgte Einladung zum Fachgespräch wird nun als ein Schritt in die richtige Richtung gesehen. Die DATEV empfiehlt allerdings weiterhin, sich bei der Weiterentwicklung der GoBS am Konzept der von der Wirtschaft entwickelten GoBIT zu orientieren. Denn darin würden die wichtigen handelsrechtlichen Vorschriften so im Hinblick auf die zeitgemäße Organisation einer EDV-Buchführung festgehalten, dass keine grundlegende Umstellung der aktuellen Buchführungssysteme erforderlich wird. Die GoBIT wurden aber seitens der Finanzverwaltung für ihren Vorschlag offensichtlich völlig ignoriert.

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DATEV eG

Claudia Specht, Telefon +49 911 319-1450, claudia.specht@datev.de